Wiener Kindergärten: Der Leiter der MA-10 wurde wegen Missbrauchs entlassen

von. – 06.07.2022 10:47 (akt. 06.07.2022 20:30)

Ein neuer Missbrauchsfall in Wiener Kitas wurde gemeldet. © APA/dpa/Uwe Anspach (Symbolbild)

Eine weitere Wiener Kindergärtnerin wurde der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Leiterin der Magistratsabteilung 10 (Kindergärten), Daniela Cochlar, wird entlassen.

Dem Erzieher wird „pädagogisches Fehlverhalten“ vorgeworfen, wie der zuständige Stadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) am Dienstag mitteilte. Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek, auf APA-Anfrage mitteilte, wird derzeit die Richtung der Freiheitsentziehung ermittelt.

ORF-Bericht über entlastenden Bericht

Der ORF berichtete derweil, dass ein Sachverständiger den ersten Verdächtigen teilweise entlastet habe. Der Bericht der Staatsanwaltschaft wurde Ö1 zugespielt. Es scheint, dass seine Kameraden den Mann beschützten. Er sagt dies in Bezug auf die Anzeige von sexuellen Übergriffen unter anderem beim Windelwechseln: „Die Kindergärtnerin war nie allein mit dem Kind und die Situation hat sich nicht geändert.“ Laut ORF heißt es in dem Bericht zur Einschätzung des Jugendamts: „Durch Zeugenbefragungen beim Jugendamt MA 11 und den daraus resultierenden Sachverhalten können die Vorwürfe nahezu vollständig von Amts wegen zurückgewiesen werden.“

Der Bericht kommt auch zu dem Schluss, dass die Aussagen des fast dreijährigen Mädchens, das zunächst besorgt war, nicht zu einer Verurteilung führen würden. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass der Sachverständige im April des Vorjahres mit dem Mädchen gesprochen, seinen Bericht aber vor kurzem, mehr als ein Jahr später, an die Staatsanwaltschaft übergeben hat. Während es einen weiteren Bericht gibt, ist der Inhalt noch nicht bekannt.

Kindergärten in Wien: MA-10-Chef nach Missbrauch entlassen

Der Verdächtige arbeitete in derselben Kita in Penzing, in der auch angebliche Übergriffe und Misshandlungen von Kleinkindern gemeldet wurden, gegen die bereits Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen. Im Zuge der Ermittlungen zu diesem Fall ergaben sich Verdachtsmomente gegen einen zweiten männlichen Mitarbeiter der Einrichtung, der später in einen anderen Landkreis gewechselt war. Nach aktuellem Ermittlungsstand soll es im zweiten nun bekannten Fall keine sexuelle Komponente geben.

Anders verhält es sich in einem dritten Fall, der sich auf eine außerstädtische Kita in Liesing bezieht. Ein dort tätiger Lehrer stehe im Verdacht, zwei Fünfjährige sexuell missbraucht und belästigt zu haben, bestätigte die Landespolizeidirektion am Wochenende gegenüber der APA. Er arbeitet nicht mehr an der Installation.

Zum Krisenmanagement gebe es unterschiedliche Auffassungen, begründete der Ressortleiter die Suspendierung im Gespräch mit Journalisten. Wiener Kindergärten war vorgeworfen worden, im Zusammenhang mit mutmaßlichen Missbrauchsfällen in einer Penzinger Kinderkrippe zu spät informiert zu haben. Der neue Fall betrifft auch diese Einrichtung. Allerdings soll es sich nicht um sexuelle Übergriffe gehandelt haben.

Nähere Angaben zum neuen Missbrauchsfall machte Wiederkehr nicht

Weitere Details zu dem Fall wolle er derzeit nicht nennen, betonte Wiederkehr mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen. Pädagogisches Fehlverhalten kann auch Versuche beinhalten, Kinder einzuschüchtern. Es werde auch geprüft, ob ein Zusammenhang zu den vier bereits bekannten Fällen bestehe, sagte er.

Das war vor über einem Jahr. Auch der neue Vorfall ist schon lange her, Eltern haben ihn aber erst jetzt gemeldet. Grund dafür könnte die Meldung mutmaßlicher Missbrauchsfälle sein, wird vermutet.

