Der rot lackierte Metallarm ragt in den Himmel. Der Eisenbahnkran, mit dessen Hilfe die Deutsche Bahn (DB) am Mittwochmorgen mit den möglicherweise letzten Rettungsarbeiten begonnen hat, verfügt über rund 160 Tonnen Hubkraft und hob den letzten der fünf entgleiste Waggons samt Lokomotive an 3. Juni bei Garmisch-Partenkirchen. Bei dem Absturz kamen fünf Menschen ums Leben, Dutzende wurden zum Teil schwer verletzt.
Die Ursache ist noch unklar, die Ermittlungen laufen und dürften langwierig sein: Die Beteiligten rechnen aufgrund der komplexen Lage nicht mit schnellen Ergebnissen. Immerhin gehen die Rettungsarbeiten etwas schneller voran. In den Tagen zuvor hatte die DB die Gleise nördlich der Absturzstelle provisorisch repariert, um einen Eisenbahnkran von Wanne-Eikel über Augsburg und München ins Ruhrgebiet zu bringen. Letzteres unterschied sich davon, das 50 Tonnen schwere zweistöckige Auto nicht zu bewegen. Das Anheben mit einem Kran und das Zurücksetzen auf die Gleise „hat sehr gut funktioniert“, sagte ein DB-Sprecher. Eine Rangierlok schleppte den Waggon nach Farchant.
Wann die Lokomotive abgeholt wird, kann niemand sagen
Nur die Lokomotive des verunglückten Zuges verbleibt auf Höhe des Ortsteils Garmisch d’Oberau. Sie hatte ihn von hinten gestoßen und befindet sich nun südlich der Absturzstelle. Im nächsten Schritt werden die bisher unter dem Wagen liegenden Gleise soweit präpariert, dass die Lokomotive auch nach Norden transportiert werden kann. Wann dies geschehen wird, wagt jedoch niemand offiziell vorherzusagen.
Trotz der jüngsten Reinigungsfortschritte können sich alle Zeitpläne noch ändern: Die Behörden können die Arbeiten jederzeit aussetzen, um neue Routen sicherzustellen. Laut DB ist die Unfallstelle „noch Sperrgebiet“. Der Einsatz schwerer Maschinen erspart auch andere Überraschungen. Der Eisenbahnkran zum Beispiel sollte den Wagen am Dienstag heben. Doch zunächst verzögerte sich seine Ankunft am Unfallort, dann benötigte seine Crew aufgrund der örtlichen Gegebenheiten zusätzliche Vorbereitungszeit, um die Bergung sicher durchführen zu können.
Die Waggons wurden laut DB unweit der Absturzstelle abgestellt und sollen von Experten genauer untersucht werden. Für die Ermittlungen hat das Polizeipräsidium Oberoberbayern eine Soko „Zug“ gebildet. Als wahrscheinlichste Unfallursache gilt ein nicht näher bezeichneter technischer Defekt am Fahrwerk oder an den Ketten. Unter anderem wiesen Experten kürzlich auf eine mögliche Verzerrung des Gleises hin: Vereinfacht gesagt verformen sich die Gleise unter dem Gewicht der sie umgebenden Züge, so dass die Reparaturmannschaften die Abweichungen von Zeit zu Zeit korrigieren müssen. . Experten müssen nun klären, welche Rolle der Zustand der Bahninfrastruktur im Fall Garmisch wirklich spielt.
Unklar ist auch, wann Züge von München nach Garmisch und zurück fahren können. Denn der Straßenabschnitt rund um den Unfallort wurde von den Behörden noch nicht bekannt gegeben: Derzeit würden weitere Ermittlungen durchgeführt, bestätigte ein Sprecher der Polizeipräfektur Oberbayern Süd. „Wenn sie fertig sind, kann die Bahn ihre Arbeit fortsetzen.“
Berichten zufolge müssen Gleisbett und Schienen möglicherweise mehrere hundert Meter erneuert werden, bevor die Strecke wieder in Betrieb genommen werden kann. Bis auf Weiteres verkehrt zwischen Oberau und Garmisch-Partenkirchen ein Schienenersatzverkehr.