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Migros-Abstimmung zum Alkoholverkauf bewegt die Schweiz. Im Fokus stehen Umsatzwachstum und Suchtverhalten. Über die Auswirkungen auf das Image des Händlers gehen die Vor- und Nachteile auseinander.
Autorin: Stephanie Walk
Bier und Wein sucht man in den Migros-Regalen bisher vergeblich. Diese fast jahrhundertealte Tradition könnte jedoch bald enden. Am 4. Juni stimmen 2,3 Millionen Genossenschafter darüber ab, ob die Migros künftig Alkohol verkaufen soll.
«Das Verbot ist nicht mehr zeitgemäss», sagte Genossenschaftsvorstand Renata Georg der Arena am Freitagabend.
Die Gäste in der Arena
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Auf der beruflichen Seite:
- Renata Georg, Initiatorin und Mitglied der Genossenschaft Migros Zürich
- Nicolo Paganini, Nationalrat Die Mitte/SG und Mitglied der Direktion der Migros Ostschweiz
- Matthias Müller, Präsident der Jungen Liberalen
Gegen den Verkauf von Alkohol wehren sich dagegen:
- Lilian Studer, Präsidentin EVP, ehemaliger Generaldirektor Blaues Kreuz Aargau / Luzern
- Ueli Mäder, emeritierter Professor für Soziologie
- Stefan Vogler, Professor an der Zürcher Hochschule für Wirtschaft und freiberuflicher Berater
Moderiert von Sandro Brotz.
Georg hat die Alkoholabstimmung mitgesponsert und damit die Debatte zum Laufen gebracht. Sie will die Statuten der Migros der Realität anpassen. “Man kann nicht sagen, dass man keinen Alkohol verkauft und gleichzeitig der zweite Alkoholverkäufer ist.”
Schließlich verkauft die Migros-Gruppe bereits Alkohol, zum Beispiel bei Denner oder online. Die Aufhebung des Verbots ist notwendig, um die Glaubwürdigkeit zu wahren.
Die Migros könnte ihr Image gefährden
Für Gegner ist ein Kernwert der Migros-Identität und damit das Erbe von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler in Gefahr. «Bei der Wahrnehmung der Marke Migros steht das Alkoholverkaufsverbot an erster Stelle», sagt Markenexperte Stefan Vogler. Dadurch geniesst die Migros in der ganzen Schweiz grosse Sympathien.
Der Verkauf von Alkohol entspricht dem Bedarf des Kunden.
Mit dem Verkauf von Alkohol setze der Händler diesen Ruf aufs Spiel, so Vogler. “Es könnte zumindest der Anfang sein, dass Duttis Werte nicht mehr gelebt werden.”
Nicolo Paganini, Mitglied der Migros-Verwaltung in der Ostschweiz, sagte jedoch, dass der Verkauf von Alkohol den Bedürfnissen der Kunden entspreche. “Kunden sollten alles in einem Geschäft bekommen können.” Zusätzliche Verkäufe führen wiederum zu mehr sozialem Engagement und Investitionen in das Kundenerlebnis, das Sortiment und die Geschäfte.
Ueli Mäder, emeritierter Professor für Soziologie, widersprach dieser Ansicht. Sie suchen schon lange nach Freiheit in der Anonymität. Verbraucher suchen heute nach etwas Persönlichem. „Überall ist alles gleich und ein bisschen langweilig, die Angebote stapeln sich, da brauchen wir unternehmerisches Denken, um die Unterschiede zu feiern.“
Zudem habe Freiheit auch eine Komponente von Verantwortung, sagte Mäder. Nun könne die Migros ein wichtiges Zeichen setzen, dass «Gesundheit wichtiger ist als Umsatz».
Alkohol verbieten oder Suchttherapien fördern?
Matthias Müller, Präsident der Jungfreisinnigen, bezweifelte, ob das Migros-Alkoholverbot einen signifikanten Einfluss auf die Alkoholsucht haben könnte, und hatte stattdessen eine Marketingidee.
Anstatt das Reden zu verbieten, sollte der Händler in ein Prozent Alkohol investieren. So könnte ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf von Alkohol direkt in die Suchttherapie und Präventionsarbeit fließen. Das Unternehmen als Ganzes würde davon profitieren und die Migros wiederum würde sich von der Konkurrenz abheben.
Es ist wichtig, dass es solche alkoholfreien Orte gibt.
Das reicht den Gegnern nicht. Lilian Studer, Präsidentin der EVP, sagte, die Migros biete alkoholabhängigen und suchtgefährdeten Menschen eine sichere Möglichkeit, ohne Versuchung einzukaufen.
Betroffene würden diesen Rahmen zu schätzen wissen, weiß der ehemalige Geschäftsführer des Blauen Kreuzes Aargau/Luzern. “Es ist wichtig, dass es diese alkoholfreien Orte gibt.”
„Wir stellen ganz klar den Menschen in den Mittelpunkt unseres Denkens“, lautet Duttweilers Credo. Die Migros sei grundsätzlich offen für Meinungen, sagte Renata Georg. Was die Mitglieder der Genossenschaft bei der Abstimmung beschließen, wird die Geschäftsführung in die Tat umsetzen. Daher ist die Abstimmung ganz im Sinne von Dutti.