Industrieverbände schlagen Alarm, da immer mehr Verbraucher angesichts der drohenden Gasknappheit in diesem Winter nach elektrischen Alternativen suchen, um ihre Häuser bei eisigen Temperaturen warm zu halten. Mobile elektrische Direktheizungen „sind keine sinnvolle Alternative, um den Gasverbrauch zu senken“, warnen Experten. Sie befürchten anhaltende Stromausfälle, wenn in vielen Haushalten parallel Ventilatoren, Strahler oder Heizkörper eingeschaltet werden.
Stromversorgung stark beeinträchtigt
Die entsprechenden Geräte seien relativ günstig in der Anschaffung, sodass die Nachfrage bereits deutlich gestiegen sei, sagen der VDE, einer der größten Elektronik- und IT-Verbände Europas, und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) in einer gemeinsamen Stellungnahme. Abgesehen davon, dass diese Art der Heizung angesichts der allgemein hohen Energiepreise sehr teuer ist, kann der gleichzeitige Betrieb vieler dieser Geräte die Stromversorgung massiv beeinträchtigen.
„Bei dieser gleichzeitig auftretenden Mehrbelastung kann der Überlastschutz ansprechen und damit einen Stromausfall in den betroffenen Netzbereichen verursachen“, erklärt Hendrik Lens, stellvertretender Vorsitzender der Energietechnischen Gesellschaft (ETG) gegenüber dem VDE. Dann wird es auch schwierig, die Stromversorgung wiederherzustellen. „Wenn nicht möglichst viele betroffene Kunden ihre Heizungen manuell ausschalten, würde ein Versuch des Netzbetreibers, sie wieder einzuschalten, dazu führen, dass sie sofort wieder abschalten.“
Kraftwerke können zusätzliche Lasten nicht bewältigen
Da Lüftungsheizungen und Co. anders als elektrische Wärmepumpen oder sogenannte Nachtspeicheröfen einfach an eine Haushaltssteckdose angeschlossen werden, können sie bei einer drohenden Netzüberlastung nicht vom Netzbetreiber abgeschaltet werden. Das erklärt Martin Kleimaier, Leiter der Abteilung „Erzeugung und Speicherung elektrischer Energie“ der ETG. Würden Haushalte nach einem Stromausfall nach und nach wieder ans Stromnetz angeschlossen, würden die Sicherungen sofort zurückfallen, wenn die Heizungen noch an wären.
Neben lokalen Netzüberlastungen besteht laut VDE und DVGW weiterhin das Problem, „dass die aktuelle Kraftwerksleistung für diese zusätzlichen Lasten nicht ausreicht“. Sie veranschaulichen die Größenordnung mit einer einfachen Rechnung: Rund 50 Prozent der rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland werden derzeit mit Gas beheizt. Geht man davon aus, dass an einem sehr kalten Wintertag im Durchschnitt in der Hälfte dieser Häuser eine elektrische Heizung mit einem typischen Stromverbrauch von 2000 Watt in Betrieb wäre, so ist von einem zusätzlichen Stromverbrauch von etwa 20 Gigawatt auszugehen.
„Das entspricht einem Anstieg um ein Viertel der derzeitigen Jahreshöchstlast in Deutschland“, warnen die Experten. Weder bestehende Stromnetze noch Kraftwerke könnten dies leisten, zumal relativ schnell aktivierbare Gaskraftwerke auch in der drohenden Fossil-Krise nicht zur Verfügung stünden.
Heizlüfter-Boom in Deutschland
Der Heizlüfter-Boom ist derzeit auf Rekordniveau. Rund 600.000 Einheiten seien in Deutschland von Januar bis Juni verkauft worden, teilte das Marktforschungsinstitut GfK dem „Tagesspiegel“ mit. Das entspricht einer Steigerung von fast 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. VDE und DVGW befürchten, dass die Nachfrage nach Elektroheizungen in den kommenden Monaten weiter steigen wird. Auch der ZVEI Fachverband Elektro- und Digitalindustrie sieht die Entwicklung kritisch.
Die Branche versucht den Verbrauchern zu versichern, dass Russland derzeit nur einen Bruchteil der vertraglich vereinbarten Gasmengen liefert: „Das heißt aber nicht, dass Wärmekunden im Winter frieren müssen.“ Private Endverbraucher sind gesetzlich geschützt. Darüber hinaus wird auch Erdgas aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien in das deutsche Netz eingespeist. Um Nachfragelücken zu schließen, „wird sie das Angebot aus den LNG-Terminals unserer europäischen Nachbarn, über die Flüssiggas aus dem Weltmarkt bezogen wird, weiter erhöhen.“ Auch das neue LNG-Terminal in Wilhelmshaven wird im kommenden Winter in Betrieb gehen.
Niedrigere Umgebungstemperatur, Karenzzeit für Kernkraftwerke
Auch im Engpassfall bleibe das Gas in den Verteilnetzen, mit denen Wärmekunden versorgt würden, so der DVGW weiter. Allein aus technischen Gründen kann ein lokales Gasnetz wie eine Straße oder ein Quartier nicht einfach stillgelegt werden. Sicherheitseinrichtungen in Gebäuden würden bei Unterschreitung eines Mindestdrucks oder bei Entleerung der Gasleitung Alarm und Störabschaltung auslösen. Jedes einzelne Sicherheitsventil sollte von Fachpersonal wieder entriegelt werden. Es ist jedoch ratsam, bereits jetzt Wartungs- und Effizienzmaßnahmen an Gasheizungen durchzuführen. Eine Absenkung der Raumtemperatur um ein Grad spart sechs Prozent Energie.
Auch Kleimaier forderte den „Tagesspiegel“, die drei noch am Netz befindlichen Atomreaktoren länger laufen zu lassen: „Die Nachbarländer hätten wenig Verständnis dafür, uns im Notfall mit Strom zu versorgen, wenn wir unsere Atomkraft mehr oder weniger abschalten Pflanzen. freiwillig.“ Eine mögliche verzögerte Rolle beim Atomausstieg wird heiß diskutiert.
(tw)
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