Angegriffene Vorlesung: Schläge, Spucke, Laken zerschlagen: Queere Aktionen an der Uni werden radikaler Darum geht es

Gepostet am 27. Mai 2022, 14:36 ​​Uhr

Zweimal haben Demonstranten aus der LGBTIQ-Community eine Konferenz an der Universität Genf gestürmt. Dieser wird Strafanzeige erstatten. Die Organisationen selbst fordern ein Ende der Gewalt.

von

Claudia Blumer

Bettina Zanni

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Ende April unterbrachen LGBTIQ-Aktivisten des Collectif Radical d’Action Queer (CRAQ) eine Veranstaltung an der Universität Genf zum Buch «La fabrique de l’enfant transgenre».

Screenshot / 20 Minuten

Am 17. Mai musste der Vortrag des Pariser Literaturprofessors Éric Marty abgebrochen werden.

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Das Buch, das er in Marty vorstellte – „Le sexe des Modernes“ – war nicht für Aktivisten geeignet.

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Die Präsentation des Pariser Literaturprofessors Éric Marty musste am 17. Mai an der Universität Genf abgebrochen werden. Aktivisten der University Conference of Student Associations.exs (CUAE) stürmten die Veranstaltung. Nach Angaben von Augenzeugen und Medienberichten wurden Anwesende bespuckt, geschlagen, Blätter zerrissen und Flüssigkeiten übergossen. Sie mochten Martys Buch “Le sexe des Modernes” nicht.

Ende April unterbrachen LGBTIQ-Aktivisten des Collectif Radical d’Action Queer (CRAQ) eine Veranstaltung zum Buch “La fabrique de l’enfant transgenre”. Es war der Trend, dass junge Leute das Geschlecht ändern wollen. Nach dem zweiten Vorfall kündigte der Rektor an, Strafanzeige gegen Fremde zu stellen.

“Radikalisierungswettbewerb”

Lynn Bertholet, Präsidentin der Epicène Association, die sich für die Belange von Transmenschen einsetzt, war als Zuhörerin beim ersten Akt dabei. Die beiden zur Diskussion stehenden Werke seien höchst umstritten und enthielten beleidigende Äußerungen und Passagen für LGBTIQ-Personen, sagt Bertholet. “In ‘La fabrique de l’enfant transgender’ werden Transmenschen und Ärzte und Hilfsorganisationen als große Sekte bezeichnet.” Und in Eric Martys Buch werden die Ergebnisse der modernen Geschlechterforschung relativiert und demontiert. Dort taucht auch der Begriff „Hermaphrodit“ auf, was so viel wie „Hermaphrodit“ bedeutet.

Lynn Bertholet sagt jedoch: „Die Diskussion dieser Arbeiten sollte möglich sein. Wir haben starke Argumente. Es ist nicht richtig, Gewalt anzuwenden, wie dies insbesondere bei der zweiten Runde der Konferenz am 17. Mai der Fall war.“ Dass sich die Lage im Kanton Genf möglicherweise verschärft hat, liegt daran, dass beide Seiten in den letzten Monaten radikaler geworden sind. Eltern hatten rechtliche Schritte eingeleitet, um die Änderung des Geschlechts ihrer fast erwachsenen Kinder zu verhindern, und die beteiligten Ärzte waren angezeigt worden. Es herrscht ein Kulturkampf.

Bertholet: „Diese jungen Demonstranten fühlen sich offensichtlich beleidigt und unbeachtet.“ Das ist der Grund für die Radikalisierung. “Manchmal kommt es mir so vor, als würde ein Radikalisierungswettbewerb stattfinden.”

Der Dachverband Rainbow Families ist alarmiert

Andere Verbände schließen sich der Kritik an. Maria von Känel, Geschäftsführerin des Dachverbandes der Regenbogenfamilien, ist alarmiert. Der Verein lehne jede Form von Gewalt ab, sagt er. Insbesondere LGBTIQ-Menschen sind sehr gewaltempfindlich, da sie im Alltag allerlei Unterdrückung ausgesetzt sind. “Was an der Universität Genf passiert ist, funktioniert überhaupt nicht.” Begrüßenswert ist, dass der Rektor nicht nur Strafanzeige erstattet, was konsequent ist, sondern auch den Dialog mit den Betroffenen pflegen will.

„Jetzt ist es ganz wichtig, dass man das Thema anschaut und anspricht“, sagt von Känel. Erstens haben diese Vorfälle das Potenzial, die öffentliche Stimmung gegenüber LGBTIQ-Personen zu entfachen. “Es kann schnell auf den Kopf gestellt werden, daher sind Situationen wie diese gefährlich.” Zweitens muss sichergestellt werden, dass sich die Situation in Genf nicht weiter zuspitzt und die Gewalt sich nicht ausbreitet. “Man muss jetzt so schnell wie möglich handeln und darf nicht warten. Wichtig ist, dass ein konstruktiver, gewaltfreier Dialog stattfindet.”

“Polarisierte Gewalt”

Ueli Mäder, Soziologe und Konfliktforscher, feiert, dass die LGBTIQ-Community im Interesse einer freien Gesellschaft gegen Meinungen kämpft, die sie nicht teilt. Besonders förderlich sind kreativ rebellische Aktionen. Allerdings: “Gewalt polarisiert das Schwierige für die eigene Sache.” Folglich findet nur noch Gewalt öffentliche Aufmerksamkeit, was bei inhaltlichen Themen nicht mehr der Fall ist. “Abweisende Kritik muss verständlich und praktiziert werden.”

LGBTIQ: Haben Sie Fragen oder Probleme?

Interaktion, Beratung und Information für intersexuelle Menschen, Tel. 079 104 81 69

Lilli.ch, Informationen und Verzeichnis von Beratungsstellen

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