Im Inneren befindet sich eine Fotoausstellung. Jede Sekunde blinkt ein neues Vordergrundbild über den Bildschirm. Jedes zeigt eine der vielen Gräueltaten der russischen Armee: zerstörte Häuser, Leichen, blutüberströmte Leichen, Fotos, die viele Medien zum Wohle der Zuschauer und Betroffenen oft nicht veröffentlichen.
Einst Treffpunkt der Moskauer Oligarchen
Das Haus ist seit Beginn des Weltwirtschaftsforums in Aufruhr. Anzumerken ist, dass sich der Spaziergang anlässlich des Weltwirtschaftsforums in eine Art Messe für große Unternehmen und Wirtschaftsnationen verwandelt. Während der Dauer des WEF werden die ebenfalls in den Läden ansässigen Bäckereien, Juweliere und Friseure verlegt, damit die Eigentümer der Häuser astronomische Mieten für die Showrooms der Gruppe verlangen können.
Das Besondere am Haus mit den roten Fensterläden: Bis zur letzten Ausgabe des WEF im Jahr 2020 stand das „Russische Haus“ mehrere Jahre in Folge hier. Vertreter des Kremls und der Oligarchen veranstalteten eine Hofparty, wilde Partys wurden abgehalten, Passanten wurde viel Wodka serviert, im Hinterzimmer wurden Angebote gemacht.
Der ukrainische Milliardär Victor Pinchuk hat den Laden nun gemietet, wie sein Berater Thomas Weihe auf Deutsch forderte, und anhand der Fotos “die Wahrheit über Russland herausfinden”.
Russland bald heruntergeladen
Der Erfolg dieses Mal hat vor allem einen Grund: Russland selbst ist beim Weltwirtschaftsforum nicht vertreten. Unmittelbar nach Beginn des Angriffskrieges in der Ukraine hatten die Organisatoren nicht so viele russische Regierungsbeamte wie etwa 20 Mitgliedsunternehmen eingeladen.
Manche sprechen dieser Tage sogar vom „westlichen WEF“, da China nur mit einer sehr kleinen Delegation vertreten ist. Angesichts der indischen Delegation um ihren Ölminister Hardeep Singh Puri und nicht zuletzt der Saudis, die sechs Minister in die Schweizer Berge schickten, trifft diese Beschreibung nicht ganz zu.
Und doch: In dieser Woche treten in Davos alte Machtblöcke aus dem Schatten der Geschichte, vielleicht mehr denn je seit Beginn des Ukrainekriegs. Hier die freie Welt von morgen, dort die Warlords, geleitet von der Idee eines ewigen Imperialismus von gestern.
Blau und Gelb dominieren Davos
„Krieg ist ein Wendepunkt in der Geschichte“, sagte WEF-Gründer Klaus Schwab in seiner Eröffnungsrede. “Es wird unsere politische und wirtschaftliche Landschaft verändern.”
Was er ungesagt ließ: In den zahlreichen Diskussionen, vor allem hinter verschlossenen Türen, dürften die Anwesenden in Davos einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich ihre Vorhersage bewahrheitet. Verträge zwischen Unternehmen, die Neuordnung von Lieferketten, Gespräche zwischen Staatsoberhäuptern ebnen den Weg für eine neue Welt, die der Krieg notwendig gemacht hat.
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