Das Kunsthaus Bregenz (KUB) feierte am Wochenende sein 25-jähriges Bestehen mit Konzerten, Filmvorführungen, der Eröffnung der aktuellen Schau von Jordan Wolfson, dem Tag der Wiener Symphoniker und Gesprächsrunden. Bei freiem Eintritt begeisterte auch das im Juli 1997 eröffnete Kunsthaus, das seit 100 Jahren (Secession 1898) der erste große Museumsneubau Österreichs war, am Wochenende die Besucher.
Die Feierlichkeiten begannen Ende April mit einer Ausstellung am Rande der Biennale in Venedig mit Werken von Otobong Nkanga und Anna Boghiguian. Diese endete Anfang Juli, sodass die Feierlichkeiten nahezu perfekt verliefen.
Zunächst war das damals 281 Millionen Schilling (rund 20,5 Millionen Euro) teure Kunsthaus in der Bevölkerung sehr umstritten. Der 30 Meter hohe Betonbau mit beeindruckender Mattglasfassade („Clear Skin“), entworfen vom Schweizer Architekten Peter Zumthor, hat zu zahlreichen Diskussionen und Kritik geführt. Manche nennen es heute den Meilenstein von Bregenz. Natürlich waren die ausstellenden Künstler von dem vierstöckigen Gebäude vom ersten Moment an begeistert und loben es bis heute als idealen Ort für die Ausstellung.
Das ist einer der Gründe, warum die Großen der zeitgenössischen Kunst von der ersten Ausstellung – Lichtinstallationen des amerikanischen Künstlers James Turrell – bis heute hin und her gegangen sind. Eine Show, die „das Haus wie eine Belastungsprobe beanspruchte“, wie das KUB einmal schrieb, war die von Santiago Serra, der 300 Tonnen Betonziegel fertig gestellt hatte. Der Bau einer schwarzen Eislaufbahn von Pierre Huyghe, die riesigen bronzenen Spinnen von Louise Bourgeois oder das neblige Meer von Olafur Eliasson fielen in dieselbe Kategorie. In diesem Zusammenhang war auch die Ausstellung von Adrián Villar Rojas anlässlich des 20-jährigen Jubiläums zu sehen.
Nicht weniger beeindruckend waren die Arbeiten und Installationen anderer Künstler wie Per Kirkeby, Erwin Wurm, Jenny Holzer, Ai Weiwei, Jeff Koons, Damien Hirst und Gottfried Bechtold. Zur Wiedereröffnung des Hauses – das wie alle anderen Institutionen auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie geschlossen bleiben musste – gab es im Juni 2020 die spontan gestaltete Crown-Sonderschau „Eine unvergessliche Zeit“. Seitdem finden Ausstellungen statt von Peter Fischli, Ashley Hans Scheirl und Jakob Lena Knebl, Pamela Rosenkranz, Anri Sala, Otobong Nkanga und Dora Budor.
Roy Lichtensteins Show im Jahr 2005 sorgte nicht nur in künstlerischer Hinsicht für den größten Aufruhr in der Geschichte des KUB. Eine 35-jährige Deutsche beschädigte daraufhin mit einem Messer das Gemälde „Nus im Spiegel“ mit vier Schnitten von je 30 Zentimeter Länge und verursachte einen Schaden von 460.000 Euro. Der damalige Direktor des KUB, Eckhard Schneider, war so überrascht, dass er einen Tag lang nicht mit Medienvertretern sprechen konnte. Die an Schizophrenie erkrankte Frau wurde später in einem Prozess am Landesgericht Feldkirch in eine Anstalt eingeliefert.
Im Jahr 2000 übernahm Schneider die Geschäftsführung von Gründungsdirektor Edelbert Köb, der sich geweigert hatte, seinen Vertrag zu verlängern. 2008 übernahm der Deutsche die Geschäftsführung des Pinchuk Art Center in Kiew und übergab den Vorstandsvorsitz des KUB an Yilmaz Dziewior, der sich auch der Kunst außerhalb Europas und Amerikas widmete. Aktueller Direktor des KUB ist der gebürtige Steirer Thomas D. Trummer, der 2015 als Direktor der Kunsthalle Mainz an den Bodensee zog.