Zweithöchste Neuverschuldung: Der Bundestag stimmt dem Haushalt 2022 zu

Stand: 03.06.2022 16:24

Vier Tage wurde debattiert, jetzt hat der Bundestag den Haushalt beschlossen. Das bedeutet, dass die Bundesregierung in diesem Jahr fast eine halbe Billion Euro ausgeben und eine historisch hohe Verschuldung haben könnte.

Der Bundestag hat den Bundeshaushalt für das Jahr 2022 gebilligt. Der Haushalt hat ein Gesamtvolumen von 496 Milliarden Euro. Um das Geld beizusteuern, muss der Bund das dritte Jahr in Folge große Kredite aufnehmen: In diesem Jahr sind es 138,9 Milliarden Euro. Das ist die zweithöchste Neuverschuldung in der Geschichte der Bundesrepublik. Allein im vergangenen Jahr verursachte die Corona-Pandemie eine Rekordverschuldung von 215,4 Milliarden Euro.

Ab 2023 muss die Schuldenbremse eingehalten werden

Zuvor hatte das Parlament der erneuten Ausnahme von der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse mit der erforderlichen absoluten Mehrheit zugestimmt. Das Grundgesetz erlaubt auch eine Verschuldung mit der Verschuldungsbremse, allerdings je nach wirtschaftlicher Lage in deutlich geringerem Umfang. Ab 2023 will die Regierung laut Bundesfinanzminister Christian Lindner die Schuldenbremse wieder erfüllen.

Diesmal wurde der Haushalt aufgrund der Bundestagswahl und des Regierungswechsels deutlich später als sonst genehmigt. Budgets werden in der Regel kurz vor Jahresbeginn beschlossen. Deshalb arbeiten die rot-grün-gelben Bundesministerien seit Anfang des Jahres an einem vorläufigen Haushalt. Das Haushaltsgesetz muss noch vom Bundesrat gebilligt werden.

Die Auswirkungen des Krieges sind spürbar

Eine der Achsen des Bundeshaushalts sind Investitionen in den Klimaschutz und die Energiewende. Gleichzeitig ist der Haushalt von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht auf mehr als 50 Milliarden Euro gestiegen, zusätzlich zu den Sondermitteln für die Bundeswehr, von denen 100 Milliarden Euro in die Streitkräfte investiert werden die kommenden Jahre.

Die Nachwirkungen des russischen Krieges in der Ukraine finden sich auch an anderer Stelle im Haushalt wieder: Neben der Aufnahme von Flüchtlingen wird Unternehmen und Bürgern geholfen. Der explosionsartige Anstieg der Energiepreise und die hohe Inflation müssen sich vor allem durch Steuersenkungen etwas auszahlen.

Entlastung für die Bürger

Auch der einkommensteuerfreie Grundbonus erhöht sich für alle Steuerpflichtigen. Fernreisende erhalten einen besonderen Steuerabzug. Darüber hinaus gelten in den Monaten Juni, Juli und August niedrigere Energiesteuern für Kraftstoffe. Alle einkommensteuerpflichtigen Arbeitnehmer erhalten zudem eine Energiepreispauschale von 300 Euro: Menschen mit wenig Geld erhalten einen Heizkostenzuschuss und Familien einen Sofortzuschlag. Auch wurden Hilfspakete für die Wirtschaft geschnürt und Abschreibungsregeln geändert. Einen großen Anteil daran hat auch die Abschaffung der EEG-Umlage auf der Stromrechnung ab Mitte des Jahres.

Soziale Projekte werden verschoben

Die Zahlen wurden von der Opposition kritisiert. Die Linke kritisierte die Verschiebung wichtiger sozialer Projekte wie der grundlegenden Kindersicherung und des geplanten Bürgergeldes.

Die Union hält die Neuverschuldung für sehr hoch. „Das ist kein Haushalt, das ist ein Schuldenberg“, sagte Alexander Dobrindt, Vorsitzender des CSU-Bundestagsabgeordneten. CDU und CSU plädieren dafür, jetzt und nicht erst in Zukunft Milliarden von Vorbehalten auszuräumen und an einigen Stellen zu sparen. Stattdessen kündigt die Koalition neue Ausgaben an.

Das Milliardenspiel: Haushaltsberatung und Grundgesetzänderung

Hans-Joachim Vieweger, ARD Berlin, 3. Juni 2022 17:42 Uhr

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