Drohender Energieengpass: „Wir brauchen keine Heizungspolizei“
Bei einem Gasengpass will die SP der Bevölkerung verbieten, das Haus über 20 Grad zu heizen. Bei den Energiepolitikern der anderen Parteien findet der Vorschlag kaum Anklang.
02.06.2022
Bei einem Gasengpass will die SP der Bevölkerung verbieten, das Haus über 20 Grad zu heizen. Bei den Energiepolitikern der anderen Parteien findet der Vorschlag kaum Anklang.
Der Ukrainekrieg befeuert im Winter die unsichere Energiesituation in der Schweiz, etwa wegen des geplanten EU-Embargos für russisches Gas. Die Schweiz hat letztes Jahr 40 Prozent ihres Erdgases aus Russland bezogen. Und Erdgas spielt gerade im Winter eine wichtige Rolle: Der meiste Gasverbrauch fällt in der kalten Jahreszeit an.
Der Bundesrat will vorsorgen: Die Industrie soll in den Nachbarländern eine physische Reserve von rund einem Sechstel des Schweizer Erdgasverbrauchs schaffen und zusätzliche Gasversorgungsmöglichkeiten sicherstellen.
Der SP reicht das nicht: In einem am Donnerstag veröffentlichten Positionspapier fordert die SP, dass bei Versorgungsschwierigkeiten Vorkehrungen getroffen werden müssen, um den Gasverbrauch zu senken.
Soweit möglich, schlägt die Partei vor, dass im Falle eines Engpasses Räume im Winter nur noch mit maximal 20 Grad beheizt werden sollen.
«Wir können beim Strom graduell viel sparen, aber auch bei Gas und Diesel», sagt SP-Nationalrätin Martina Munz, die der Energiekommission angehört. Jeder konnte helfen, Firmen, Schulen, aber auch Privathaushalte.
Jauslin: „Das Einsparpotenzial ist noch sehr hoch“
Als Geschäftsführer eines Elektroinstallationsunternehmens sieht Matthias Jauslin (FDP/AG) in der Praxis, wie viel bei Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen eingespart werden könnte. “Das Einsparpotenzial ist noch sehr hoch.” Vor allem bei öffentlichen Gebäuden und großen Wohnsiedlungen sollte damit begonnen werden. „Ein Technikraum oder ein Lagerraum in einem Schulgebäude, den man fast nie betritt, muss nicht 25 Grad heiß sein.“
Von Regelungen im persönlichen Lebensraum halte er allerdings wenig, „diese sind meiner Meinung nach nicht durchsetzbar“. Vielmehr erzeugen hohe Preise automatisch Anreize für die Menschen, ihre Immobilie zu renovieren oder besser zu nutzen. “Wer die Reformen verschoben hat, wird jetzt von der Realität eingeholt.”
«Wir brauchen keine Heizungspolizei», sagt Kommissionsvizepräsident Christian Imark (SVP/SO). Vielmehr wirft der Nationalrat der Linken vor, über Energierationierung sprechen zu müssen. Es muss jetzt sichergestellt werden, dass in Zukunft mehr bezahlbare Energie zur Verfügung steht.
Girod: “Es macht Sinn, dass wir uns auf einen Engpass vorbereiten”
Bastien Girod (Grüne/ZH) sieht eine Lösung, um die Reserven für den Winter zu erhöhen, konkret in der Wasserkraft: Die Grünen fordern eine Reserve von 25 Prozent statt der vom Bundesrat vorgesehenen fünf Prozent. “Für das Parlament ist es zu spät, der Bundesrat muss jetzt handeln.”
Er hält es für sinnvoll, zu versuchen, durch Heizen Energie zu sparen. Aber das sollte in Form einer Sensibilisierungskampagne erfolgen. “Es macht Sinn, dass wir uns auf einen Engpass vorbereiten.” Es fehlte jedoch die Akzeptanz und die notwendige gesetzliche Grundlage für die allgemeinen Regelungen zu Innenraumtemperaturen.