England besteigt zum ersten Mal den Thron

Die Entscheidung in einem ausgeglichenen Endspiel traf „Joker“ Chloe Kelly, die mit einem Eckballstich abschloss und erst ihr zweites Tor für England erzielte (110.). Zuvor hatte die eingewechselte Ella Toone das 1:0 erzielt (62.). Lina Magull erzielte derweil den Ausgleich (79.). Zuvor hatten sich die beiden Mannschaften vor allem in der ersten Halbzeit weitgehend neutralisiert.

Am Ende feierte England nach drei Halbfinalteilnahmen in Folge bei großen Turnieren den ersten Triumph im Frauenfußball. Für die Football Association of England, deren Vorsitzender Prinz William die Trophäe an diesem legendären Ort überreichte, war es erst der zweite Titel im Erwachsenenfußball, nachdem sie 1966 das WM-Finale der Männer in Wembley gegen Deutschland gewonnen hatten Apropos Männer: Noch vor einem Jahr verloren die Männer an gleicher Stelle das EM-Finale gegen Italien im Elfmeterschießen, jetzt haben die Frauen die verlorene Zeit aufgeholt.

Toone schießt zum 1:0 (62. Minute)

Der „Joker“ schlägt zu: Die eingewechselte Ella Toone bringt England in Führung. Mit einem sehenswerten Lupfer trifft er das 1:0.

Großen Anteil daran hatte nicht zuletzt Teammanagerin Sarina Wiegman, der ein Stunt gelang. Die 52-jährige Niederländerin führte ihr eigenes Land, das heutige England, vor fünf Jahren zum EM-Titel. Unter seiner Führung hat die Mannschaft bisher in ihren 20 Spielen nicht verloren.

Reuters/Molly Darlington Homecoming: Löwinnen erringen Englands ersten großen Fußballtitel seit 1966

Würdiger Abschluss in Wembley

Fast nichts Besseres hätte im Turnier passieren können als dieses Finale. Auf der einen Seite die Gastgeberinnen von England, auf der anderen der Rekordmeister von Deutschland – und das im Wembley-Stadion, der Kathedrale des Fußballs in London. „Das wird ein großes Fußballfest“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor dem „Klassiker“. Die Deutschen hatten zuvor acht EM-Endspiele gewonnen, die letzten vor neun Jahren.

Reuters/Peter Cziborra Ein „Klassiker“ als Traumfinale: England gegen Deutschland im Wembley-Stadion

Nach 25 Tagen fand die 13. Europameisterschaft der Frauen ein würdiges Ende. Was mit dem Auftaktspiel zwischen England und Österreich (1:0) im legendären Old Trafford von Manchester vor 68.871 Fans begann, endete auch mit einem Europapokal-Besucherrekord. 87.192 machten sich auf den Weg und sorgten wie in den dreieinhalb Wochen für tolle Stimmung in der Heimat des Fußballs. Am Ende kamen 574.875 Menschen in die Stadien und verdoppelten damit den bisherigen Rekord der EM 2017 (240.055).

Kurzfristiger Ausfall von DFB-Kapitän Popp

Auch aus sportlicher Sicht standen die klar besseren Mannschaften des Turniers im Finale, beide kassierten nur einen Gegentreffer und erzielten 20 bzw. 13 Tore. In England war das eher zu erwarten, die „Löwinnen“ gingen als Favoriten ins Turnier, Deutschland trat nach einigen schwierigen Jahren als gefährlicher Außenseiter an. Mit einem 4:0-Sieg gegen Dänemark gaben sie diese Rolle jedoch früh ab.

Europäische Fußballmeisterschaft

Der Liveticker zum Nachlesen

Bei der Startaufstellung blieben sich beide Trainer treu, allen voran Wiegman. Der 52-Jährige spielte sechs Mal in derselben Elf, was es in der Geschichte der Europameisterschaft weder bei den Männern noch bei den Frauen gegeben hat. Auch Voss-Tecklenburg hätte gerne die gleiche Aufstellung wie im Halbfinale gegen Frankreich eingesetzt, doch ausgerechnet Alexandra Popp musste kurzfristig verletzt zu Bett gehen. Die Kapitänin, die wie Beth Mead vor dem Endspiel sechs Tore bei der EM erzielt hatte, hatte muskuläre Probleme und Lea Schüller kehrte an ihrer Stelle von Beginn an zurück.

