- Startseite
- Frankfurt
Erstellt: 25.05.2022, 08:16
Von: Georg Leppert
Teilt
Feldmann vor dem Pokal-Klau mit Eintracht-Kapitän Sebastian Rode. © AFP
Nach einem peinlichen Auftritt und einem sexistischen Kommentar regnete es bundesweit Häme über Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann. Bei Römer fordern inzwischen fast alle seinen Rücktritt. Der Mittwoch will erklärt werden.
Frankfurt – Peter Feldmann hat es diese Woche auch in die spanische Presse geschafft. Das „Diario de Sevilla“ zeigte ein Bild von einem Treffen des Frankfurter Oberbürgermeisters mit seinem Amtskollegen in Sevilla am Tag des Europa-League-Finales am vergangenen Mittwoch. Die beiden Männer lächeln und halten einen Eintracht-Schal in die Kamera. Darin steht: „Der Oberbürgermeister von Frankfurt hat wegen sexistischen Verhaltens seinen Rücktritt gefordert.“ So präsentiert sich die Frankfurter Kommunalpolitik dieser Tage in der internationalen Presse.
Peter Feldmann, 63, SPD-Politiker und seit 2012 Oberbürgermeister von Frankfurt, hatte sich das ganz anders vorgestellt. Tatsächlich war das Date in Sevilla perfekt für jemanden wie ihn, der Kameras nicht meidet, der Werbung sucht, der immer lächelt. “Grinse-OB” nennen ihn die Frankfurter, die ihn loswerden wollen, und es werden immer mehr, seit die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen ihn erhebt.
Der OB und die Eintracht: Feldmanns Sevilla-Trip soll eine Atempause sein
In dem Fall geht es um Korruption, seine Frau soll als Kita-Leiterin mehr verdient haben, als ihr zusteht. Außerdem sollen im Wahlkampf Spenden für Feldmann gesammelt worden sein, aber ob es dafür etwas gibt, ist fraglich. Der Bürgermeister bestreitet die Vorwürfe, doch die Diskussion um ihn hat sich nicht beruhigt. Die Reise nach Sevilla erschien mir wie ein Ausweg, zumindest eine Verschnaufpause.
Kommentar von FR
Peter Feldmann ist eine Schande für Frankfurt
Eintracht gewinnt Europapokal, Peter Feldmann bleibt der Mannschaft nah. So wie 2018, als die Eintracht den DFB-Pokal gewann und nach dem Spiel sogar die Kabine betreten durfte. Aber diesmal war alles anders. Eintracht-Funktionäre ließen keine Annäherung zu. Und der Abendempfang nach dem Spiel im Frankfurter Römer geriet für Feldmann zum absoluten Desaster.
Twitter-Kommentare zu Feldmann: „Ekel und Sexismus pur“
Der TV-Clip, in dem er Eintracht-Trainer Oliver Glasner und Kapitän Sebastian Rode buchstäblich den Pokal wegschnappte, wurde bundesweit ausgestrahlt und mehrfach wiederholt. Und dann erschien das Video des Flugzeugs. Feldmann auf dem Weg nach Sevilla, nicht in einer Eintracht-Maschine, sondern in einem Beatmungsflugzeug. Er schnappte sich das Bordmikrofon, mehr war nicht zu erwarten, diesen Auftritt wollte er sich auch nicht entgehen lassen. Und er spricht von Flugbegleitern, die ihn auf “hormonelle Behinderung” gesetzt hätten.
Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig, Mitglied im SPD-Vorsitz, nennt das einen “Herrenwitz”. Kommentare in den sozialen Medien gehen noch viel weiter. “Ekelhaft”, sagt er, “Ekel und Sexismus pur.”
Am Frankfurter Römer fordern inzwischen fast alle Feldmans seinen Rücktritt. Sogar seine eigene Partei. Feldmann soll dem Amt und der Stadt schaden. Das ist nur bedingt neu. Diese Klagen waren bereits nach der Anklageerhebung erhoben worden, und auch die SPD hatte sich von ihrer einstigen Hoffnung distanziert.
Sogar die „Heute Show“ scherzt über Feldmann von Oberbürgermeister Frankfurt
Aber jetzt hat sich vieles verändert. Selbstbewusst sagte Feldmann vor einigen Wochen zu Römer: “Ich bin nicht schuldig, ich bin nicht korrupt.” Aber damit war die Sache für ihn erledigt. Doch jetzt ergießen sich bundesweit Spott und Häme über ihn, jetzt scherzt die „Heute Show“, jetzt will niemand in Frankfurt etwas mit diesem Oberbürgermeister zu tun haben.
Das ist schlecht für jemanden wie Feldmann. Vor allem seine zweite Amtszeit ist von nahezu grenzenlosem Narzissmus geprägt. Mal kündigte er von sich aus die Abschaffung der Kinderbetreuungsgebühren an, mal demontierte er öffentlich seinen Leiter des Ordnungsamtes, indem er ihm ein Redeverbot im Plenarsaal untersagte. Peter Feldmann, der Sonnenkönig, schrieb es in den Medien. Er ist nicht mehr der einzige König und wird nicht mehr als Oberbürgermeister wahrgenommen, der seine zweite Amtszeit mit einem erdrutschartigen Wahlsieg über einen überforderten CDU-Kandidaten begann, der deshalb glaubte, im Parlament arrogant auftreten zu können. Nein, nach nationaler Wahrnehmung ist Feldmann nur dieser komische Kommunalpolitiker, der Frankfurt lächerlich macht.
Was ist von Feldmanns Amtszeit als Oberbürgermeister von Frankfurt geblieben?
Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Petra Roth (CDU), die mit dem „Frankfurter Weg“ weit über seine Heimatstadt hinaus Akzente in der Drogenpolitik setzte und mehrfach dem Stadtrat vorstand, war Feldmanns Arbeit weitgehend auf Frankfurt beschränkt. Und nun haben ihn unter anderem ein Korruptionsfall, ein sehr peinlicher Auftritt bei den Stars der Eintracht und ein sexistischer Spruch auf die Seiten von Spiegel und Tagesschau geführt. Für einen Mann von egozentrischer Macht wie ihm ist das eine Katastrophe.
In diesem Sinne war die Wahrscheinlichkeit, dass Peter Feldmann freiwillig in den Ruhestand geht, nie größer als jetzt. Denn es geht um den Rest seiner Amtszeit. Wird er abgelehnt (oder bleibt trotz Rücktrittsforderungen irgendwie im Amt), ist er der ungeliebte Bürgermeister. Geht er freiwillig, könnten seine Verdienste um die Frankfurter zumindest in der Bilanz eine Rolle spielen.
Und es gab Verdienste. Feldmann setzte zu Beginn seiner Amtszeit die richtigen Akzente, kämpfte gegen Wohnungsnot, verhängte einen Mietstopp bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft und machte deutlich: Frankfurt ist eine reiche Stadt, aber viele Menschen können sich diese Stadt nicht mehr leisten. Deshalb soll der Besuch im Kinderbecken kostenlos sein und die Betreuung in der Krippe erst recht.
Peter Feldmann hat für diesen Mittwoch (25. Mai) eine Pressemitteilung angekündigt. Journalisten sollten morgens in sein Büro kommen, es seien keine Beratungen erlaubt, teilte das Presseamt der Stadt Frankfurt mit. Wieder spricht nur einer: Peter Feldmann. (Georg Leppert)