Mit der Rückkehr zur Kohle schüttet Österreich der Klimakrise ordentlich Öl ins Feuer. Aber so weit hätte es gar nicht erst kommen dürfen.
Es ist Mitte Juni. Knapp 36 Grad zeigt das Thermometer an, allein das Sitzen bringt einen ins Schwitzen. In Spanien brennen die Wälder, in Italien wird der Gardasee wegen extremer Dürre gepumpt. Die österreichische Bundesregierung beschließt die Reaktivierung des Steinkohlekraftwerks Mellach. Für den Fall, dass zu wenig oder gar kein Gas aus Russland geliefert wird, heißt es.
Aber die Quelle des Elends ist nicht Gazprom oder Putin. Wir haben uns an den Punkt der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen manövriert. Und das nicht nur wegen der Verträge der OMV mit Russland. Wir hätten den Ausbau von Wind- und Solarkraft über Jahre, eigentlich Jahrzehnte vorantreiben können, anstatt uns auf zwei Drittel der Wasserkraft zu verlassen. Die meisten Gas- und Dieselheizungen könnten bereits ersetzt werden. Aber auch heute noch wird in den Neubauten eine Gasheizung installiert, was die Abhängigkeit weiter festigt. Es ist ein fahrlässiges Versäumnis der Politik, überhaupt dazu zu kommen.
Spätestens jetzt muss es an der Zeit sein, diese Versäumnisse nachzuholen und sich endlich ernsthaft mit der Energiewende auseinanderzusetzen. Auch die Bevölkerung steht in den Ausgangssperren. Drei Viertel der österreichischen Bevölkerung wünschen sich mehr Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke. Immer mehr nehmen sie die Sache sogar selbst in die Hand und sorgen so für einen regelrechten Solarboom. Auch die Energiewirtschaft wäre mehr als vorbereitet. 220 konkrete Ökostrom-Projekte konnten mit entsprechenden Mitteln sofort umgesetzt werden.
Und was ist mit der Politik? Während die Landespolitiker den neuen Windrädern absoluten Widerstand entgegensetzt, schlägt die Regierung ein bereits abgeschlossenes Kapitel der Fossiliengeschichte wieder auf. Erleichterungen für den großflächigen Ausbau erneuerbarer Energien sind angekündigt, aber noch nicht beschlossen.
Offenbar wird die Dringlichkeit des Problems immer noch falsch eingeschätzt. Und so ist man inmitten einer extremen Hitzewelle im Frühjahr gezwungen, die Klimakrise in Österreich noch einmal aufzuheizen.