Die Inflation lässt soziale Organisationen Alarm schlagen

von. – 19.07.2022 05:00 (akt. 19.07.2022 05:00)

Die Inflation betrifft vor allem die unteren Einkommensgruppen. © APA / BARBARA GINDL (Symbolbild)

Die sozialen Organisationen Caritas, Diakonie und Volkshilfe berichten von einem dramatischen Anstieg an Familien, die um Unterstützung bitten. Der Fehler liegt in der hohen Inflation.

Am Montag richteten Caritas, Diakonie und Volkshilfe einen dramatischen Aufruf an die Bundesregierung, den Auswirkungen der Inflation auf besonders armutsgefährdete Menschen und Familien entgegenzuwirken. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz wurde betont, dass die Inflation keine Ferien mache. Alle drei Hilfsorganisationen meldeten einen enormen Anstieg der Hilfesuchenden.

Steigende Preise lassen soziale Organisationen Alarm schlagen

Grund dafür sei die stärkste Inflation der letzten 40 Jahre, betonte Caritas-Generalsekretärin Anna Parr: „Und wir gehen davon aus, dass sie dramatisch zunehmen wird.“ Steigende Preise trafen vor allem die Armen mit „voller Wucht“, Parr verwies auf den sogenannten Einkaufskorb, der mit 15,4 Prozent noch teurer sei. Jetzt müssen viele genau kalkulieren, ob bis Ende des Monats ein Kilo Brot ausgeht. Viele Menschen hätten erstmals Hilfe von der Caritas in Anspruch genommen, sagt Parr: „Nicht nur armutsgefährdete Menschen, sondern auch viele Menschen im unteren Drittel der Einkommensklasse können das Monatsende nicht mehr erreichen.“ Besonders betroffen sind Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern. „Wir stoßen langsam an unsere Grenzen“, sagte Parr. Beispielsweise wurde Wien ein vorübergehender Lebensmittelstopp auferlegt und sie mussten auf kleinere Lebensmittelpakete umsteigen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem.

Organisationen befürchten, dass sich die Situation im Herbst verschlechtern wird

Auch Diakonie-ähnliche Erfahrungen werden gemacht: „Bestehende Bedarfe streiken in allen Bereichen“, betonte Diakonie-Leiterin Maria Katharina Moser. Auch Babynahrung für nicht stillende Mütter wird immer mehr zum Problem. Und die Eltern würden bereits nach Schulmaterial für den Herbst fragen. “Familien geht Anfang dieses Monats das Geld aus.” Zudem betonte Moser, dass es einen „Teufelskreis“ aus finanziellen Engpässen, Bildungsnachteilen und Entwicklungsverzögerungen oder gesundheitlichen Nachteilen gebe. Armut und Bildung würden ineinandergreifen. Dieses Problem verschlimmert sich jetzt aufgrund der Inflation. Der Lebensstandard armutsgefährdeter Menschen ist schlechter und Krankheiten nehmen mit niedrigem Sozialstatus zu.

Maria Katharina Moser: „Kinderarmut ist ein Teufelskreis“

Kinder und Jugendliche sollen jetzt Urlaub machen und das Leben genießen, so Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger. Stattdessen sind viele Kinder belastet und besorgt, weil sie wissen, dass es nicht genug Geld für Familien gibt. “Steigende Preise bedrohen das Leben vieler.” In einer bundesweiten Umfrage der Volkshilfe unter mehr als 550 Sozialarbeitern im Juni und Juli gaben fast drei Viertel der Befragten an, dass die Inflation einen erheblichen Einfluss auf die Lebensplanung armutsbetroffener Kinder und Jugendlicher hat. Eine finanzielle Grundsicherung für Kinder ist dringend notwendig.

Humanitäre Organisationen fordern Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung

Hilfsorganisationen fordern einen „gezielten Inflationszuschlag“ und „das Ende der Sprinkleranlage“, wie Caritas-Generalsekretär Parr sagte. Der Inflationsausgleichszuschlag soll den ärmsten Haushalten zugutekommen: Empfänger von Sozialleistungen und Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen. Die türkisgrüne Bundesregierung soll dafür im Laufe des Sommers die gesetzlichen Grundlagen schaffen.

„Rechtliche Abschaltung von Strom und Gas“

Parr forderte zudem „eine gesetzlich verankerte Abschaltung von Strom und Gas im Winter“ und die Anhebung der Sozialleistungen auf ein „armutssicheres Niveau“. Begrüßenswert sei die angekündigte Aufwertung der Sozialleistungen ab dem kommenden Jahr. Dazu sollten aber auch Nothilfe und Arbeitslosengeld gehören. Außerdem sollten die Wertverluste der letzten Jahre entsprechend ausgeglichen werden, beispielsweise bei der Familienbeihilfe. Auch bei einer derzeit im Gespräch befindlichen Strompreisobergrenze lässt sich laut Fenninger etwas herausholen.

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