CDU-Entwurf für die „Charta der Grundwerte“ Mit einem neuen Programm auf die althergebrachte Art?

Stand: 30.05.2022 19:21

Die CDU will sich mit einem neuen Grundsatzprogramm ausstatten, um zu alter Stärke zurückzufinden. Nun liegt der Entwurf einer „Charta der Grundwerte“ vor. Sie sollten die Party in der Mitte platzieren.

Von Kirsten Girschick, ARD-Hauptstadtstudio

„Wir müssen dieses Thema noch einmal diskutieren“, sagte Carsten Linnemann, Vorsitzender des Politischen Ausschusses der CDU. Letztlich sollen die gegensätzlichen Interessen der Partei zu einem Gesamtwerk führen – aus dem jedes Mitglied „die drei wichtigsten Punkte zitieren kann, wenn er morgens um drei aufwacht“.

BR Kirsten Girschicks Logo ARD Capital Studio @Girschick

Ein Basismitglied der CDU ist sich nicht sicher, ob er ausgerechnet das Basisprogramm der CDU zitieren würde, wenn er morgens um drei aufwacht; aber insgesamt ist die Stimmung unter den Mitgliedern im Konrad-Adenauer-Haus am Nachmittag gut. Die sogenannte Charta der Grundwerte, der erste Teil des Basisprogramms, wird sozusagen vorgestellt.

Auf dem Weg zu einem neuen Parteiprogramm legt die CDU eine “Charta der Grundwerte” vor.

Kirsten Girschick, ARD Berlin, Tagesausgaben 22:15, 31. Mai 2022

Bis 2024 soll das neue Programm fertig sein, rechtzeitig zur Europawahl. Es wäre erst das vierte Mal, dass das Spiel gespielt wird, nach 1978, 1994 und 2007. Annegret Kramp-Karrenbauer hatte mit ihrer Hörtournee 2019 ein neues Grundprogramm gestartet, war dann aber in Personalstreitigkeiten übergegangen.

Zu viel Vertrauen in Merkels Charisma

Anders als die SPD wird die CDU immer weniger als Programmpartei denn als Regierungspartei gesehen. Pragmatisches Handeln war im Zweifel wichtiger als programmatische Schärfe, gerade in der Amtszeit von Angela Merkel. Der Vorsitzende des Programmausschusses, Carsten Linnemann, sagte schon vor Jahren, die Kanzlerin verlasse sich im Wahlkampf zu sehr auf die Ausstrahlung der Kanzlerin.

Er bekräftigte heute, dass die CDU im Bundestagswahlkampf an drei Punkten gescheitert sei: “Keine Köpfe, kein Inhalt, keine Einigkeit”. Das muss anders sein.

Die CDU steht mittendrin in der Kernsatzung, die erst vom CDU-Vorstand und dann vom Parteitag beschlossen werden soll. Auch Bundespräsident Friedrich Merz will kandidieren. Die CDU ist die einzige politische Kraft, die Stabilität und Wandel nicht als unversöhnliche Gegner sieht. Die CDU darf nicht stehen bleiben, wenn sich die Welt verändert. Angesichts des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine wird deutlich, dass Freiheit und Sicherheit voneinander abhängig sind.

Klimaschutz als wichtiges Ziel

In dem Briefentwurf betont die CDU einerseits ihre christlich-sozialen, liberalen und konservativen Wurzeln. Andererseits wird ein kohärenter Klimaschutz als wichtiges Ziel genannt und von einer „sozialen und ökologischen Marktwirtschaft“ gesprochen. Das ist nicht gut für alle in der Partei.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagt, auch in der aktuellen Situation zeige sich, dass der Regierung bei der Energiewende viel vom Konzept abhanden komme, die Wirtschaft spüre das, das merke man an den Preisen und der Union. das musst du dir merken. Auch Mario Voigt, stellvertretender Leiter des Programmausschusses, pocht darauf, dass die CDU vor allem im Osten die “Partei der kleinen Leute” bleiben müsse. Die Bezahlbarkeit des Lebens ist hier ein wichtiges Thema, da viele im Niedriglohnbereich arbeiten.

Auch in der „Charta der Grundwerte“ findet sich eine klare Abgrenzung zwischen AfD und Linkspartei: Die CDU distanziere sich ausdrücklich „von einem libertären Individualismus, bei dem es nur um den individuellen Freiheitsanspruch gehe und sozialistisches, nationalsozialistisches und völkisches Identitätsdenken, das Gruppen oder Ideologien den Vorrang vor Einzelpersonen gibt“. Bei Friedrich Merz klingt es so, an die Mitglieder gerichtet: „Sie sind Mitdenker, Vordenker, Vordenker. Keine Querdenker.“

Seien Sie attraktiver für Frauen und Minderheiten

Nach den vergangenen Landtagswahlen in diesem Jahr ist für die CDU eine starke neue Position wichtig. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen hat sie zwar deutlich zugelegt, aber in ihrer langjährigen Kernkompetenz liegt die Wirtschaftspolitik in Umfragen teilweise weit hinter der SPD. Einige ihrer Kernwähler, die größten Wähler, sind zur SPD übergelaufen.

Attraktiver werden für Frauen, für Minderheiten, für Menschen mit Migrationshintergrund – das ist nur ein Teil der Strategie, wie die CDU mit ihrem Kernprogramm zu alter Stärke finden will.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *