Zweiter gewohnter Weg: Söder wusste schon länger davon

Im Dezember 2020 erhielt die Staatskanzlei einen „Letter of Fire“, berichtet die Augsburger Allgemeine. Das Schreiben des bayerischen Bauministeriums enthielt „eine ganze Reihe von Risiken“ in Bezug auf den Bau der zweiten Hauptstrecke, darunter Hinweise auf Kostenexplosionen und Bauverzögerungen.

Staatskanzlei: „Ungefähre Prognosen“

Auf Anfrage von BR24 bestreitet die Staatskanzlei nicht, über Probleme informiert worden zu sein. Von einem “Letter of fire” will sie aber nichts wissen, sondern spricht von “groben Schätzungen” des Verkehrsministeriums und “Vermutungen”. Kerstin Schreyer (CSU) war damals Ressortleiterin.

Die Staatskanzlei habe das Verkehrsministerium nach Angaben eines Sprechers wiederholt “auf behördlicher Ebene” aufgefordert, mit der Bahn und ihrem Eigentümer, dem Bund, “eine valide Grundlage für die Entwicklung der Kosten und Dauer des Projekts zu ermitteln”. .

Die Staatskanzlei handelte jedoch nicht von sich aus. Es gab kein Spitzengespräch mit der Bahn. Möglicherweise auch wegen der geringen Erfolgsaussichten: Nach BR-Informationen wollte die Bahn vor Ende 2021 keine neuen Zahlen zu dem Mammutprojekt liefern Ebene: hätte vor zweieinhalb Wochen stattfinden sollen, wurde aber kurz zuvor von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) abgesagt.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die zweite Röhre des Münchner S-Bahn-Tunnels tatsächlich viel teurer werden würde: Statt 3,8 Milliarden Euro könnte sie bis zu 7,2 Milliarden Euro kosten. Die Fertigstellung kann sich bis 2037, also neun Jahre, verzögern.

“Flughafen Berlin Söders”

Für den SPD-Landtag steht fest, „dass die zweite Hauptstrecke zum Flughafen Söder Berlin wird“. Der Ministerpräsident muss dem Landtag erklären, warum er „das Schreiben des Bauministeriums ignoriert und vor der Öffentlichkeit geheim gehalten hat“, fordert SPD-Fraktionschef Florian von Brunn. Und er vermutet: „Hat das Schweigen etwas mit Söders Kanzlerkandidatur und dem Konkurrenzkampf mit Armin Laschet zu tun?“

“Der Ehrgeiz des Südkanzlers”

Diesen Verdacht hegt auch der FDP-Abgeordnete Sebastian Körber: Die bayerische Staatsregierung habe Fakten verschleiert und mit der Zeit gespielt. “Wollte er nicht mit schlechter Presse Söders Kanzlerambitionen gefährden?”, spottet der Vorsitzende der Verkehrskommission des Landtags.

Schreyers Nachfolger, der neue Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), reist am Mittwoch nach Berlin: Er will von Bundesverkehrsminister Volker Wissing bestätigen, dass sich der Bund wie vereinbart an den Baukosten beteiligt. Der FDP-Politiker Wissing hatte der Süddeutschen Zeitung am Wochenende versichert, dass der Bund 60 Prozent der Kosten übernehmen werde, solange „garantiert ist, dass am Ende keine Bauruine steht“. Ministerpräsident Söder hatte zuletzt einen Baustopp abgelehnt.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *