Amnesty-Bericht Verschlechterung der Situation afghanischer Frauen

Stand: 27.07.2022 04:15 Uhr

Laut Amnesty werden Frauen in Afghanistan unter den Taliban systematisch unterdrückt und diskriminiert. Der Zugang zu Bildung und Arbeit ist eingeschränkt. Auch der Schutz vor häuslicher Gewalt wird verweigert.

Seit der Machtübernahme der Taliban ist das Leben von Frauen und Mädchen in Afghanistan erheblich eingeschränkt. Das geht aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hervor.

„In weniger als einem Jahr, seit die Taliban die Macht in Afghanistan übernommen haben, hat ihre drakonische Politik Millionen von Frauen und Mädchen ihres Rechts beraubt, ein sicheres, freies und erfülltes Leben zu führen“, sagte die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard.

Das System der Repression machte sich in fast allen Bereichen ihres Lebens bemerkbar. „Jedes alltägliche Detail – ob sie zur Schule gehen, ob sie arbeiten, ob und wie sie das Haus verlassen – wird massiv kontrolliert und eingeschränkt.“

Wenig Schutz vor häuslicher Gewalt

Dem Bericht zufolge dürfen Frauen längere Reisen nur mit männlicher Begleitung unternehmen. Auch der Ausweg aus häuslicher Gewalt ist für Frauen schwieriger geworden. Die Taliban sperren sie wegen geringfügiger Verstöße gegen diskriminierende Regeln ein. Frauen, die gegen die Bedingungen protestieren, werden entführt und gefoltert.

Seit der Machtergreifung militanter Islamisten im August 2021 wurden weiterführende Schulen für Mädchen geschlossen, trotz wiederholter Forderungen der Zivilgesellschaft, sie zu öffnen. Eine Ausnahme bilden einige privat organisierte Schulen sowie öffentliche Schulen in einigen Teilen des Landes.

Gefängnisse, Folter, Zwangsverheiratung

Auch viele Berufe sind Frauen derzeit verschlossen, wobei es laut Amnesty Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Der Bericht macht auch auf die Misshandlung von Frauen aufmerksam, die sich den Vorschriften der Taliban widersetzen.

Amnesty berichtet von Festnahmen, Folterungen und sogar dem Verschwindenlassen von Demonstranten. Nicht zuletzt würden Zwangsverheiratungen zunehmen. Amnesty führt dies unter anderem auf die aktuelle humanitäre Krise in Afghanistan und fehlende Bildungs- und Berufsmöglichkeiten zurück.

„Die unerbittliche Unterdrückung von Frauen in Afghanistan nimmt jeden Tag zu. Wenn die internationale Gemeinschaft nichts tut, werden Millionen von Frauen und Mädchen in Afghanistan freigelassen“, sagte Julia Duchrow, stellvertretende Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland.

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