Der Preis wird auf ein hohes Niveau steigen

Die jüngsten Strom- und Gaspreiserhöhungen sind laut Urbantschitsch auf die Entwicklung der Großhandelspreise zurückzuführen. Energiekonzerne ziehen nun nach, was sich in den Rechnungen der Endverbraucher widerspiegelt. Dies wird voraussichtlich noch einige Zeit anhalten. Basierend auf den Prognosen des Ö1-Mittagsjournals geht Urbantschitsch davon aus, dass sich die Großhandelspreise im nächsten Jahr stabilisieren werden, wenn auch auf hohem Niveau.

Der Vorstand der E-Control geht davon aus, dass die Verbraucher weiterhin mit hohen Preisen zu kämpfen haben werden. Schätzungen, wonach auf die Menschen zusätzliche Kosten von bis zu 300 Euro im Monat zukommen, wollte er jedoch nicht teilen. „Diese 300 Euro pro Monat sehe ich nicht, wenn wir von den sogenannten Bestandskundentarifen ausgehen. Wenn man das im Jahresverlauf betrachtet, dann hat man zwar höhere Kosten, die sind aber in diesem Umfang nicht anrechenbar.“

Vorauszahlungen anpassen

Fakt ist aber, dass die Preise steigen, also sollten alle Kunden an ihre Strom- und Gaskosten denken, so Urbantschitsch. Bei Ihrer eigenen Rechnung sollten Sie den aktuellen Stand mit den Kosten des letzten Jahres vergleichen. “Und wenn es eine wirtschaftliche Möglichkeit gibt, die Vorauszahlungen anzupassen, dann tun Sie es.” Ansonsten droht eine negative Überraschung im Jahresabschluss.

Urbantschitsch riet Kunden, die einen Tarifwechsel beabsichtigen, zum Preisvergleich mit dem Tarifrechner. „Aber man muss realistisch sein, die Zeiten billiger Energie sind zumindest vorerst vorbei. Jetzt sollten Sie sicherstellen, dass Sie es mit einem guten Angebot zumindest bis zum Monatsende schaffen.” Vor allem aber gilt es, den Energieverbrauch zu senken.

Dabei gibt es vielfältige Unterstützungen, die Sie in Anspruch nehmen können: von den Energieunternehmen selbst, zum Beispiel in Form von Rabatten, und auf Landesebene. Hinzu kommen die entsprechenden Überlegungen der Bundesregierung, Stichwort Rechnungsdeckung.

APA/Roland Schlager Wolfgang Urbantschitsch

Derzeit fliesse Gas und Österreich bereite sich gut auf den Winter vor, sagte Urbantschitsch. Das Gasspeicherziel ist erreichbar und die Diversifizierung wird unterstützt. Zusätzlich kaufte der Bund 20 Terawattstunden Gas, was rund 20 Prozent des Absatzes in Österreich entspricht. Es sei aber “immer damit zu rechnen, dass es zu Kürzungen der Gaslieferungen nach Österreich kommen wird”.

Starker Anstieg im Osten

Erst am Mittwoch hatte die Energieallianz Austria (EAA) über erste Indexanpassungen bei Wien Energie und EVN im September berichtet. Die Marktsituation und “dramatische Preiserhöhungen” hätten es nötig gemacht, sagte er.

EVN und Wien Energie erhöhen die Preise

Energieversorger in Wien und Niederösterreich haben deutliche Preiserhöhungen ab 1. September angekündigt. Die Erhöhung ist überraschend und notwendig, weil die Einkaufspreise explodiert sind.

In Wien sind es durchschnittlich 36 Euro mehr für Strom und 60 Euro mehr für Gas pro Monat; mehr Infos unter wien.ORF.at. In Niederösterreich können es über 100 Euro sein, wenn ein Haushalt sowohl Strom als auch Gas bei der EVN bezieht. Gleichzeitig kündigten beide Energieversorger Ausgleichsmaßnahmen an; mehr Informationen dazu unter oesterreich.ORF.at. Nach SPÖ, FPÖ und den Grünen kritisierten am Donnerstag auch NEOS in Niederösterreich die Strompreiserhöhungen.

Andere öffentliche Dienste warten

Bei der ebenfalls zur EAA gehörenden Burgenland Energie komme die Preiserhöhung wie geplant im Januar 2023, hieß es am Mittwoch. Auch die übrigen staatlichen Energieversorger wollen ihre Preisanpassungen nicht vorziehen, wie sie in einer APA-Sendung mitteilten. Die Salzburg AG hat zuletzt Anfang April die Strom- und Gaspreise angehoben. Weitere Anpassungen für Bestandskunden in diesem Jahr schloss eine Unternehmenssprecherin aus. Am 1. September kommt es zu einer erneuten Preiserhöhung für Fernwärme, wie die Salzburg AG Ende Juni angekündigt hat.

Auch die Energie Steiermark hat im Frühjahr Preisanpassungen für Strom und Gas angekündigt. Seit April und Mai sind Strom und Fernwärme zwischen 18 und 20 Euro pro Monat teurer geworden. Ab September bedeutet Erdgas für einen durchschnittlichen Haushalt Mehrkosten von 29 Euro pro Monat. Weitere Erhöhungen sind derzeit nicht zu erwarten. Auch eine vorzeitige Indexanpassung bei der KELAG sei laut dem Kärntner Energieversorger nicht geplant. Allerdings hatte die KELAG bereits Mitte Juli angekündigt, den Preis für den Erdgasverbrauch für Privat- und kleine Gewerbekunden im November auf 9,87 Cent netto pro Kilowattstunde anzuheben. Die KELAG hat die Strompreise zum 1. April dieses Jahres erhöht und Kunden eine einjährige Preisgarantie gegeben.

In Oberösterreich hält die Energie AG an ihrer Preisgarantie für Strom und Gas in Standardprodukten bis 2023 fest. Damit ändert sich bis dahin „für 97 Prozent unserer Kunden nichts“, so der Energieversorger. Nach Ablauf der Garantie muss allerdings eine Preisanpassung vorgenommen werden, wurde versprochen. Bei der Linz AG gab es bereits Preiserhöhungen. Am 1. Juli stiegen die Strompreise, die erste Tariferhöhung für Bestandskunden seit zwölf Jahren. Im August wurden zudem die Fernwärmetarife des kommunalen Energieversorgers angehoben.

Neukunden mit eigenen Regeln

Der Tiroler Landesversorger TIWAG erhöhte den Strompreis im Juni lediglich um rund 15 Prozent, was die Stromrechnung im Schnitt um sechs Prozent erhöhen dürfte. „Für Bestandskunden ist bis zum 1. Juni 2023 keine Aufstockung geplant“, sagt CEO Erich Entstrasser. Für Neukunden gilt allerdings eine andere Regel: Für sie steigen die Preise, je nachdem wie sich der Österreichische Strompreisindex (ÖSPI) entwickelt.

In Vorarlberg bleiben die Strom- und Gaspreise bis mindestens 1. April 2023 stabil. Dies betonte Landeshauptfrau Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) mehrfach während der Diskussion um eine mögliche Begrenzung des Strompreises in den vergangenen Wochen. Hinsichtlich der Indexanpassungen sind laut Illwerke/VKW keine Änderungen zu erwarten. „Unsere aktuellen AGB erlauben einmal jährlich eine Anpassung“, sagt Unternehmenssprecher Andreas Neuhauser.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *