27.05.2022 18:51 (27.05.2022 19:42)
Die EU will gemeinsam Impfstoffe kaufen
Angesichts der ungewöhnlichen Ausbreitung der Pocken fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verschiedene Maßnahmen, sieht aber keinen Grund zur Beunruhigung.
„Dies ist keine Krankheit, die die Öffentlichkeit beunruhigen sollte. Es geht nicht um Covid“, sagte die WHO-Expertin Sylvie Briand am Freitag in einem Briefing für die WHO-Mitgliedsländer in Genf. Staaten sollten Patienten jedoch schnell identifizieren und Betroffene isolieren.
Meist glatter Verlauf
Die WHO geht davon aus, dass die meisten Fälle mild verlaufen. Allerdings haben Schwangere, Kinder und Menschen mit schwachem Immunsystem ein höheres Risiko, einen schweren Verlauf zu erleiden. „Wir haben jetzt ein gutes Zeitfenster, um die Übertragung einzustellen“, sagte Briand. Unklar ist allerdings, wie viele Pockenimpfstoffvorräte es gibt, die auch gegen Affenpocken helfen sollen.
Die WHO rechnet mit weiter steigenden Fallzahlen. Monkeypox ist in mehr als 20 Ländern aufgetreten. „Wir wissen nicht, ob wir nur die Spitze des Eisbergs betrachten“, sagte Briand. Nach aktuellem Stand gibt es noch keine eindeutigen Informationen zur Ursache der aktuellen Entwicklung.
Impfstoffe und Medikamente
Die EU arbeitet nun an einem gemeinsamen Einkauf von Impfstoffen und Medikamenten gegen Pocken. Wie eine Sprecherin der Europäischen Kommission am Freitag in Brüssel bestätigte, wurde mit den Mitgliedsstaaten ein breiter Konsens darüber erzielt, dass die neue EU-Behörde zur Prävention von Gesundheitskrisen (Hera) medizinische Linsen so schnell wie möglich abstoßen soll. Das genaue Vorgehen wird in den kommenden Tagen mit den Mitgliedstaaten festgelegt. Gleichzeitig betonte die Sprecherin, dass die Impfung gegen Affenpocken auf ganz bestimmte Fälle beschränkt bleiben würde, da die Übertragbarkeit und das Risiko des Virus nicht mit Covid-19 vergleichbar seien.
Zwölf Fälle in Italien
In Italien stieg die Gesamtzahl der Pockenfälle bei Affen am Freitag auf 12, während ein weiterer Fall noch untersucht wird. Das teilte das Gesundheitsministerium in Rom mit. Das Oberste Institut für Gesundheit in Rom hat eine Expertengruppe eingesetzt, die sich speziell mit den Pocken des Affen befassen wird.
Fall auch in Lateinamerika
Mittlerweile wurden Pocken auch in Lateinamerika nachgewiesen. Das Virus sei bei einem Mann in Argentinien bestätigt worden, teilte das südamerikanische Gesundheitsministerium am Freitag mit. Der Mann aus dem Großraum Buenos Aires war Anfang Mai in Spanien und entwickelte nach seiner Rückkehr nach Argentinien Symptome wie Fieber und Blasen auf der Haut an verschiedenen Körperstellen. Nach einer Untersuchung im Krankenhaus wurde er unter Quarantäne gestellt.
Der Mann hat die erste dokumentierte Pockeninfektion in Lateinamerika. Außerdem gibt es einen neuen Verdachtsfall bei einer Person aus Spanien, die sich derzeit in Argentinien aufhält. Ein weiterer Verdachtsfall wurde aus Bolivien gemeldet. Patientenproben wurden außerdem zum Testen an ein Labor in Argentinien geschickt.