Aus . – 29.07.2022 10:00 (30.07.2022 Akt 15:33)
Hat ein Elternteil wenig Bildung, bleibt die Familie oft klein. ©APA/HELMUT FÖHRINGER
Bei wenig gebildetem Elternteil ist die Familie oft kleiner als bei bildungsfernen Paaren. Das zeigt eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung.
Für die Studie wurden Daten aus 22 europäischen Ländern, darunter auch Österreich, ausgewertet. Folglich werden in Partnerschaften, in denen mindestens ein Elternteil einen niedrigen Bildungsstand hat, seltener Geschwister geboren, als wenn beide Elternteile einen technischen oder universitären Abschluss haben.
Familiengröße durch Einkommen beeinflusst
Wann und wie viele Kinder einem Paar geboren werden, hängt immer von den Möglichkeiten des Paares ab. Diese werden stark von Beruf, Einkommen und damit auch von Bildungsabschlüssen bestimmt. Das Bildungsniveau des Partners kann ausschlaggebend für die Entscheidung für oder gegen ein weiteres Kind sein, insbesondere bei weniger Gebildeten mit oft knapp unterdurchschnittlichen Einkommen.
Natalie Nitsche vom Max-Planck-Institut in Rostock (Deutschland) und ihre Kollegen haben in ihrer im Fachblatt „Comparative Population Studies“ veröffentlichten Studie Daten der Panelstudie EU-SILC (European Statistics on Income and Living Conditions) ausgewertet. Sie enthält Informationen zu allen Mitgliedern eines befragten Haushalts, darunter Angaben zur Bildung und zur Anzahl der Kinder.
Daraus errechneten die Forscher die Wahrscheinlichkeit, dass Paare mit unterschiedlichem Bildungshintergrund ein zweites oder drittes Kind bekommen würden. Der Fokus liegt auf den Geschwistern, denn die Bildungskombination der Eltern beziehe sich meist eher auf die Geburt eines weiteren Kindes als auf die Geburt des ersten Kindes, betonen sie.
Die Studie vergleicht Daten aus verschiedenen Regionen Europas
Die Analyse wurde für fünf Gruppen durchgeführt: Paare, bei denen beide Elternteile eine gute, mittlere oder niedrige Bildung haben, und Paare, bei denen sie eine niedrige und er eine hohe Bildung hat und umgekehrt. Nach der internationalen Definition (ISCED-Klassifikation) gelten Personen ohne Sekundarschulbildung als Personen mit niedrigem Bildungsniveau und Personen mit Fach- oder Universitätsabschluss als Personen mit guter Bildung. Außerdem wurden die Länder in die Cluster Nord-, West-, Süd- und Osteuropa eingeteilt.
Besonders groß sind die Unterschiede in Nordeuropa: In Ländern wie Dänemark, Schweden, Norwegen etc. ist die Wahrscheinlichkeit, zwei bis fünf Jahre nach der ersten Geburt ein zweites Kind zu bekommen, bei zwei gut ausgebildeten Paaren viermal höher als bei zweien gebildete Partner. Paare mit niedrigem Bildungsstand in den nordischen Ländern sehen sich möglicherweise den meisten Einschränkungen gegenüber, wenn sie sich entscheiden, ein weiteres Kind zu bekommen, was angesichts der hohen Transferleistungen des Sozialstaats für Frauenfamilien in dieser Region bemerkenswert ist, schreiben die Forscher in dem Dokument.
Auch im übrigen Europa ist die Rate der Zweitgeburten bei Paaren mit einem oder zwei Elternteilen mit geringer Bildung deutlich niedriger als bei Paaren mit hoher Bildung. In Westeuropa, das Österreich in die Studie einbezieht, gilt dies auch für die Geburt dritter und weiterer Kinder.
Einfluss der Geburt auf die Stabilität der offenen Beziehung
Klären Sie, ob die unterschiedlichen Geburtenraten zwischen Paaren mit hohem und anderem Bildungsniveau auf Unterschiede in der Stabilität der Partnerschaft zwischen den unterschiedlichen Bildungsniveaus, der Verfügbarkeit von wirtschaftlichen Ressourcen wie Beschäftigung, Arbeitsplatzsicherheit und Finanzierung oder anderen Ressourcen zurückzuführen sind. Im Zusammenhang mit Bildung seien beispielsweise soziale Netzwerke, der Zugang zu Gesundheitsdiensten oder Mechanismen zur Stressbewältigung oder Konfliktlösung notwendig, betonen die Forscher.