Windows statt Android: Huaweis Plan B.

– Huaweis Plan B.

Nachdem die USA den Zugriff auf Huaweis Android gesperrt haben, setzt der chinesische Konzern nun auf Bürorechner und vor allem auf Windows. Darf man das?

Gepostet heute um 17:47 Uhr

Laptops statt Smartphones: Huawei ist dank Windows wieder im Geschäft.

Foto: Rafael Zeier

Der 15. Mai 2019 war ein schwarzer Tag für Huawei. Die US-Regierung hat den aufstrebenden chinesischen Telekommunikationskonzern auf die schwarze Liste gesetzt. Infolgedessen wurde amerikanischen Unternehmen verboten, Geschäfte mit Huawei zu tätigen. Besonders drastisch: Google durfte das mobile Betriebssystem Android und seine Google-Dienste nicht mehr zur Verfügung stellen. Unmittelbar danach versank das Smartphone-Geschäft von Huawei in der westlichen Welt.

Jetzt, mehr als zwei Jahre später, sitze ich in Berlin bei einer Huawei-Präsentation. Das Unternehmen stellt neue Laptops, Monitore und Drucker vor. Sogar ein Microsoft-Manager betritt die Bühne und freut sich auf Windows 11.

Windows-Android-Statistiken

Offenbar hat Huawei einen Plan B für das Consumer-Geschäft gefunden. Da das PC-Geschäft (früher ein Nebenschauplatz) nicht von den USA gebremst wird, konzentriert sich das Unternehmen nun darauf.

Aber wie ist das möglich und kann Huawei das?

Wir finden die Lösung des Rätsels im Archiv. Am 20. November 2019 erteilte die US-Regierung Microsoft die Lizenz zur Lieferung von Software an Huawei.

Etwa 300 solcher Lizenzen wurden beantragt. Nur ein Viertel sei gewährt worden, berichtete Reuters. Microsoft war einer der Glücklichen. Google offensichtlich nicht. Bisher gibt es noch kein neues Huawei-Smartphone mit Google Android.

Im Gegensatz zu Android kann Huawei Windows sehr gut bedienen. Und darauf setzt das Unternehmen. Auf der Schweizer Website gibt es derzeit fünf verschiedene Laptop-Modelle. Es gibt auch Monitore, Mäuse, Tastaturen und sogar Drucker.

Um mir ein Bild von Huawei Laptops zu machen, habe ich mir das neuste Modell (das in der Schweiz noch nicht erhältlich ist), das Matebook 16s, für umgerechnet 1700 CHF ausgeliehen. Besonders beeindruckend waren Design und Konstruktion. Vor einem deutlich teureren Macbook Pro braucht sich der Laptop nicht zu verstecken. Touchpad, Tastatur und Haptik sind auf allen Ebenen sehr gut. Schön ist auch der große 16-Zoll-Bildschirm.

Weniger attraktiv war der leistungshungrige Prozessor, der den großen Akku spürbar in Mitleidenschaft zieht. Für Windows-Verhältnisse ist der Widerstand jedoch vollkommen in Ordnung. Wenn Sie jedoch an die neuesten Prozessoren von Apple gewöhnt sind, empfehlen wir Ihnen, das Ladekabel nicht zu Hause zu lassen.

Apropos Apple: Huawei sieht seine größte Stärke in der Vernetzung der eigenen Geräte. Der Test-Laptop verbindet sich automatisch mit Huaweis neusten Kopfhörern, den Freebuds Pro 2 (200 Franken), wenn man das Gehäuse öffnet. Und ähnlich wie Apple mit Airdrop hat auch Huawei ein System zum einfachen Hin- und Herschicken von Dateien zwischen verschiedenen Geräten.

Eine Vielzahl von Geräten

Weil Huawei auch Uhren, Tablets und Kopfhörer baut, kann das Unternehmen, was viele Computerhersteller nicht können: ähnlich wie Apple ein Ökosystem aus aufeinander abgestimmten, perfekt aufeinander abgestimmten Geräten anbieten.

Anders als Apple fehlt Huawei derzeit jedoch das wichtigste Puzzleteil: ein empfehlenswertes Smartphone. Aktuelle Geräte werden mit eigenem Betriebssystem und eigenem App Store ständig verbessert. Doch ohne Zugriff auf Google-Dienste sind Geräte hierzulande immer noch nur Technikbegeisterten zu empfehlen, die genau wissen, was sie können und was sie können.

Und so wird Huaweis Plan B, wenn sie in der PC-Branche richtig Gas geben, vor allem Acers, Asus, Lenovo, HP und Dell schaden. Denn etablierte Laptop-Hersteller werden nun lernen, was Samsung im Smartphone-Geschäft lernen musste: Huawei und seine Ambitionen sind keinesfalls zu unterschätzen.

Rafael Zeier ist Digital- und Gesellschaftsredakteur. Informiert über neue Webservices, testet neue Geräte und beobachtet Technologieunternehmen. Er macht auch YouTube-Videos. Mehr Infos @ rafaelzeier

Haben Sie einen Fehler gefunden? Jetzt melden.

4 Kommentare

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *