Bundesfinanzminister Lindner Drittes Hilfspaket erst 2023

Stand: 30.06.2022 17:02

Finanzminister Lindner will warten, bis die ersten beiden Hilfspakete in Kraft treten, und erst dann ein neues Paket ausarbeiten. Aus den Reihen der Grünen und der SPD werden bereits Rufe nach mehr Entlastung laut.

Energie- und Lebensmittelpreise steigen weiter. Das dritte Hilfspaket soll erst 2023 eintreffen, wie Bundesfinanzminister Christian Lindner der Wirtschaftswoche sagte. Mit Ausnahme des Spritrabatts und des 9-Euro-Tickets hätten die bereits beschlossenen Entlastungspakete noch nicht ihre volle Wirkung entfaltet, so der FDP-Politiker.

Keine Haushaltsmittel mehr verfügbar

„Eine vierköpfige Familie, in der beide Elternteile berufstätig sind, wird mit der EEG-Umlage, dem Kinderbonus und dem Arbeitnehmerzuschuss von knapp über 1.000 Euro entlastet“, sagte Lindner. “Alles kommt zuerst. Wir sollten es zuerst sinken lassen.”

Mehr Haushaltsmittel stünden 2022 nicht mehr zur Verfügung. 2023 werde es aber ein neues Entlastungspaket geben, so der Finanzminister. „Standard-Grundsicherungstarife werden ohnehin nach oben angepasst, das hilft den Bedürftigen besonders.“

Erfüllen Sie die Schuldenbremse auch 2023 wieder

Lindner will auch die Steuerzahler entlasten und der sogenannten Kalten Progression entgegenwirken, bei der eine Lohnerhöhung von der Inflation aufgefressen wird, aber immer noch eine Steuererhöhung nach sich zieht. „Ich bin der festen Überzeugung, dass der Finanzminister nicht der Nutznießer der Inflation sein sollte“, sagte Lindner.

Der FDP-Politiker will 2023 die Schuldenbremse des Bundeshaushalts wieder erfüllen. Sie ist im Grundgesetz verankert und wurde während der Corona-Krise ausgesetzt. „Wir können uns keine zusätzlichen Schulden mehr leisten“, sagte Lindner. “Wir müssen zu finanzieller Solidität zurückkehren, aber in ein paar Jahren sollten wir die Staatsgewinne allgemein kürzen oder die Steuern massenhaft erhöhen.”

Forderungen von SPD und Grünen

Aus den Reihen von SPD und Grünen werden bereits weitere Entlastungen gefordert – und zwar so schnell wie möglich. Bundeskanzler Olaf Scholz wird sich am kommenden Montag mit Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertretern treffen, um über die Inflation zu diskutieren.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Achim Post, sagte auf Lindners Äußerungen, es sei sinnvoll, Prioritäten zu setzen. Sollte sich die Energiepreiskrise jedoch weiter verschärfen, muss die Politik handlungsfähig sein. „Und im Zweifel sollten wir dafür notfalls auch noch in diesem Jahr die notwendigen finanziellen Mittel mobilisieren“, sagte Post. “Dies ist eine Frage, die im Lichte zukünftiger Entwicklungen geklärt werden muss.”

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