Die Preise für Fernwärme in Wien sind um 92 Prozent gestiegen

8.06.2022 09:25 (Akt. 8.06.2022 21:00)

Mehr als 440.000 Haushalte in Wien sind von steigenden Heizpreisen betroffen. © APA / HELMUT FÖHRINGER

In Wien soll der Preis für Fernwärme um 92 Prozent steigen, wie am Mittwoch bestätigt wurde. Mehr als 440.000 Haushalte sind betroffen.

Nach den zuletzt stark gestiegenen Diesel- und Heizgaspreisen wird auch Fernwärme teurer: Wien Energie möchte die Preise für Fernwärme um 92 Prozent erhöhen.

Es sei eine Anpassung des offiziellen Preisaushangs beantragt worden, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung. Die wirtschaftliche Entwicklung würde einen deutlichen Anstieg erzwingen, sagte er. Rund 440.000 Haushalte werden mit Fernwärme versorgt.

Wien Energie: 92 Prozent teurere Fernwärme

Der Antrag wird dann vom Magistrat der Stadt Wien und den Behörden geprüft. Dem Preisausschuss gehören laut Wien Energie auch die Arbeiterkammer, die Wirtschaftskammer und die Landwirtschaftskammer an.

„Wir haben keine andere Wahl. Das sind die bitteren Folgen der weltweiten Energiekrise und der beispiellosen Anstieg der Großhandelspreise. Die Inflation wurde durch den russischen Einmarsch in die Ukraine weiter verschärft; keine Entspannung der Preissituation“, sagte Michael Strebl. , der Vorstandsvorsitzende der Wien-Energie, den Schritt.

Steigende Preise aufgrund der Energiekrise

Seit Herbst 2021 kommt es auf den Energiegroßhandelsmärkten zu massiven Preissteigerungen, der Krieg in der Ukraine hat diese Entwicklung noch verstärkt. Laut Wien Energie haben sich die Gasgroßhandelspreise im Vergleich zum Vorjahr vervielfacht und der österreichische Gaspreisindex ist gegenüber Juni 2021 um mehr als 420 Prozent gestiegen.

Mehrkosten von 45 Euro pro Monat für Wiener Haushalte

Wird dem Antrag stattgegeben, wird der Preis für Fernwärme in der nächsten Heizsaison mit einem Plus von 92 Prozent etwa verdoppelt. Für eine durchschnittliche Wiener Wohnung kostet das monatlich 45 Euro zusätzlich, schätzt das Unternehmen. Nach eigenen Angaben versorgt Wien Energie mehr als 440.000 Haushalte in Wien mit Fernwärme.

Zuletzt seien die Preise 2016 angehoben worden. Jetzt sei der Schritt aber „alternativlos“, sagte er. Effiziente Erzeugung in Blockheizkraftwerken und die Nutzung von Müllverbrennungswärme und Industrieabwärme konnten die Preisentwicklung nicht mehr ausreichend dämpfen.

Der Wien Energie Ombudsmann erhöht Ressourcen

„Da gibt es nichts zu versüßen. Der Preisanstieg ist drastisch, aber es gibt nur einen Weg: Wir müssen raus aus dem Gas. Das geht nur durch massive Investitionen in erneuerbare Wärme. Deshalb brauchen wir eine ausreichende wirtschaftliche Stabilität und wir finanzielle Einbußen vermeiden müssen”, sagte Strebl. Bis 2040 soll die Fernwärme in Wien klimaneutral und damit unabhängig von teuren Gasimporten sein.

Kunden, die mit der finanziellen Mehrbelastung nicht zurecht kommen, können sich an die Ombudsstelle der Wien-Energie wenden. Es wurde versprochen, dass die Ressourcen dort im Herbst aufstocken würden.

Der Preisausschuss prüft die Erhöhung

Zuständige Behörde für den Erlass eines neuen Preisbescheids ist die Magistratsabteilung 62 (Wahlen und diverse Rechtsfragen). Nach Angaben des Büros von Wirtschafts- und Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) soll nun der amtliche Preisausschuss klären, inwieweit die Erhöhung gerechtfertigt ist und ob der Antrag den gesetzlichen Anforderungen genügt. Es ist ein Verfahren nach dem Preisgesetz und dem Allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetz vorgesehen.

Die Handelskammer, die Arbeiterkammer und die Landwirtschaftskammer haben Parteicharakter. Das entsprechende Verfahren dauere in der Regel etwa drei Monate, sagte er auf Anfrage der APA. Der Preis für Fernwärme setzt sich übrigens aus einem Grundpreis und einem Arbeitspreis zusammen. Die erste umfasst die Bereitstellung von Heizung, Wartung und Service sowie Zählerablesung und Abrechnungsdienste. Der Arbeitspreis ist die tatsächlich verbrauchte Wärme.

200 Euro für die Wiener besonders betroffen

Hanke verwies in einer Stellungnahme auch auf die von der Stadt initiierte neue Energieförderung. Er betonte, dass vor allem 260.000 Wienerinnen und Wiener ab Ende Juni 200 Euro direkt auf ihr Konto bekommen würden. Doch im Herbst erweitert sich auch der Kreis der Empfänger.

AK ist empört über den starken Anstieg der Fernwärmepreise

Die Arbeiterkammer (AK) reagierte empört. Fernwärme wird von einkommensschwachen Haushalten oft überproportional genutzt. Mit dem Aufstieg drohe vielen Menschen nun der endgültige Rückgang der Armut, sagte AK-Präsidentin Renate Anderl am Mittwoch in einer Aussendung. Für betroffene Haushalte wird nun eine Entschädigung gefordert.

Die Wiener Grünen bestanden darauf, die Gewinne von Wien Energie abzuschaffen oder umzuverteilen. „Wir müssen die Vorteile von Wien Energie jetzt an die Menschen weitergeben, anstatt sie durch Preisverdopplung noch weiter zu belasten“, sagte die Wiener Landesvorsitzende Judith Pühringer.

Wiener Grüne für die Umverteilung der Wien Energie Gewinne

In ein ähnliches Horn bläst Reinhard Langthaler, Bundesvizepräsident der Freien Wirtschaft. Viele Menschen können sich ihr Geld nicht mehr leisten, und die Erhöhung macht es noch schlimmer. Langthaler appellierte an die Wirtschaftskammer Wien, gegen die Preiserhöhung der Kommission vorzugehen.

Für ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner liegt die Verantwortung bei der rot-rosa Stadtregierung. „Die Wiener Straße ist eine massive Mehrbelastung für die Wiener Bevölkerung.“ Da die Fernwärme Eigentum der Wiener Stadtwerke und damit Eigentum der Stadt Wien sei, könne Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) die Verantwortung nicht wechseln, sagte er.

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