Wien Energie und EVN erhöhen ab 1. September die Preise

Aus . – 03.08.2022 14:14 (akt. 03.08.2022 18:46)

Ab 1. September erhöhen Wien Energie und EVN die Preise für Strom und Gas. ©APA/HERBERT NEUBAUER

Ab 1. September erhöhen Wien Energie und EVN die Strom- und Gaspreise in Wien und Niederösterreich. Die Indexanpassung wird aufgrund der aktuellen Marktlage vom 1. Januar 2023 vorgezogen.

Die Indexanpassung der Standardtarife von Wien Energie und EVN im Rahmen der Energieallianz Austria (EAA) wird aufgrund der aktuellen Marktsituation auf den 1. Jänner 2023 vorgezogen. „Dramatische Preissteigerungen“ machten eine Vorverlegung der Anpassung erforderlich, teilte die EAA in einer Pressemitteilung mit. Wien Energie und EVN wollen die Erhöhungen mit Aktionen abfedern.

Wien Energie und EVN erhöhen Strom- und Gaspreise

Für einen Haushaltskunden mit einem Stromverbrauch – je nach Haushaltsgröße – von 3.500 Kilowattstunden (kWh) bzw. 2.000 kWh bedeutet die Preisanpassung monatliche Mehrkosten von rund 57 Euro bzw. 36 Euro (jeweils inkl. MwSt.). Für Haushaltskunden mit einem jährlichen Gasverbrauch – je nach Haushaltsgröße – von 15.000 kWh bzw. 8.000 kWh bedeutet die Preisanpassung monatliche Mehrkosten von rund 108 Euro bzw. 60 Euro (jeweils inkl. MwSt.).

Künftig werden die Preise laut EVN zweimal jährlich zum 1. April und zum 1. Oktober angepasst. Gleiches gilt für Wien Energie. Burgenland Energie werde folgen, sagten APA-Experten. „Die heutige Entwicklung zeigt, dass ein Jahr eine sehr lange Zeit sein kann. Durch eine zweite Anpassung pro Jahr können wir schneller reagieren und die Reduzierungen auch schneller an unsere Kunden weitergeben“, sagt Zach.

Vorzeitige Anpassung der indexierten Preise für EAA-Produkte

Der Österreichische Strompreisindex (ÖSPI) ist laut EAA in einem Jahr um 247 Prozent und der Österreichische Gaspreisindex (ÖGPI) um 323 Prozent gestiegen. Preisanpassungen basieren auf Lieferbedingungen, die dem Aufwärtstrend dieser Indizes folgen. Die vorgezogene indexierte Preisanpassung ab 1. September 2022 gilt für Produkte der EAA regionalen Energievertriebsgesellschaften in Wien und Niederösterreich, die keine detaillierten Preisanpassungsklauseln in der Preisliste haben: EVN Energievertrieb GmbH & Co KG und Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG.

Indexgebundene Preisanpassungen werden im Burgenland nicht bevorzugt

Im Burgenland werden indexierte Preisanpassungen im Strom- und Gasbereich nicht dargestellt. Neben Wien Energie und EVN ist auch Burgenland Energie (BE) Teil des gemeinsamen Vertriebskanals EAA. Für Kunden der BE Vertrieb GmbH & Co KG bleibt die bisherige Systematik der bestehenden Lieferbedingungen erhalten.

Die AK Wien kritisiert die zu erwartende Erhöhung

Die Arbeiterkammer Wien kritisierte die erwartete Erhöhung der Strom- und Gaspreise. Für die AK ist es unverständlich, warum die Lieferkonditionen jetzt wieder geändert werden und die Preiserhöhungen einige Monate früher kommen. „Wir fordern die Unternehmen dringend auf, von übereilten Preiserhöhungen Abstand zu nehmen“, sagte AK-Präsidentin Renate Anderl laut Aussendung.

Kritik kam auch vom Vorsitzenden der Wiener Grünen, Peter Kraus: „Auf nationaler Ebene hören wir fast täglich eine neue Forderung der SPÖ zu den Energiepreisen. In Wien, wo man einspringen und etwas bewegen könne, die SPÖ tut einfach nichts.” Auch ÖVP-Energiesprecherin Tanja Graf kritisierte den Schritt: „Während SPÖ-Präsidentin Pamela Rendi-Wagner eine sozial qualifizierte Preisobergrenze für Energie fordert, kündigt sie ab September im rot regierten Wien wieder Energiepreiserhöhungen an müssen bereits massiv unter der Inflation leiden.”

Starke Kritik aus der Politik nach Bekanntgabe der Preiserhöhung

Der Wirtschafts- und Finanzlandesrat der Stadt Wien, Peter Hanke (SPÖ), pochte auf eine „schnelle, einheitliche und bundesweite Lösung zur Entlastung der Bevölkerung, weil wir bei den kriegsbedingten Energiepreisen nur Passagiere sind“. Auch beim jüngsten Energiegipfel im Bundeskanzleramt forderte er eine österreichweite Regulierung. Derzeit „gibt es keine Energieknappheit, sondern massive Inflation“.

Burgenland Energie könne die Preiskapriolen abfedern, sagte Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil (SPÖ). Damit blieben die Haushalte im östlichsten Bundesland im Herbst von der aktuellen Preiserhöhung durch die Energieallianz verschont. Zudem erneuerte der Politiker seine Forderung nach einer Deckelung der Energiepreise in der Bundesregierung.

In Niederösterreich hingegen herrschte die größte Aufregung. SPÖ, FPÖ und Grüne kritisierten die Preiserhöhungen. Landeshauptmann-Stellvertreter und SPÖ-Landesvorsitzender Niederösterreich, Franz Schnabl, forderte erneut einen sofortigen Wechsel zum Schweizer Modell. Das Leistungsprinzip, wonach das letzte (meist teuerste) Kraftwerk (Gas) das Preisniveau bestimmt, muss außer Kraft gesetzt werden. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) muss als Vertreterin des Mehrheitseigentümers – die börsennotierte EVN befindet sich zu 51 Prozent im Staatsbesitz – die „Preisexplosion“ bei Strom und Gas stoppen „Wenn sich die EVN gegen faire Preise wehrt, muss der Staat das Unternehmen wieder übernehmen“, forderte Schnabl.

Die FPÖ Niederösterreich kündigte in einer Aussendung an, dass die ÖVP ihre Landsleute bei der Preiserhöhung der EVN im Stich lasse. Die in der vergangenen Woche im Landtag beschlossene Förderung von elf Cent pro Kilowattstunde ist nach Angaben des FPÖ-Landesvorsitzenden Udo Landbauer weggefallen. Der Niederösterreichische Strompreisrabatt ist auf 80 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsverbrauchs begrenzt. Auch die FPÖ bestand darauf, die überschüssigen Gewinne der EVN „voll und ganz direkt an alle Kunden“ zurückzuzahlen.

Die Sprecherin der NÖ Grünen, Helga Krismer, nannte den Strompreisrabatt in ihrem Bundesland eine „reine PR-Show“ von Mikl-Leitner. Die Subvention wird nach Ansicht der Grünen wenig Wirkung zeigen. Er hat die Landesregierung aufgefordert, die “Strompreislawine” zu vermeiden.

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