Wolfgang Mantl (83): Abschied von einem Universalgelehrten

Der Rechtsprofessor und Berater wichtiger ÖVP-Politiker ist in Graz gestorben. Mehrere Reformen gingen auf seine Initiative zurück.

Er beriet beispielsweise die ehemaligen ÖVP-Chefs Alois Mock und Erhard Busek oder den Landeshauptmann der Steiermark, Josef Krainer jun. Die Schaffung des ersten österreichischen Landesrechnungshofes in der Steiermark und die Reformen der steirischen Landesverfassung, wie etwa das Volksrechtsgesetz, gingen maßgeblich auf seine Initiative zurück. Der renommierte Politikwissenschaftler und Verfassungsrechtler Wolfgang Mantl (83) ist in der Nacht zum Freitag in Graz gestorben.

Der gebürtige Wiener forscht seit 1965 an der Karl-Franzens-Universität Graz. Auch über den Lehrplan hinaus gab der Professor seinen Studierenden gerne Weisheit weiter. Das kann von der Darstellung des Alltags in der Zweiten Republik bis hin zum Lob der Krawatten der Prüflinge (und leiser Kritik für diejenigen, die ohne erschienen) reichen. Wer Mantl im Flur der Hochschule begegnete, konnte immer mit einem humorvollen Kommentar des vorbeigehenden Professors rechnen. „Er hat die Universität nicht als Elfenbeinturm gesehen, aber er hat gesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen“, erinnert sich der ehemalige ÖVP-Politiker Herwig Hösele in der „Presse“.

CVer Mantl gründete die Grazer Schule für Rechtspolitik. Im April dieses Jahres erhielt er vom damaligen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer den Ehrenring des Landes Steiermark. Mantls Sohn Josef ist ÖVP-Mitglied im Wiener Gemeinderat.

Wiener und Europäisches Stirificat

Wolfgang Mantl sei “einer der letzten Universalgelehrten”, sagt Hösele. „Er war vor allem ein herzlicher Freund, hilfsbereit, von barocker Weite, kulinarischen und önologischen Genüssen zugetan, ein gerührter Wiener, ein glühender Österreicher und Mitteleuropäer.“

[SOI8X]

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *