Ampelkoalition: Grüne und FDP diskutieren über Geld für mehr Tierschutz

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Die Ampel begann als „Koalition des Fortschritts“. Diese Fortschritte sollten auch in der Viehzucht erzielt werden. Im Koalitionsvertrag hatten sich die drei Partner zu einer visuellen Kennzeichnung von Nutztieren und mehr Tierschutz (ua bessere Transport- und Schlachtregeln, mehr Platz und Auslauf für Tiere) verpflichtet.

Doch wie BILD erfuhr, streiten sich Grüne und Liberale seit Wochen heftig darüber, wie genau die Sanierung der Nutztiere bezahlt werden soll. In den internen Runden wurde der Ton rauer. Sie beschuldigen sich gegenseitig.

▶︎ Die Finanzierung des Projekts steht noch nicht fest. Liberale lehnen Vorschläge wie höhere Steuern oder Abgaben ab. Bei den Grünen ruft das heftigen Unmut hervor.

Ein fast einstündiges Gespräch zwischen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (56, Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (43, FDP) am Donnerstag verlief ergebnislos.

Die geschätzten Kosten liegen je nach Studie (ua des Borchert-Sachverständigenausschusses) zwischen zwei und vier Milliarden Euro pro Jahr – auch abhängig vom Grad, also von wie vielen Nutztierarten (Rinder, Schweine, Hühner), zu in welchem ​​Umfang geändert werden muss. Derzeit sind nur insgesamt eine Milliarde für vier Jahre budgetiert.

In den Diskussionspapieren des Landwirtschaftsministeriums (der BILD liegt vor) werden mehrere Ideen zur Finanzierung von Förderprogrammen zur Umstellung der Nutztierhaltung aufgeführt: die Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für tierische Produkte, eine Verbrauchssteuer (lt Menge/Gewicht der Ware), eine Steuerergänzung zur persönlichen Einkommensteuer, also eine „Solitärtierwohlfahrt“, eine Vergütungsfinanzierung nach dem EEG-Modell oder eine nichtstaatliche Finanzierung.

Aber in der FDP gibt es gerade im Kontext der Inflation massive Bedenken, dass mehr Steuern oder Abgaben die Preise verteuern.

„Es soll keine Belastung mehr für Verbraucher geben, weder durch die Mehrwertsteuer noch durch eine Abgabe“, sagte FDP-Fraktionschefin Carina Konrad, 39, dem RND.

Es wird auch befürchtet, dass deutsche High-End-Produkte sich nicht am Markt behaupten werden, sondern dass Verbraucher auf Kosten des Tierschutzes auf billige Produkte aus dem Ausland ausweichen.

FDP-Politiker Gero HockerFoto: Bild Allianz / dpa

„Wir brauchen mehr Transparenz im Supermarkt, die zu bewussten Entscheidungen hin zu mehr Tierwohl führt. Aber es führt zu weniger Tierwohl, wenn die Zuchtstandards nur in Deutschland angehoben werden und in Süd- und Osteuropa unverändert bleiben“, sagte der agrarpolitische Sprecher der FDP, Gero Hocker (46), BILD. „Dann werden diejenigen belohnt, die mit niedrigeren Standards produzieren.“

Eine billigere Bratwurst aus Brasilien oder ein Putenschnitzel aus Polen zu bekommen, vertreibe deutsche Landwirte mit hohen Ansprüchen vom Markt, so Hocker weiter. „Deshalb bitten wir um eine nachvollziehbare Kennzeichnung von Nutztieren und Herkunft.“

Der Agrarexperte fordert Minister Özdemir auf, auf „einheitliche EU-weit verbindliche Standards“ hinzuarbeiten, wie im Koalitionsvertrag vereinbart. Nur so wäre ein fairer Wettbewerb zwischen den europäischen Landwirten möglich.

Vertreter der FDP betonen, dass dies eine Gleichbehandlung der deutschen Landwirte sei. „Die FDP will einen EU-weiten Wettbewerb auf Basis einheitlicher Standards ermöglichen“, sagte Hocker gegenüber BILD.

Den Ball wirft das von den Grünen geführte Landwirtschaftsministerium: „Vorschläge zur Finanzierung der Viehumstellung liegen auf dem Tisch. Bei einigen Partnern besteht noch weiterer Klärungsbedarf“, sagte eine BILD-Sprecherin.

Özdemirs Haus steht unter Druck. „Wir sind davon überzeugt, dass jetzt die Frage der Finanzierung geklärt werden muss, um den Landwirten eine langfristige und nachhaltige Perspektive zu geben“, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums gegenüber BILD.

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