von. – 24.05.2022 15:04 (24.05.2022 15:04)
Das Wifo zieht Einfuhrzölle einem russischen Ölembargo vor. © REUTERS (Symbolbild)
Das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo zieht Importrechte dem russischen Ölembargo vor.
“Importzölle dürften gegenüber einem Ölembargo mehrere Vorteile haben. Ein allmählicher Anstieg der Volkswirtschaft macht es einfacher, sich auf Preiseffekte einzustellen als auf eine sofortige Mengenreduzierung”, erklärte das Institut in einer veröffentlichten Analyse am Dienstag.
Einfuhrzölle könnten flexibler koordiniert werden als ein Embargo
Anders als ein Embargo könnten Importzölle flexibel und strategisch mit der wirtschaftlichen und politischen Dynamik des Konflikts abgestimmt werden und würden neben steigenden Preisen auch zu Zolleinnahmen in der EU führen. Als Folge eines Embargos oder der Einführung eines äquivalenten Einfuhrzolls erwartet das Wifo nach den Ergebnissen der Simulation kurzfristig einen Anstieg der Inflationsrate von 0,5 auf 0,75 Prozentpunkte und einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent.
Kasachstan ist der größte Ölimporteur Österreichs
Für Österreich ist Kasachstan mit einem Anteil von 40 Prozent der größte Ölimporteur, gefolgt von Libyen und dem Irak; zusammen decken diese Länder rund 80 Prozent der österreichischen Erdölimporte ab. Insgesamt stammen rund 48 Prozent der österreichischen Ölimporte aus den GUS-Staaten, die nach Einschätzung von Wifo-Forschern im Falle russischer Gegenmaßnahmen möglicherweise wegfallen könnten. Dies könnte jedoch durch einen Anstieg der Ölimporte aus den OPEC-Staaten (die derzeit 45 Prozent der österreichischen Ölimporte decken) ausgeglichen werden, wenn auch zu deutlich höheren Preisen.
Es gibt keine direkten Importe von Benzin und Diesel aus Russland nach Österreich
Benzin und Diesel werden in Österreich fast ausschließlich aus anderen EU-Staaten bezogen und nicht direkt aus Russland importiert. Etwa 60 Prozent der inländischen Dieselimporte werden in Deutschland gekauft. Da Russland jedoch ein bedeutender Diesellieferant der EU ist, ist Österreich indirekt davon abhängig. Die Verknappung und der damit verbundene massive Anstieg der Treibstoffpreise hätten laut Wifo weitreichende negative Auswirkungen auf den Güter- und Personenverkehr.
Die Importabhängigkeit der russischen Ölversorgung ist unterschiedlich
Innerhalb der EU ist die Importabhängigkeit russischer Ölvorräte, ähnlich wie bei Erdgas, sehr unterschiedlich. Besonders geografisch nahe Länder wie Litauen (83 %), Finnland (80 %) und die Slowakei (74 %) kaufen viel russisches Öl.