27. Mai 2022 um 13:56 Uhr
„Niemand will Verluste machen“ – warum NRW-Erdbauern derzeit sehr schlechte Laune haben
Schwache Nachfrage, hohes Angebot: NRW-Landwirte klagen über die diesjährige Erdbeerernte (Symbolbild).
Foto: dpa / Hauke-Christian Dittrich
Münster Wer Erdbeeren im Garten hat, sollte dieses Jahr mit Geschmack und Größe zufrieden sein. Grund: das relativ gute Wetter. Landwirte haben noch immer schlechte Laune, wenn es um die Erdbeerernte geht. Manche kommen bis zum Schluss.
Der Verkauf von Erdbeeren ist in diesem Jahr für viele Landwirte zu einem so schlechten Geschäft geworden, dass einige von ihnen die Ernte und Bewirtschaftung ihrer Felder aufgeben. Die Kosten seien hoch und der Preis niedrig, deshalb lohne sich die Ernte mancherorts nicht, sagte Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen am Freitag.
Einer der Gründe für den Preisverfall ist das sonnige und relativ trockene Wetter der letzten Wochen: “Erdbeeren sind so gut gewachsen, dass der Ertrag der Ernte sehr hoch ist: Das Angebot ist hoch, aber die Nachfrage ist gering”, sagte er Reiben. Zuvor hatte der WDR über die Misere der Erdbeerzüchter berichtet.
Der Rüb-Branchenexperte führt die schwache Nachfrage unter anderem auf Inflationseffekte zurück: Der Alltag sei für Menschen teurer geworden, die auf bestimmte Lebensmittel wie den Kauf von Erdbeeren verzichten. Als weiteren Grund nennt Rüb die Corona-Pandemie: „In den letzten zwei Jahren sind viele Menschen aus der Stadt aufs Land gegangen, um Erdbeeren in Hofläden oder auf dem Markt zu kaufen.“ Doch dieser Boom ist vorbei. Dies liegt auch an den hohen Kraftstoffpreisen; Viele Bürgerinnen und Bürger wollten deshalb ihr Auto so wenig wie möglich benutzen. „Die Fahrt aufs Land, wo auch Erdbeeren gekauft werden, entfällt dann“, sagte Rüb.
Es gibt keine Erdbeerfeldfiguren, die gar nicht geerntet werden – es sollte generell nur eine kleine Fläche sein. In den sozialen Medien brachten die Bürger ihr Missverständnis über diesen Ansatz zum Ausdruck. „Mancherorts ist ein Punkt erreicht, an dem die Vernichtung der Ernte die beste unternehmerische Entscheidung ist“, sagt Experte Rüb. Er selbst findet es schade, aber es ist eine unternehmerische Entscheidung. “Niemand will Verluste machen.” In NRW wurden 2021 auf rund 2550 Hektar Erdbeeren angebaut, die diesjährigen Zahlen liegen noch nicht vor.
(toc / dpa)