Deutsche Finanzagentur: Das mysteriöseste Unternehmen Deutschlands

Wie schuldet der Staat Geld?

Alles in allem ganz ähnlich wie Sie als Konsument, nur in viel größerem Umfang. Der Staat begibt dafür Anleihen, also Schuldscheine, für die er dann ein Darlehen erhält. Im vergangenen Jahr gab es 120 Anleiheemissionen.

Investoren, Banken oder die Europäische Zentralbank (EZB) kaufen diese Anleihen. Dabei leihen sie dem Staat Geld, das ihnen Zinsen zahlt. Auch Sie als Privatanleger können Anleihen kaufen und so dem Staat neues Geld zur Verfügung stellen. Wie das funktioniert, können Sie hier nachlesen.

Eine beliebte Wahl in der Vergangenheit waren Schatzwechsel des Bundes. Die Bundesregierung hat diese Wertpapiere Ende 2012 begeben, und das Risiko für die Anleger war sehr gering. Gleichzeitig stiegen die Zinsen im Laufe der Zeit. Aus Kostengründen hat die Bundesregierung die Schatzwechsel jedoch ausgesetzt.

Niedrige Zinsen machen den Kredit günstiger

Allerdings verdient der Bund seit Jahren Geld mit Krediten, weil die Zinsen auf seine Schulden negativ sind. Investoren leihen dem Staat auch Geld zu Negativzinsen, weil sie wissen, dass sie es zurückgeben. Denn der Bund verfügt über eine erstklassige Bonität. Sogenannte Ratingagenturen wie S&P, Fitch und Moody’s schätzen ihn.

Als Verbraucher kennen Sie das auch: Auskunfteien wie die Schufa prüfen Ihre Bonität, zum Beispiel wenn Sie einen Kredit aufnehmen. Wenn Sie Ihre Rechnungen in letzter Zeit nicht oder zu spät bezahlt haben, kann die Schufa Ihre Rechnung kürzen. Dann bekommt man keinen oder nur teureren Kredit.

Was macht die Finanzagentur?

Die Verwaltung der Schulden und des Bundesdarlehens obliegt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie tritt daher stets im Namen der Bundesrepublik und nicht als eigenständiges Unternehmen am Markt auf.

Die heute vom Bundestag kontrollierte Institution kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Bereits 1820 hatte das Königreich Preußen die Idee, eine „völlig eigenständige Behörde“ für die Schuldenverwaltung zu gründen.

Durch die Reichsschuldenverwaltung (1900) und die Bundesschuldenverwaltung (1949) erhielt die Anstalt am 19.09.2000 ihre heutige Rechtsform und den freundlichsten Namen „Finanzagentur“.

Sprecher: Deshalb ist die Finanzagentur keine Behörde

Aber warum ist die Finanzagentur als privates Unternehmen und nicht als Behörde organisiert? Eine Sprecherin erklärt auf Nachfrage bei t-online: „So können wir schnell auf veränderte Finanzmarktanforderungen reagieren.“

Das bedeutet zum Beispiel die Pandemie der Krone oder der Krieg in der Ukraine, Ereignisse, die mehr Schulden erfordern. Eine Behörde arbeitet generell langsamer, da hier die Prozesse und Strukturen anders sind.

Aber auch die Organisation als Unternehmen bringt Kuriositäten mit sich. So behaupten Verschwörungstheoretiker manchmal in Bezug auf die Finanzagentur, die Bundesrepublik Deutschland sei ein Unternehmen und kein Staat. Denn der vollständige Name der Finanzagentur lautet „Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH“. Dass diese Behauptungen einer „Deutschland GmbH“ falsch sind und schnell widerlegt werden können, stört die Erzähler meist nicht sonderlich.

Wie genau funktioniert der Kredit?

Bringt die Finanzagentur neue Wertpapiere auf den Markt, startet sie das sogenannte Bieterverfahren. Dieser Prozess funktioniert in seiner entscheidenden Phase wie eine Auktion. Ein fester Bieterkreis kann 3,5 Stunden lang bieten, in der Regel an bestimmten Tagen von 8.00 bis 11.30 Uhr.

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