„Zeigen, dass wir da sind“: Kulturstaatsminister Roth zu Besuch in Odessa

„Zeigen, dass wir da sind“ Kulturstaatsministerin Roth zu Besuch in Odessa

6.6.2022, 16:35 Uhr

Seit dem russischen Angriffskrieg reist Claudia Roth als erstes Mitglied der Bundesregierung in die ukrainische Kulturmetropole Odessa. Dort will die Kulturstaatsministerin erfahren, wie Krieg jenseits der schweren Waffen aussieht. Die Hafenstadt ist ein strategisch wichtiger Ort.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth ist zu einem zweitägigen Besuch in Odessa eingetroffen. Der Grünen-Politiker ist das erste Mitglied der Bundesregierung, das nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine in die Schwarzmeerhafenstadt eingeladen wird. Roth ist auf Einladung des ukrainischen Kulturministers Olexandr Tkachenko in Odessa. Die Stadt habe unglaublich viel Kultur, sagte Roth zu Beginn der Reise. “Wir wollen zeigen, dass wir da sind, wir wollen zeigen, wie Kultur angegriffen wird.” Sie will in Odessa herausfinden, wie der Krieg jenseits der schweren Waffen aussieht. Angebote humanitärer Hilfe werden in den Debatten noch immer kaum erwähnt.

Die Stadt gilt nicht nur als Kulturmetropole, sondern ist auch von strategischer Bedeutung. Kürzlich gab es Berichte über Raketenangriffe in der Gegend von Odessa. In Moskau und Kiew heißt es immer wieder, Russland wolle auch die südliche Hafenstadt einnehmen, um die Ukraine vollständig vom Schwarzen Meer abzutrennen. Bis dahin hätte das Land keinen Zugang mehr zu den Ozeanen. Die Ukraine ist einer der größten Getreideproduzenten der Welt. Der Export über die Seehäfen der Ukraine wurde eingestellt. Russland blockiert den Export von rund 20 Millionen Tonnen Getreide, das meiste davon in den Hafen von Odessa.

Zuvor hatte Außenministerin Annalena Baerbock im Auftrag des Bundeskabinetts Anfang Mai Kiew und Ende Mai Entwicklungsministerin Svenja Schulze besucht. Oppositionsführer Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas waren bereits in Kiew. Anders als andere westliche Staats- und Regierungschefs hat Bundeskanzler Olaf Scholz bislang auf einen Besuch in der Ukraine verzichtet. Dies war auch eine Reaktion darauf, dass die ukrainische Seite den Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zunächst ablehnte. Diese Störungen gelten als behoben.

Roth hat sich bereits mehrfach für die Unterstützung ukrainischer Künstler in seinem Land und geflüchteter Künstler in Deutschland sowie ukrainischer Kultureinrichtungen eingesetzt. In Odessa wird er unter anderem mit dem Gouverneur der Provinz Odessa, Maksym Marchenko, und dem Bürgermeister der Stadt, Hennadi Trukhanov, zusammentreffen. Der Kulturstaatsminister will auch das Odessa Film Studio, die Philharmonie der Stadt, die Oper, das Ballett und die Odessa Science Library besuchen.

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