Mann wechselte von der Gärtnerei Penzinger in Wien in eine leitende Position

Laut Wiederkehr wechselte der Mann nach seiner Tätigkeit in der Gärtnerei Penzinger in eine leitende Position in einer anderen Gärtnerei in einem anderen Landkreis. Bisher seien von dort jedoch keine Beschwerden gemeldet worden, wurde heute betont. Nach Anhörung der Vorwürfe wurde auch der Mitarbeiter ins Büro gebracht. Dienstrechtlich werde der Vertrag voraussichtlich nur im Falle einer Verurteilung gekündigt, sagte er am Dienstag.

Erzieher und Eltern der beiden Wiener Kinderkrippen wurden informiert

Die Stadtverwaltung versprach, dass ab heute Erzieher und Eltern an beiden Standorten gezielt mit Informationen versorgt werden. Auch psychosoziale Unterstützung wird angeboten. „Für Fehlverhalten gibt es in Wien null Toleranz“, sagte Wiederkehr.

Der Leiter der Rosa Abteilung hatte sich bereits beschwert, als ihm zu spät gemeldete mutmaßliche Misshandlungsfälle bekannt wurden. Kritisiert wurde auch, dass die Eltern nicht sofort über den ersten Verdacht informiert wurden. Die Leitung des Standorts Penzing wurde bereits ausgewechselt, doch nun muss die städtische Kita-Leiterin zurücktreten.

Das Standortmanagement in Penzing wurde bereits ausgetauscht

Während diese die Corona-Pandemie sehr gut bewältigt habe, habe sich der Blick auf das Krisenmanagement zuletzt „anders entwickelt“, sagte Wiederkehr. Er forderte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der diesen Schritt formell tun muss, auf, Cochlar von Führungsaufgaben zu entbinden. Jetzt wird das Quadrat vorübergehend gefüllt.

Bürgermeister Ludwig bestätigte in einer Pressekonferenz, dass er dem Rückkehrersuchen nachkommen werde. Er habe ein gutes Einvernehmen mit dem Koalitionspartner. Wenn der zuständige Rat den Schritt für notwendig halte, werde er darauf zugehen, sagte der Stadtverwalter.

Reaktionen von FPÖ und ÖVP

Die Wiener Oppositionsparteien FPÖ und ÖVP ernteten scharfe Kritik und Forderungen nach mehr Handeln. „Der Wiederkehr-Stadtrat hat zu spät gehandelt“, sagte Blau-Club-Präsident Maximilian Krauss in einer Aussendung. Er kündigte zudem an, dass die Wiener FPÖ “mehr Verdachtsmomenten” prüfe, “dass wir eine weitere Ausweitung des Skandals und noch mehr Fehlverhalten befürchteten”.

Die ÖVP fordert mehr Maßnahmen. „Neben der lückenlosen Aufklärung des vorliegenden Falls ist zusammen mit der Klärung der politischen Verantwortlichkeit ein Maßnahmenpaket unbedingt erforderlich, damit sich solch schreckliche Fälle nicht mehr wiederholen können“, sagte Bildungssprecher Harald Zierfuss einer gemeinsamen Aussendung mit der Verein. Präsident Markus Wölbitsch. Benötigt wird ein Kinderschutzkonzept oder eine Ombudsstelle, die vom jeweiligen Träger frei gewählt und von der Stadtverwaltung finanziert werden kann. Außerdem warten die Türken auf eine offizielle Entschuldigung.

Die Grünen begrüßen die Entlassung des Leiters der Wiener Gärtnerei

Die Wiener Grünen begrüßten die „wegen des kommunikativen Versagens der Stadt Wien“ notwendige Entlassung der Leiterin des Wiener Kindergartens. Dies ist jedoch keineswegs der einzige notwendige Schritt. „Es muss schnell eine sachliche und transparente Aufklärung erfolgen, zumal inzwischen weitere mögliche Vorfälle und Verfehlungen bekannt geworden sind. Außerdem fordern wir, dass die betroffenen Personen angesichts möglicher Verdachtsmomente bis 2018 nicht in Einrichtungen des Grundschulwesens eingesetzt werden dürfen eine umfassende Aufklärung ist erfolgt“, sagte Julia Malle, Regierungsrat und Stellvertreter Felix Stadler.

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