Die Rezession der deutschen Wirtschaft ist vorerst abgewendet

Stand: 25.05.2022 11:28 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal leicht gewachsen. Die Verbraucher bleiben jedoch sehr verunsichert, mit Folgen für den Konsum. Im laufenden zweiten Quartal droht den Forschern zufolge eine sinkende Wirtschaftsleistung.

Zwischen Januar und März stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Morgen mit und bestätigte damit eine frühere Schätzung. Damit entging die deutsche Wirtschaft dem drohenden Abgleiten in eine Rezession. Denn bis Ende 2021 war das BIP um 0,3 Prozent gesunken. Zwei Quartale in Folge mit dem Rückgang der Wirtschaftsproduktion gilt als Rezession.

Während die Exporte zu Beginn des Jahres zurückgingen und auch die privaten Konsumausgaben schwach zurückgingen, stiegen die Investitionen in den ersten drei Monaten deutlich an. Aufgrund des milden Klimas stiegen die Bauinvestitionen um 4,6 Prozent. In Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge wurde 2,5 Prozent mehr investiert als im Vorquartal.

Die aktuelle Studie zum Konsumklima sieht keinen Abwärtstrend

Julia Demel, BR, Daily News um 12:00 Uhr, 25. Mai 2022

Fragezeichen für das zweite Quartal

Die Aussichten bleiben jedoch moderat; das Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beispielsweise ist skeptisch. „Die deutsche Wirtschaft hält sich angesichts des schwierigen Umfelds weiterhin gut. Allerdings dürfte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal vorübergehend etwas zurückgehen“, prognostiziert DIW-Experte Guido Baldi.

Wirtschaftsforschern zufolge ist vor allem die deutsche Industrie von den Auswirkungen internationaler Krisen betroffen. Die seit der Pandemie bestehenden Lieferengpässe werden voraussichtlich nicht abgebaut und sorgen für eine anhaltende Verknappung von Zwischenprodukten und Rohstoffen. Der Produktionsverzug in der verarbeitenden Industrie wird nur langsam abgebaut, somit kann der Auftragsverzug nur langsam abgearbeitet werden.

Besser sieht es bei Dienstleistern aus. Die Flexibilität der Schutzmaßnahmen gegen die Krone und das Frühlingsklima belebten Tourismus und Gastronomie. Aus Sicht der Berliner Forscher läuft dieser Erholungsprozess jedoch aus. Zudem wirken sich wirtschaftliche Unsicherheiten und eine hohe Inflation zunehmend auf die Kaufbereitschaft der Menschen aus. Hilfspakete dürften die Inflation nur vorübergehend dämpfen.

Die Verbraucher sind immer noch besorgt

Wie stark sich die Stimmung der Verbraucher derzeit verschlechtert, zeigt das Barometer des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK, das nach dem jüngsten Einbruch für Juni nur eine minimale Entspannung anzeigt. Sie steigt um 0,6 Punkte auf 26,0 Punkte weniger. „Das Konsumklima hat sich also leicht verbessert, aber die Verbraucherstimmung ist immer noch auf einem Allzeittief“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl, dessen Institut im Mai ein Allzeittief gemessen hat. „Trotz größerer Flexibilität bei kronenbedingten Restriktionen belasten der Ukrainekrieg und vor allem die hohe Inflation die Verbraucherstimmung“, betonte Bürkl.

„Eine nachhaltige Wende der Verbraucherstimmung hängt weiterhin von zwei wesentlichen Faktoren ab: Einerseits muss der Ukraine-Konflikt mit erfolgreichen Friedensverhandlungen beendet werden, andererseits muss die Inflation deutlich reduziert werden“, erklärte Bürkl. Bei letzterem wird es vor allem darauf ankommen, dass die Europäische Zentralbank sie mit einer angemessenen Geldpolitik begleitet.

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