Damit war vor dem Match natürlich nicht zu rechnen, auch nach 40 Minuten hatte der Weltmeister mehr Matches und mehr Schüsse. Doch Marko Arnautovic führte Österreich glücklich, aber nicht aus dem Nichts, mit einer beachtlichen Einzelleistung in Führung (41.). Denn Rangnicks Idee des Pressing- und Wechselspiels war schon vor der Pause aufgetaucht. Zudem wechselte er in der ersten Halbzeit erfolgreich in eine Viererkette.
Nach der Pause trug es noch mehr Früchte, als Rangnick drei neue Spieler hinzufügte. „Joker“ Michael Gregoritsch sticht nach einem Pass von Maximilian Wöber zu (54.). Drei Minuten später erzielte Marcel Sabitzer zwei Tore (57.) und machte den 150 mitgereisten Fans Mut. Beeindruckend ist auch der Start in die Rangnick-Ära, denn im sechsten Spiel war es der erste Punktsieg gegen Kroatien, den er in 13 Spielen zuvor in Osijek noch nie verloren hatte.
Arnautovic übernimmt die sehenswerte Führung
Eine schöne punktuelle Aktion des Legionärs von Bologna.
Österreich übernahm nach dem ersten Spieltag die Führung in der Gruppe A1. Im Parallelspiel überraschte Dänemark mit einem 2:1-Sieg gegen Weltmeister Frankreich. Der Halbfinalist der EM ist am Montag (20.45 Uhr, live auf ORF1) in Wien zu Gast.
APA/Robert Jaeger Debüt nach Maß: Ära Rangnick beginnt mit Explosion in Kroatien
Überraschungen in Rangnicks erster Startelf
Rangnick wusste bereits mit seiner ersten Elf in der Startelf zu überraschen. Andreas Weimann startete mit einer 3-5-2-Aufstellung, mit Arnautovic als seinem 99. Kapitän. Christoph Baumgartner, der den Teamchef zunächst für die erste Woche lobte, nahm vorerst seinen Platz auf der Bank ein. Die Dreier-Abwehr mit Gernot Trauner hatte sich abgezeichnet, sodass Wöber und Kevin Danso die Formation nicht überraschten.
Liga der Nationen
Spielplan und Tabelle
Der Chef des kroatischen Teams, Zlatko Dalic, der unter der Woche den Verlust seines Vaters verkraften musste (als Didier Deschamps der französische Gruppengegner), muss derzeit ohne Luka Modric auskommen. Der Teamkollege von David Alaba bei Real Madrid, der in Kroatien abwesend ist, hat auf der Bank Platz genommen. Ivan Perisic von Inter hat sich verletzt, Mateo Kovacic hat sich also von der Masse abgehoben. Der gebürtige Linzer trug auch die Kapitänsschleife und Rangnick kannte übrigens auch den Center gut: Die ehemaligen Salzburger Duje Caleta-Car und Marin Pongracic mussten den kroatischen Laden schließen.
Heißer Tanz in Osijek
Die Rangnick-Ära begann im Gradski vrt-Stadion, einem Stadion, das 1980 eröffnet wurde und diesen Charme bewahrt hat, obwohl die kroatische Nationalmannschaft hier ihren letzten Auftritt hatte. Denn das neue Stadion wird Ende 2022 eröffnet.
ORF.at/Bernhard Kastler Vor und am Gradski vrt trafen sich die Fans zum letzten Mal, das 1980 eröffnete Stadion hat ausgedient.
Nach einem heißen Sommertag in Osijek mit über 30 Grad waren zu Beginn des Spiels noch 25 übrig. Heiß war es auch im Stadion, denn die Fans feierten ihre Mannschaft vor dem Spiel lautstark mit Nationalliedern. Ähnlich wie zuletzt in Wales müssen die ÖFB-Verantwortlichen gedacht haben, dass diese Stimmung auch in Österreich wieder angenehm sein würde. Dies war einer der Gründe, warum Rangnick beigetreten ist, was für ein mutiges, aktives und daher unterhaltsames Spiel steht. „Wir wollen ein gutes Spiel machen und versuchen zu gewinnen“, sagte der Teamchef im Vorfeld.
Kroatien gab zunächst den Ton an
Österreich spielte in Osijek ganz schwarz, die erste Halbzeit gestaltete sich zunächst schwierig für die Gäste. Weil du nervös angefangen hast, hast du unnötige Fehler gemacht und bist in Schwierigkeiten geraten. Ein Pass zur Seite brachte die Abwehr aus der Position, die auf das Tor durchrutschte. Im Sitzen machte Rangnick weiter, als Arnautovic einen kräftigen Schlag von Kovacic bekam, aber nach der Behandlung weitermachen konnte (4.).
Debatte
Was muss sich unter der Leitung des Rangnick-Teams ändern?
Zuvor hatte der Bologna-Legionär bereits seine Fähigkeit gezeigt, Druck auf das Feld auszuüben, aber nicht versucht, das Beste daraus zu machen. Lainer verfehlte knapp (7.). Österreichs Rücken war hoch, das sorgte für Gefahr, Lainer klärte den Ball wenig später (8.). Zu diesem Zeitpunkt war es offensichtlich, dass die Kroaten das Tempo reduzierten und defensiver orientierten.
Kroatien hatte mehr Chancen, etwa der auffällige Pasalic, der eine Flanke von Brekalo einköpfte (19.). Rangnick trat zur Seite und wechselte zu einem Vierer, der im weiteren Spielverlauf Früchte tragen sollte. Doch Wöber klärte zunächst gegen Pasalic (25.), Kovacic versuchte es aus der Distanz mit Lindner (29.), nun hätten die Hausherren längst den Vorteil verdient gehabt. Nach 32 Minuten kam Andrej Kramaric für Lindner. Drei Minuten später stoppte die Latte den Torhüter, doch Englands Schiedsrichter Chris Kavanagh sah ein Foul von Pasalic.
Arnautovic zeigt seine Klasse
Und Österreich? In dieser Phase ließen die Gäste Kroatien in Führung gehen, versuchten aber, wie Rangnick zuvor kommentierte, „den richtigen Zeitpunkt“ zu finden, um den Kroaten weh zu tun. Weimann verfehlte mit einem Schuss (23.), woraufhin die Österreicher ähnliche Versuche zur Verwertung nicht gut genug abschlossen.
Reuters/Antonio Bronic Kaltes Eis an einem heißen Tag in Osijek: Arnautovic sank im rechten unteren Eck trocken
Doch kurz vor der Pause gab es einen „Glücksfall“. Nach einem kurzen Gerangel mit dem Verteidiger steckte Onisiwo den Ball schließlich ins Netz. Arnautovic übernahm den Ball und zeigte seine große Klasse. Er lief, zog in die Mitte und vollendete den Trockenstoß ins rechte Eck (41.). Nach seinem 33. Länderspieltor verstummte sein Torjubel. Das hatte aber wohl nichts mit der schmeichelhaften Führung des ÖFB zu tun, die zur Halbzeit genommen wurde.
Doppelschlag nach der Pause
Schließlich sollte Österreich nach der Pause in Führung gehen. Rangnick nahm drei Auswechslungen vor, darunter Stürmer Arnautovic. Christopher Trimmel, Nicolas Seiwald und Gregoritsch sind angekommen, und Österreich ist nicht in Führung gegangen, sondern auf Hochtouren gegangen. Weimann drückte, Laimer passte und Gregoritsch verfehlte – ohne Abseits – Torhüter Ivica Ivusic (51.).
Sabitzer erhöht auf 3:0 (57. Minute)
Ein Fernschuss entscheidet endgültig.
Aber Österreich verzweifelte nicht, es glaubte weiter an sich, und sein Mut wurde belohnt. Sabitzer bediente Wöber, der während des Spiels auf eine für ihn nicht ungewöhnliche Linksverteidigerposition gewechselt war. Der Salzburger ließ Josip Juranovic links liegen und servierte Gregoritsch (54.) ein gut herausgespieltes Tor für die Gäste. Noch schöner war es für Bayern Sabitzer, der verletzungsbedingt vom Platz geholt werden musste und das Spiel nicht zu Ende spielen konnte.
Österreich nimmt den Sieg mit nach Hause
Die kroatischen Gastgeber staunten, ein Raunen ging durch die weite Runde, das Publikum forderte Luka Modric. Er kam auch, tat aber nichts. Vielmehr verlor Österreich einen überlegenen Sieg an Schlager (65.) und Weimann (72.). Hinten räumte die Viererkette um Trauner alles auf, dann kam die Luft raus.
Am Abend sind wir nach Österreich zurückgekehrt, dann beginnen im Ernst-Happel-Stadion die Vorbereitungen für das Montagsspiel gegen Dänemark. 12.500 Karten wurden vor dem Gastspiel in Kroatien verkauft, Tendenz steigend. Die 150 nach Osijek angereisten Fans jedenfalls staunten und feierten (“Oh, wie schön das”) einen beachtlichen Sieg, zumal die kroatischen Fans ihr Team hier noch nie zuvor ausgebuht hatten.
Kommentare zum Spiel:
Ralf Rangnick (ÖFB-Teamchef): „Wir hatten in den ersten 20, 25 und 30 Minuten beim 3-5-2 Probleme. Wir hatten in so gut wie keiner Phase Zugriff. Wir haben es uns für die zweite Halbzeit deutlich leichter gemacht,“ und am Ende hätten wir noch höher gehen können. Zum ersten Mal in dieser Konstellation, als wir spielten, war ich “Ich war in letzter Minute mit der Leistung zufrieden. Die erste halbe Stunde hat mir überhaupt nicht gefallen. Ab der 30. Minute sah es nach Fußball aus.”
Marko Arnautovic (ÖFB-Torschütze): „Ich habe schon gesagt, dass die Spieler Hitze und Energie haben. Alle wollen beweisen, dass wir eine gute Mannschaft sind. Das haben wir heute bewiesen Hälfte. Wir haben unsere Chancen genutzt und sind glücklich. Jetzt schauen wir auf Montag und Dänemark”.
Zlatko Dalic (Trainer der kroatischen Nationalmannschaft): „Glückwunsch an die österreichische Nationalmannschaft. Es tut mir leid für die Fans, die wir verloren haben. In den ersten Minuten war es gut, aber dann haben wir nicht viel Kraft gezeigt. Ich denke, wir haben gut gespielt in der ersten halben Stunde. Aber nachdem wir das erste Tor erzielt hatten, konnten wir nicht zurückkommen. Es war sehr schlimm. Wir waren nicht …