„Die Haltung und das Vorgehen der SPÖ Wien gegenüber Verkehrsexperten machen uns sprachlos“, sagten die Wissenschaftler in einer Stellungnahme. Für den Parteitag hatten sie einen offenen Brief vorbereitet, in dem sie ein Überdenken der Projekte und eine Mobilitätswende empfehlen.
„Dieser Text ist höflich, konstruktiv und differenziert formuliert und stellt keinesfalls einen Angriff auf die SPÖ dar“, so die Scientists for Future. Nevrivy hingegen bestritt die Expertise der Unterzeichner und Absolventen der Polytechnischen Universität im Allgemeinen.
Die Aufgabe der Politik ist es, die Wissenschaft ernst zu nehmen
„Noch vor einem halben Jahr drohten Ulrich Leth und Barbara Laa Klagen in Millionenhöhe“, sagten sie und verwiesen auf weitere Auseinandersetzungen zwischen Mobilitätsforschern und Stadtrat. „Angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise, die uns erwartet, war es wahrscheinlich nie wichtiger als heute, dass renommierte Wissenschaftler in ihrem Bereich gehört und ernst genommen werden“, sagte er. Es ist nicht die Aufgabe der Wissenschaft, der Politik zu sagen, was sie zu tun hat, aber es ist die Aufgabe der Politik, die Wissenschaft ernst zu nehmen und zuzuhören.
Parteitag: Nevrivy fordert Klimaschützer „Heisln“ auf
Wie erwartet haben Straßenbauprojekte am Samstag im Parteitag der Roten für Diskussionen gesorgt. Der Kreisverband Alsergrund und der Nachwuchs sprachen sich sogar per App für „Zukunft statt Tunnelblick“ aus. „Nicht nachhaltige und unsoziale“ Projekte sollten nicht durchgeführt werden, hieß es. Der Antrag wurde schließlich abgelehnt, aber es gab eine lange Debatte.
Kritik in den sozialen Medien
Gegner des roten Entwurfs argumentierten, dass andere Bundesländer Straßen bauen würden, aber Wien muss dem nicht unbedingt zustimmen. Auch während der Pandemie seien sie ihren eigenen Weg gegangen, hieß es. Eine Plakataktion von Jugend- und Studierendenvertretungen („Kein Beton am Wiener Weg“) forderte den Abbruch des Projekts.
Donaustadt-Bezirkshauptmann Ernst Nevrivy sagte hingegen, es gehe darum, ob die Wiener Partei hinter der Stadtregierung und dem Bürgermeister stehe, die „von den Grünen und allen anderen Schergen da draußen“ beschimpft und beschuldigt worden seien Monate. Nevrivy wurde daraufhin unter anderem von Grünen in den sozialen Medien scharf kritisiert. Aber auch die meist jüngeren Roten machten auf dem Parteitag ihrer Wut Luft.
Ludwig: “Erdiger Salbei im Topf”
Parteichef Michael Ludwig verteidigte am Montag den Roten Bezirksvorsitzenden. Am Rande einer Pressekonferenz sagte er, Nevrivy habe einen „sehr konkreten und irdischen Spruch“ geäußert. Wer den Bezirksleiter kennt, würde sich auch darüber freuen. Ludwig bedauert jedoch, dass die inhaltliche Aussage nicht in gleichem Maße berücksichtigt wurde. „Ich wünschte, es gäbe mehr Diskussionen über den Inhalt“, sagte Ludwig. Von Nevrivy selbst gab es am Montag keine Kommentare.