Die CDU diskutiert über ein Tempolimit

Bei der CDU wächst die Unterstützung für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. „In der aktuellen Situation sollten Denkverbote überall hingehen und alle Optionen auf dem Tisch liegen, auch ein zeitliches Tempolimit“, sagte Parteivizepräsidentin Karin Prien. Süddeutsche Zeitung. Bislang galt die Einführung eines generellen Tempolimits von 130 Stundenkilometern in Unionskreisen als fast unmittelbar bevorstehend, doch seit dem Ausbruch des Ukrainekrieges und der damit verbundenen Energiekrise scheint ein Umdenkprozess eingeleitet worden zu sein.

Zuletzt hatte CDU-Vizepräsident Andreas Jung gewagt, auf ein Tempolimit zu drängen. Jetzt „muss alles in den Topf fließen, um uns im Winter zu helfen und CO₂ einzusparen“, sagte Jung. Bild-Tagebuch. Es beinhaltete unter anderem Atomkraft und ein „zeitliches Tempolimit“ für die Zeit der Energiekrise.

Auch Jens Spahn, der für Wirtschafts- und Energiefragen zuständige Fraktionsvorsitzende der Union, will diese Debatte “ohne ein Wimper zu zucken” führen. Teile der CDU haben offenbar eingeräumt, dass es widersprüchlich wäre, den Grünen und der SPD zu bescheinigen, dass man ihnen verboten habe, über die Frage der Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken nachzudenken, und gleichzeitig aus ideologischen Gründen alle Optionen bis auf Weiteres ausgeschlossen habe als er die Höchstgeschwindigkeit erreichte. Dem Vernehmen nach kann sich Spahn hier eine Art Denkverbot vorstellen: Die Grünen setzen auf Atomkraft, die Union auf Tempolimit.

Andreas Jung forderte die Bundesregierung zum Handeln beim Tempolimit auf, wollte ihn dann in seine Partei drängen. Die Maßnahme hat den durchaus kalkulierten Nebeneffekt, die Uneinigkeit der Ampelkoalition aufzeigen zu können. Denn die FDP ist bereits in Koalitionsverhandlungen gegen das Tempolimit ins Stocken geraten – und tut dies weiter. FDP-Vizepräsident Wolfgang Kubicki sagte der SZ: „Wenn ein Tempolimit nennenswerte Einsparungen bringt, geschweige denn Benzin? Mit dieser abstrusen Pseudo-Debatte, die nun offenbar auch von der Union geführt wird, wird das eigentliche Problem nicht gerade gelöst.“ ablenken“. Mehr daran denken, reale Probleme politisch zu lösen und keine neuen zu schaffen, sagte Kubicki: “Die Konkurrenz derer, die diesen Ansatz öffentlich proklamieren, muss ernsthaft bezweifelt werden.”

CDU-Fraktionschef Friedrich Merz wollte sich am Wochenende auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern. Hier scheint es noch in der Bemusterungsphase zu sein. Die Parteiführung muss aufpassen, dass sie nicht ihre eigenen Felder aufteilt, um einen Keil in die Ampelkoalition einzuführen. Im Präsidium sehen der Leiter des Programmausschusses, Carsten Linnemann, und der niedersächsische Staatspräsident Bernd Althusmann den Vorstoß zum Tempolimit kritisch. Althusmann, der auch Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl ist, sagte der SZ, er halte die eigentliche Einsparung eines Tempolimits für überschaubar. „Stattdessen sollten wir uns auf die entscheidenden Themen konzentrieren. Wie können wir zum Beispiel mehr Kohle erzeugen, damit die Gasspeicher für den Winter gefüllt werden können.“ Kritik kommt auch von der CSU. „Ein starres Tempolimit entspricht nicht unserer Position und ist nicht die Antwort auf die aktuellen Herausforderungen“, sagte der CSU-Abgeordnete Ulrich Lange. CDU und CSU steht hier womöglich der nächste Geschwisterstreit bevor.

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