M’ajupi al Näbu / Ir Chuchi a la grada / Menjo Chummer de la can / Zwusche de Zigarette
Kuno Lauener, Sänger und Songwriter von Züri West, zelebriert in einer Reihe von Songs den Küchentisch als Lieblingsplatz der Melancholiker. Das Bild des einsamen Mannes unter der Küchentischlampe spät in der Nacht.
Viele seiner Texte seien dort entstanden, sagte er kürzlich der NZZ: «Ich versuche immer, mich auf eine Szene zu konzentrieren, die nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben meiner Protagonistin zeigt. Wie unter dem Lichtkegel der Küchentischlampe bleibt der Rest im Dunkeln.“
Geselliges Nest und kreatives Refugium
Die Küche ist das Zentrum der Wohnung, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Hier trifft sich die Familie, macht Hausaufgaben oder liest Zeitung. Es gibt Diskussionen, Debatten, Schweigen, Gelächter oder Tränen. Und am Ende jeder gemeinsamen Party landen alle in der Küche.
Die Küche ist ein geselliges Nest und ein kreatives Refugium. Ein Freund hatte beim Kochen immer geniale Ideen, die er fast täglich mittags und abends zelebrierte.
Die Autoren schreiben “ir Chuchi”
Ob Ad-hoc-Konzerte, späte Partys oder einsame melancholische Stunden: Nicht selten wählen Songwriter und Autoren das Kochen als Ort der Inspiration und Kreativität.
2013 widmete die Schweizer Autorengruppe «Bern ist überall» – darunter Beat Sterchi, Michael Stauffer und Pedro Lenz – dem gemütlichsten Ort der Wohnung ein Hörbuch. „Ir Chuchi“ ist eine zwölfteilige Hommage, die alle in der Küche aufgenommen wurden und den kreativen Rückzug wirklich zelebrieren.
Lara Stoll murmelt in der Küche
Für die Slam-Poetin, Filmemacherin, Musikerin und Autorin Lara Stoll ist Kochen „als kognitiver Kreativraum kaum vorstellbar“. In seinem ersten Buch „Hallo“ schreibt er über die Grillpartys in seiner Küche, die vorzeitig mit Haschischplätzchen enden.
Früher oder später lande ich immer in der Küche.
Wenn es nicht um Schauspiel oder Proben geht, schreibe ich es normalerweise zu Hause. Sie probiert mehrere Orte aus und sieht, wo die Kreativität am besten fließt. „Meistens gehe ich regelmäßig durch die Wohnung. Angefangen beim Sofa. Manchmal sitze ich sogar neben der Toilette im Badezimmer, um zu arbeiten. Aber früher oder später lande ich immer in der Küche“, sagt er.
Die Küche ist der ideale Kompromiss: „Der Kaffee ist immer in Reichweite, und in den Pausen kann man am Fenster stehen und komisch vor sich hin flüstern.“
Tennis in der Küche Esszimmer
Was macht die Küche? “Es ist nicht dein Zimmer. Es ist ein anderes Zimmer, das nichts mit Liegen, Schlafen und Netflix zu tun hat”, sagt Lara Stoll. Wer also kein Büro oder Atelier hat, nutzt die Küche zum Arbeiten.
Bildunterschrift: In der Küche beschwert sie sich: Slam-Poetin Lara Stoll. Keystone / Gaetan Bally
Theoretisch wäre das auch in der heutigen Wohnküche möglich, aber: „Wer eine moderne, offene Wohnküche hat, hat meistens auch ein Büro, das vielleicht besser zum Arbeiten geeignet ist“, sagt Lara Stoll. Aber er hat einmal in einer modernen, offenen Küche „ein bisschen Tennis gespielt“. Etwas, das in seiner mürrischen Küche nicht möglich wäre.
Ikonisch und Spiegel
Moderne Wohnküchen haben ein umfangreiches Design und Hightech-Objekte. Mit „Spiegelfronten“, „Ikonencharakter“ und „Oberflächen, die das Auge erfreuen“. So klingt Werbung, die auch ein Auto darstellen könnte.
Das funktionale Refugium der Vergangenheit ist heute das sichere Zentrum einer modernen Wohnung. Kochen ist nicht nur Essen zubereiten, es ist ein Erlebnis. Lebenstrends, gesellschaftliche Entwicklungen und Zeichen der Technik sind in Küchen zu erkennen.
Vor dem Zentrum der Wohnung
Die Küche als Aufenthalts- und Multifunktionsraum ist nichts Neues. „Das Konzept hat eine lange Geschichte“, sagt Christina Schumacher. Sie ist Professorin für Sozialwissenschaften am Institut für Architektur der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).
Bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts hätten normale Bürger viel in der Küche getan. “Weil es dort heiß war und es einen Tisch gab.”
Titel: Wohnexpertin: Christina Schumacher, Sozialkundelehrerin. zvg
Heute wird das Feuer in Form eines Induktionsherds entzündet, aber die Anziehungskraft ist geblieben. Die Nähe zur Küche sei den Menschen auch heute noch sehr wichtig, sagt Schumacher. Auch für die Arbeit: „Der Videoanruf vom Küchentisch ist aus der Bürozeit zu Hause nicht mehr wegzudenken.“
Als sie im Keller kochten
Die Phasen, in denen das Kochen im Wohnzimmer verboten war, bilden die Ausnahme von der Geschichte. Zum Beispiel Wohnen der Oberschicht im 19. und 20. Jahrhundert mit Dienstboten und Kochen im Keller. „Gerüche, Fette, Geräusche sollten nicht mit Leben und Leben kollidieren“, sagt Schumacher.
Wir haben ein sehr starkes Bedürfnis, das Kochen als Teil des Hauses zu erleben.
Auch die avantgardistische Idee der Laborküche der 1920er und 1930er Jahre scheiterte: „Das Ideal der kleinen und funktionalen Küche, in der die Hausfrau mit möglichst geringem Aufwand kocht, hat sich nie durchgesetzt. Bewohner schätzen einen Tisch in der Küche.“ Zum Glück ist auch das 1950er-Image der Küche als einziges „Hausfrauenreich“ überholt.
Galerie: Geschichte der modernen Küche
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Titel: 19. Jahrhundert und frühes 20. Jahrhundert In den alten Häusern und Bauernhäusern der Arbeiter war die Küche einer der Hauptwohnräume, in denen sich die Menschen zum Essen, zur Hausarbeit oder zum Bügeln versammelten. IMAGO / Zoonar
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Titel: Frankfurter Küche (1926) Das Projekt des Initiators Ernst May und der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky war der Archetyp der modernen Einrichtungsküche. Effizienz und Funktionalität standen im Fokus: Arbeitsplatten, Herd, Spüle, Elektrogeräte und Stauraum wurden praktisch und kompakt angeordnet, bei gleichzeitig hohem Designanspruch. IMAGO / Sandra Weller
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Legende: 1930 Die Küche war schon immer ein Spiegelbild der Technik. Dies wurde deutlich, als die ersten Elektrogeräte auftauchten. Die Küche wurde zum vom Wohnzimmer getrennten Arbeitsplatz, insbesondere für die damals nicht berufstätige Hausfrau. Wikimedia / Architekturmuseum
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Legende: Küchen der Nachkriegszeit bestanden nicht mehr aus Einzelteilen, sondern wurden als fertige Kombination geliefert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Kühlschränke und Elektroherde eingeführt. Davon zeugt die schwedische Küche, die auf Küchengeräte mit serienmäßigen Einbaumöbeln abgestimmt wurde. Wikimedia / Länsmuseet Gotland
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Legende: 1960er Ab den 1960er Jahren wurden die Maße, Formen und Funktionen der Küche weiter standardisiert, was Geld und Platz sparte. Die Küchen wurden wieder deutlich größer und zum zentralen Gesellschaftsraum. Das hatte auch damit zu tun, dass Frauen immer mehr arbeiteten und nicht mehr aus der Küche geworfen werden wollten. KEYSTONE / DPA
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Legende: 1970er Mehr als funktional: Ab den 1970er Jahren wurden Küchen wohnlicher und boten Platz für einen Tisch und eine Eckbank. In den angrenzenden Esszimmern öffneten sich immer mehr Küchen: Die Esszimmerküche war geboren. Alamy / ClassicStock
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