Krone von Deutschland
Die FDP wendet sich im Streit um die Absonderungspflicht gegen Lauterbach
Stand: 13:18 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Jobverluste durch Corona-Erkrankungen nehmen wieder zu
Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ist die Zahl der Corona-Infektionen mittlerweile sehr hoch. Das direkte Ergebnis ist verlorene Arbeit. Bundesgesundheitsminister Lauterbach warnt vor einem “schwierigen Herbst”.
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„Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben“, sagt FDP-Gesundheitsexpertin Aschenberg-Dugnus. Er hält eine staatlich angeordnete Isolation bei symptomfreiem Verlauf einer Corona-Infektion für „unverhältnismäßig“. Er schließt sich der Meinung des Leiters der Kassenärzte Gassen an.
Im Streit um Isolationsauflagen in der Corona-Pandemie unterstützt die FDP den Chef der Kassenärzte, Andreas Gassen, und wendet sich damit gegen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). „Herr Gassen stößt mit seinem Vorschlag zur Aufhebung der Isolationspflicht eine wichtige Debatte an“, sagte FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus am Montag den RND-Zeitungen. “Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben.” Eine Impfung schützt viele Menschen vor schweren Verläufen.
„Ärzte sollten aus medizinischer Sicht individuell entscheiden, ob und wie lange eine Krankschreibung und Isolation notwendig sind“, sagte der FDP-Politiker. “Eine staatlich angeordnete Isolation ist bei beschwerdefreiem Verlauf unverhältnismäßig.” Aschenberg-Dugnus sagte: „Wer Fieber und Symptome hat, bleibt zu Hause. Das gilt nicht nur bei Corona, sondern auch bei Krankheiten wie der Grippe.“
Gassen sagte am Wochenende, die Aufhebung aller Isolations- und Quarantäneauflagen der Krone würde „den Personalmangel vielerorts lindern“. Wer krank ist, soll zu Hause bleiben. Und wer sich wohl fühle, solle zur Arbeit gehen, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
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Kritik am Gesundheitsminister
Lauterbach lehnte dies sofort ab. „Infizierte sollen zu Hause bleiben“, schrieb er auf Twitter. Sonst werde der Arbeitsplatz zum Sicherheitsrisiko, so der Minister.
Kritik und Gassen
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Die Forderung des Chefarztes des Gremiums, die Isolationspflicht aufzuheben, stößt auch andernorts auf Widerstand. Patientenschützer und der Präsident des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, kritisierten die Aussage des Präsidenten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
Montgomery warnte davor, die Einzelhaftpflicht zu beenden. „Aus medizinischer Sicht ist die Aufhebung der Quarantäneregeln aus Gründen des Arbeitsmarktes nicht vertretbar“, sagte Montgomery der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf: „Unsere Aufgabe ist es, die Menschen vor der Krankheit, dem Leid und dem Tod zu schützen und nicht krank zu werden. Leute zur Arbeit.”
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Der Präsident der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warf Gassen „reinen Opportunismus“ vor. Infizierte Erwachsene hätten fast immer Symptome, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Isolation schützt. Denn so wird verhindert, dass sich andere anstecken.“ Mehr als fünf Millionen Genesene haben bereits lange und nach Covid gelitten. „Andreas Gassen spielt mit der Gesundheit der Menschen“, betonte Brysch.
Auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) kritisierte Gassens Vorstoß. „Das wollte ich schon vorher. Übrigens, kurz danach waren die Intensivbetten voll“, schrieb er auf Twitter.
Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Andreas Ullmann, erklärte seinerseits, die Dauer der Isolation bei Covid-19 solle nicht mehr staatlich festgelegt werden. Ärzte sollten medizinische Entscheidungen darüber treffen, wie lange der Krankenstand dauert, twitterte er: „Vertrauen Sie den Menschen, dass sie selbst entscheiden.“
Gassen hatte dafür plädiert, die Omikron-Mutante fast als „Virus-Friedensangebot“ zu sehen. Wer sich nach der Dreifachimpfung infiziert, profitiert sogar von einer Infektion, indem er eine Schleimhautimmunität erwirbt. Wer geimpft wurde, ist gut vor schweren Verläufen geschützt. Daher sollte niemand aktiv infiziert werden. „Aber wir können uns vor dem Virus nicht dauerhaft verstecken. Und wir sind das letzte Land in Europa, das noch so enthusiastisch über einen Corona-Notstand diskutiert.“
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