– Der spanische Brotzug fährt trotz Feuerverbot mit Volldampf nach Zürich
Bundesministerin Simonetta Sommaruga reiste mit 150 Gästen von Baden nach Zürich, um das 175-jährige Bestehen der Eisenbahn in der Schweiz zu feiern. Das sei der Stolz der Schweizer, sagte er und zog einen Vergleich mit der Ukraine.
Veröffentlicht: 09.08.2022, 20:10
Bundesrätin Simonetta Sommaruga winkt während der Jubiläumsfahrt aus einem der historischen Waggons.
Fotografie: Alexandra Wey (Keystone)
Heute, Dienstag, ist ein historischer Tag für das Eisenbahnland Schweiz: 175 Jahre ist es her, dass die erste Eisenbahnlinie, die spanische Brötchenbahn, in Betrieb genommen wurde. Anlässlich des Jubiläums fuhr Bundesrätin Simonetta Sommaruga am Dienstagnachmittag mit dem historischen, mit Kohle betriebenen Dampfzug von Baden nach Zürich, der Strecke der historischen Eisenbahn. Dafür erhielt die Bahn sogar eine Ausnahmegenehmigung, denn wegen der Dürre herrscht Feuerverbot.
Der Verkehrsminister reiste im Waggon dritter Klasse, dem Holzwagen. Daran nahmen Mitglieder des eidgenössischen Parlaments und die Präsidenten der Kantonsparlamente Aargau und Zürich sowie Gäste, rund 150 Personen, teil. Rund 45 Minuten dauerte die Geburtstagsfahrt mit Gotthards E-Lok „Krokodil“ und Dampflok „Elefant“.
Sommaruga: “Darum beneidet man die Schweiz”
Am Ende der Strecke, beim SBB Ausbesserungswerk in Altstetten, fand ein offizieller Festakt mit den Interventionen von Verkehrsministerin Sommaruga, SBB-Chef Vincent Ducrot und Renato Fasciati, Präsident des Verbandes öffentlicher Verkehr, statt. Sommaruga hat den ÖPNV als „eine der großen Stärken des Landes“ bezeichnet. Sowohl in Städten als auch auf dem Land kann sich die Bevölkerung auf Züge, Busse, Postautos und Trams verlassen. “Deshalb wird die Schweiz von vielen Ländern beneidet.”
Auch der Krieg in der Ukraine hat deutlich gemacht, dass die Eisenbahn ein zentraler Bestandteil der europäischen Sicherheitsarchitektur ist. „Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine funktionierte praktisch nur noch die Eisenbahn“, sagte der Verkehrsminister. Die Eisenbahn hat Flüchtlinge an die Landesgrenzen gebracht, Lebensmittel und Hilfsgüter in ukrainische Städte transportiert und sorgt nun dafür, dass ukrainisches Getreide weiterhin exportiert werden kann.
Nachbau der Lokomotive von 1947
Die Lokomotive, die den Berühmten von Baden nach Zürich brachte, ist eine originalgetreue Nachbildung der „Limmat“. Der zum 100-Jahr-Jubiläum 1947 gebaute Nachbau befindet sich heute im Besitz der SBB Historische Stiftung in Brugg.
Die Lokomotive „Limmat“ ist originalgetreu nachgebaut.
Fotografie: Alexandra Wey (Keystone)
Die ersten vier originalen Lokomotiven der Spanischen Brotbahn waren von der Kesslerschen Maschinenfabrik nach englischem Vorbild aus Karlsruhe in Deutschland nach Zürich geliefert worden. Zwei hießen „Limmat“ und „Aare“ und fuhren 19 Jahre lang, von 1847 bis 1866. Sie wurden dann zu Rangier-Tenderlokomotiven umgebaut und bald darauf eingestellt.
Die Verbindung war nie rentabel
Die Ferrocarril del Pa Espanyol nahm am 9. August 1847 ihren regulären Betrieb mit vier Fahrten pro Tag auf. Für die 23 Kilometer lange Fahrt ohne Halt brauchten die Züge 33 Minuten. Eine Fahrt in der dritten Klasse kostete 80 Cent, was damals etwa vier Stundenlöhnen entsprach. Wer erste Klasse geboten bekam, zahlte doppelt.
Undatiertes Dateibild der spanischen Panet-Eisenbahn.
Foto: Schlüsselstein
20.000 Menschen nutzten die neue Bahn in den ersten Wochen. Doch rentabel war die Verbindung nicht: Der Ausbruch des Sonderbundskrieges im November dämpfte die Bahneuphorie, Fahrpreise mussten gesenkt werden.
In nur sechzehn Monaten wurde die erste Schweizer Bahnlinie mit Brücken, Bahnhöfen und dem Tunnel unter dem Schlossberg in Baden von Tausenden von Arbeitern, darunter Sträflingen aus dem badischen Gefängnis, gebaut.
Die SBB hat gerade ihr 120-jähriges Bestehen gefeiert
Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) wurden erst 1902 nach einer Volksabstimmung von 1898 gegründet. Bis dahin lag der Bau des Eisenbahnnetzes in den Händen privater Unternehmen, die wie die Schweizerische Nordbahn die Linie Baden-Zürich betrieb . , geriet er immer mehr in Schwierigkeiten. Viele Linien waren nicht rentabel, gingen bankrott und die Fahrgäste waren mit der Leistung nicht zufrieden.
In einer Volksabstimmung wurden die wichtigsten Privatbahnen schliesslich verstaatlicht und die SBB gegründet. Die meisten Regionalbahnen blieben jedoch auch bei den SBB in Privatbesitz oder unter der Leitung der jeweiligen Kantone.
Auch wenn heute niemand in Europa so viel im Zug sitzt wie die Schweizer: Bahnpionier ist das Land nicht. Der Eisenbahnbau begann hierzulande erst spät. Bereits 1802, also 45 Jahre zuvor, fuhr in Großbritannien die erste Dampflokomotive. Als die ersten Linien in der Schweiz eröffnet wurden, gab es sie bereits in fast allen europäischen Ländern.
(Mit Material von der SDA)
1847
Ab 1847 hatte Zürich seinen ersten Bahnhof für die spanische Brötli-Bahn. Es steht erst seit zwei Jahrzehnten und ist von einem Zaun umgeben. Die Fahrt nach Baden dauerte etwa eine halbe Stunde. Davor war man fast fünf Stunden unterwegs.
Archiv der Architekturgeschichte der Stadt Zürich
SDA/Wolf
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