Zweite multiresistente Variante Mann infiziert sich mit „Super-Tripper“
23.06.2022, 12:26
In Österreich haben Forscher einen Bakterienstamm identifiziert, der Tripper verursacht und gegen viele verschiedene Antibiotika resistent ist. Ein Mann hat sie beim ungeschützten Sex in Kambodscha angesteckt.
Zum zweiten Mal haben Forscher weltweit einen multiresistenten Gonokokken-Stamm identifiziert. Bakterien verursachen die sogenannte Gonorrhoe, eine sexuell übertragbare Krankheit, die umgangssprachlich auch als „Tripper“ bezeichnet wird. Die im April nachgewiesene Variante stamme von einem aus Kambodscha zurückkehrenden Reisenden, schreibt das Forschungsteam um Sonja Pleininger von der Österreichischen Agentur für Ernährung und Sicherheit (AGES) in der Veröffentlichung im Fachmagazin „Eurosurveillance“. Der Mann hatte fünf Tage vor Auftreten der Symptome Sex ohne Kondom mit einer Prostituierten in Kambodscha.
Die Infektion wird durch Bakterien verursacht. Die Krankheitserreger Neisseria gonorrhoeae betrifft vor allem die Schleimhäute. Bei Männern treten dann Juckreiz und eitrige Absonderungen aus der Harnröhre auf. Außerdem verspüren sie Schmerzen beim Wasserlassen, ein asymptomatischer oder milder Verlauf, wie bei vielen infizierten Frauen, ist bei Männern sehr selten.
Allerdings sollte jede Infektion behandelt werden, da sonst Folgeschäden wie Entzündungen der Gelenke, Hautveränderungen oder sogar Herzklappen- oder Hirnhautentzündungen auftreten können. Bei Frauen ist als Folge der Schädigung auch eine lebensbedrohliche Unfruchtbarkeit oder eine Beckenentzündung möglich. Bei Schwangeren kann es zu Fehlbildungen des Fötus kommen. Wird die Krankheit nicht behandelt, kann sie sich auch weiter ausbreiten.
Im Allgemeinen kann eine bakterielle Infektion leicht mit bestimmten Antibiotika behandelt werden. Im vorliegenden Fall versagt zunächst die Standardtherapie. Obwohl es dem Mann besser ging, blieben die Tests positiv.
Sechs Substanzen wirken nicht mehr
Dann wurde es spannend Neisseria gonorrhoeae genauer untersucht. Es zeigte sich im Labor eine hohe Resistenz gegen Azithromycin. Resistenzen gegen Ceftriaxon, Cefixim, Cefotaxim, Ciprofloxacin und Tetracyclin, alles Antibiotika, die bei Gonorrhoe verwendet werden, wurden ebenfalls identifiziert. Die multiplen Resistenzen machen den Patienten nicht nur schwer behandelbar, sie machen den Erreger auch zu einem gefährlichen „Super-Tripper“.
Schon in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass sich der Erreger verändert. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Mutationen, die gegen viele der bisher erfolgreich eingesetzten Medikamente resistent sind. Bei der Behandlung setzen Ärzte derzeit vor allem auf die Gabe von Ceftriaxon, das häufig in Kombination mit Azithromycin verschrieben wird. In den letzten Jahren hat die Azithromycin-Resistenz in Europa rapide zugenommen. Darüber hinaus seien in mehreren europäischen Ländern mehrere Ceftriaxon-resistente Stämme identifiziert worden, sagten die Wissenschaftler.
Forscher weisen darauf hin, dass, wenn jetzt neue Nachkommen im Umlauf sind, die möglicherweise besser gegen alle verfügbaren Therapieoptionen geschützt sind, sie als größeres Risiko für die öffentliche Gesundheit angesehen werden sollten. Im schlimmsten Fall kann die Infektion in Zukunft nicht mehr behandelt werden. Dieser Gefahr muss durch Maßnahmen wie die Verwendung von Kondomen, eine schnelle Diagnose und wirksame, wirksame und kostengünstige Behandlungsmöglichkeiten begegnet werden.
Eine bessere Nachverfolgung ist erforderlich
Schließlich wurde der Mann mit einem kombinierten Antibiotika-Regime geheilt, das eine Woche lang zweimal täglich verabreicht wurde. Die kambodschanische Sexarbeiterin konnte jedoch nicht ausfindig gemacht werden. Experten befürchten, dass sich weitere Menschen mit dem resistenten Erreger anstecken könnten.
Um Neuinfektionen und die Bildung multiresistenter Erreger zu verhindern, drängen Experten die Behörden vor allem in Asien auf die Aktivierung und Intensivierung von Überwachungssystemen. Im Jahr 2018 wurde der erste Erreger der multiresistenten Gonorrhoe bei einem Mann im Vereinigten Königreich nachgewiesen. Auch er hat sich vermutlich bei einem Asienaufenthalt damit angesteckt. Als Reaktion auf die wachsende Zahl von Resistenzen Neisseria gonorrhoeae-Erreger haben bereits 2020 eine Labormeldepflicht für resistente Erreger eingeführt.