Windfall Tax: Energiemultis müssten auf Milliarden verzichten

Sermin Faki und Thomas Müller

Während einige sterben, füllen andere ihre Taschen. Es klingt furchtbar zynisch, ist aber wahr: Der Krieg in der Ukraine beschert Rohstoffkonzernen Traumgewinne. Laut Exxon: Der amerikanische Ölkonzern hat im zweiten Quartal dieses Jahres einen Gewinn von 17.900 Millionen Dollar erzielt, 13.000 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Also BP: Der britische Ölmulti schrieb 9,3 Milliarden Dollar, dreimal mehr als vor einem Jahr.

Auch Glencore: Der Zuger Rohstoffhändler machte im ersten Halbjahr 2022 einen Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar, zehnmal mehr als im Vorjahr. Gründe dafür sind Rekordkohlepreise und ein außerordentlich guter Handel mit Energieprodukten. So können sich Glencore-Aktionäre über eine schöne Sonderdividende freuen, während Mieter und Vermieter weltweit ein Sparpolster für die Heizkosten schaffen.

„Mehr Geld als Gott“

Die Kriegsprofiteure stießen weltweit auf Empörung. US-Präsident Joe Biden (79) kritisierte beispielsweise, dass Exxon und andere Multis “mehr Geld als Gott” machen würden. Auch UN-Generalsekretär António Guterres (73) bezeichnete sie am Mittwoch als „unmoralisch“.

Sie fordert die Regierungen daher auf, diese überschüssigen Gewinne aus der Krise zu besteuern und sie zur Unterstützung der Schwächsten einzusetzen. Es sendet eine klare Botschaft an die Ölindustrie und ihre Finanziers, dass ihre Gier die Ärmsten bestraft und den Planeten zerstört.

Auflösung des Plans der Grünen

Angesichts der Halbjahreszahlen der Ölmultis entbrennt auch in der Schweiz die Diskussion um diese Steuer auf Krisengewinne, auch Windfall Profit Tax genannt. „An der nächsten Delegiertenversammlung Ende August werden wir eine Resolution zum Thema verabschieden und fordern, dass die Schweiz eine solche Windfall Tax einführt“, sagt Florian Irminger, Generalsekretär der Schweizer Grünen.

Während der Corona-Krise waren die Pharmakonzerne Krisengewinner, jetzt sind es die Ölmultis. “Kosten, die etwa für Wirtschaftshilfe, aber auch für die Aufnahme von Flüchtlingen und den Wiederaufbau der Ukraine entstehen, trägt die Allgemeinheit.” Sie kündigt für die Herbstsession relevante Entwicklungen an, die möglichst breit getragen werden sollen. Daher werden auch Gespräche mit anderen Parteien gesucht. “Zentralpräsident Gerhard Pfister hat Interesse an dem Thema bekundet.”

Auch Habeck will eine Sondersteuer

Tatsächlich fragte Pfister bereits Anfang Sommer beim Bundesrat nach, wie er eine unerwartete Steuer einführen würde. Wenig überraschend kann die Landesregierung damit nicht viel anfangen, und Pfister will es vorerst dabei belassen. Mehr Sorge war ihm damals, dass der Bundesrat vorbereitet ist, falls eine unerwartete Steuer zu einem internationalen Problem wird.

Das ist nicht unmöglich, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) entwickelt entsprechende Ideen. Und deshalb sagt Irminger auch, dass sich die Grünen international gut unterstützt fühlen. „Deutschlands Vizekanzler Robert Habeck will eine Steuer auf Gewinne aus dieser Krise, andere Länder haben sie bereits eingeführt“.

In Großbritannien werden beispielsweise alle Zufallsgewinne von Öl- und Gasunternehmen jetzt mit 25 Prozent besteuert. Im nächsten Jahr rechnen die Briten mit umgerechnet 5,8 Milliarden Franken Mehreinnahmen. Italien besteuert diese zufälligen Preise ebenfalls mit 25 Prozent.

Unterstützung der FDP

Auch die Grünen könnten in Anna Giacometti (60) eine Mitstreiterin finden. Auch der Nationalrat der FDP in Graubünden fragte im Frühjahr, ob der Bundesrat die Möglichkeit sehe, ausserordentliche Gewinne multinationaler Konzerne zu besteuern, um die Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz zu entlasten. Aber auch sie war enttäuscht.

Mehr zu den Vorteilen der Krise

Sie will nicht aufgeben. Sie war mit der Antwort des Bundesrates nicht zufrieden. „Und es ist auch widersprüchlich: Einerseits besagt es, dass man nicht zwischen Gewinn und Mehrgewinn unterscheiden kann. Zwei Zeilen später steht, dass überschüssige Gewinne bereits besteuert würden.“ Das geht nicht.

Und deshalb will Giacometti auch in der Herbstsession noch einmal nachbessern. „Mich stört es, wenn Konzerne aus Krisen ein Vermögen machen, während die Bevölkerung die Kosten tragen muss, wie es derzeit beim Benzin der Fall ist. Das ist einfach nicht richtig“, sagt er. Er werde das Thema Windfall Tax in der Herbstsitzung mit der FDP-Bundestagsfraktion debattieren. „Wenn es eine intelligente und faire Lösung gibt, sollte sie geprüft werden.“

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *