Zug bestätigt Abgänge wegen Sanktionen in Russland

Zug bestätigt Abgänge wegen Sanktionen in Russland

“Das ist in mehreren Fällen passiert”

Zuger Finanzchef Heinz Tännler kritisiert «frühen Gehorsam» gegenüber USA und EU. Und sie fordert vom Bundesrat eine andere Sanktionspolitik.

Herr Tännler, Sie kritisieren die Sanktionen gegen Russland. Heinz Tännler: Wir haben im Kanton Zug mehrere Fälle von Institutionen oder Firmen, die nicht direkt auf der Sanktionsliste stehen, aber mit einer sanktionierten Person in Verbindung stehen und uns um Hilfe bitten, weil sie weiterarbeiten wollen, aber gesperrt sind. Manchmal bemerke ich, gelinde gesagt, Ungeschicklichkeit bei der Anwendung von Sanktionen. Wir melden dies zuerst dem Seco, was einen langwierigen Prozess auslöst. Bis nach drei oder vier Wochen eine Entscheidung getroffen ist, hängt ein Unternehmen vielleicht schon in den Seilen. Und wenn das Seco schließlich eine Unbedenklichkeitserklärung abgibt, was häufig vorkommt, stimmen die Banken aus frühem Gehorsam gegenüber den USA und der EU meist nicht zu.

Die Chancen der Betroffenen sind also gering… Kurz gesagt heißt es: Ich kann die Zahlungen nicht leisten, muss umstrukturieren und mich von der Schweiz verabschieden.

Ist das in Ihrer Ecke schon passiert? Dies ist in mehreren Fällen geschehen. Wie viele es genau sind, kann ich aus Datenschutzgründen nicht sagen. Aber wenn ein Unternehmen umzieht, kann das mehrere hundert Arbeitsplätze betreffen.

Russland führt einen schrecklichen Krieg in der Ukraine. Du verstehst die Strafen nicht? Um es klar zu sagen, ich habe kein Mitleid mit dem Kreml-Aggressor, der den Angriffskrieg gegen die Ukraine führt. Aber wir übernehmen die EU-, UK- und US-Sanktionen so, wie sie sind, ohne sie auch nur ein Jota an unsere Umstände anzupassen. Was wir fordern, sind Sanktionen nach Schweizer Art, sozusagen mit Schweizer Finish. Nach aktuellem Stand setzt die Schweiz ihren Rechtsstaat aufs Spiel.

Haben Sie Ihre Bedenken gegenüber der Bundesregierung geäußert? Ich habe den Bundesrat bereits in Einzelfällen kontaktiert und mir wurde zugesichert, dass ich in jedem Fall reagieren werde. Doch der Bundesrat muss seine Sanktionspolitik grundlegend anpassen. Das Wichtigste ist, dass wir unsere Rechtsstaatlichkeit, eine der wichtigsten Tugenden der Schweiz, nicht aufs Spiel setzen dürfen.

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