Ausgeglichene Anfangsphase

Das Finale, angeführt von der Ukrainerin Kateryna Monsul, begann erwartungsgemäß ausgeglichen. Auch in den Zweikämpfen legten beide Mannschaften ihren Körper gut hin, es gab intensive Zweikämpfe, beide wollten zumindest die gefühlte Dominanz auf dem Spielfeld haben. Natürlich gingen beide Mannschaften kein großes Risiko ein und ein richtiger Spielfluss kam selten vor, sodass es nicht nur zu Beginn zu halben Chancen kam.

Weiß mit der ersten Gelegenheit (3. Minute)

Ellen White bekommt die erste gute Chance des Spiels. Nach einer Flanke von Kirby platzierte er den Ball nicht gut genug im deutschen Tor.

Nach einer Flanke von Fran Kirby köpfte schließlich Ellen White ins Tor, doch für Torhüterin Merle Frohms war es zu harmlos (3a). Stattdessen köpfte Sara Däbritz in der 16. Minute Verteidigerin Lucy Bronze (10.). Letzterer hatte wenige Minuten später noch eine Chance, doch sein Kopfball war zu harmlos (19.). Es war zu einer Zeit, als englische Frauen die Dinge wieder selbst in die Hand genommen hatten.

Anfangs wenig Chancen

Insgesamt blieb es aber eine offene Frage, zumal beide Teams auf den Außenpositionen ihre jeweiligen Waffen im Zaum hielten. „Sie schaffen es, die Stärken der Flügel zu neutralisieren“, urteilte ÖFB-Rekordspielerin und ORF-Expertin Nina Burger. Wie so oft in solchen Situationen entstand eine Chance durch eine Standardsituation, doch Torhüterin Mary Earps setzte sich gegen Marina Hegering durch. Auch Kapitänin Leah Williamson nahm in dieser unübersichtlichen Situation den Ball auf den Arm, was der Video-Schiedsrichterassistent (VAR) jedoch nicht als strafbare Handlung ansah.

Earps spart auf der Leitung (25 Minuten)

Deutschland wird mit einer Ecke gefährlich. Englands Torhüterin Mary Earps gelingt es, den Ball kurz vor der Linie zu kontrollieren.

Die ganz großen Chancen waren in der ersten Halbzeit rar gesät, das Spiel war ballbesitztechnisch ausgeglichen und beide Abwehrreihen zeigten ihre Stärke. Nicht umsonst kassierte er in fünf Spielen nur ein Gegentor. England hätte mit Vorteil in die Pause gehen können, doch die Weißen verfehlten das Tor im Strafraum nach einer Mead-Flanke (38.). Im letzten Drittel wirkten beide Mannschaften noch nicht finalwürdig.

Deutschland geht stark hervor

Nachdem sich die beiden Mannschaften in der ersten Halbzeit mehr oder weniger neutralisiert hatten, lag es an den Trainern. Voss-Tecklenburg wählte den ersten Zug und brachte mit Tabea Wassmuth, die für die blasse Jule Brand ins Spiel kam, den ersten „Joker“. Und das hat sich direkt nach dem Neustart fast ausgezahlt. Der Wolfsburger Stürmer hatte links Platz und zielte zu ungenau vor Earps (48.).

Magulls Chance (50. Minute)

Ein Schuss von Lina Magull verfehlt knapp das englische Tor.

Nur zwei Minuten später hatte Deutschland die nächste Chance: Lina Magull bekam den Ball rund 13 Meter vor dem Tor präsentiert und wollte mit dem „Spitz von Wembley“ glänzen, doch der Ball rollte am Tor vorbei. Wiegman hatte genug gesehen und seinen „Joker“ im Doppelpack aufs Spiel gesetzt. Neben Toone war dies Alessia Russio für Kirby und White. Ich sollte bezahlen.

“Joker” Toone schlägt für England

England konnte sich zunächst aus den Fängen des Gegners befreien und gestaltete erneut das offene Spiel. Doch zuerst stießen Hegering und Mead zusammen, was zu einer mehrminütigen Unterbrechung führte. England spielte nur kurz mit zehn Mann, doch plötzlich reichte es: Keira Walsh hatte Raum und Zeit in der eigenen Hälfte und schickte Toone weg. Der Stürmer entwischte der deutschen Abwehr und legte seine Seele auf Frohms (62.). Jetzt war der Londoner “Kessel” fast vorbei.

Reuters/Dylan Martinez „Toone Time“: Der Stürmer schlug Deutschlands Torhüterin Merle Frohms zum 1:0

Mead, die wie Popp mit sechs Toren Torschützenkönigin der Euro war, kam verletzt vom Feld und hoffte, dass ihre Mannschaftskameradinnen diesen Vorsprung rechtzeitig ausbauen würden. Aber Deutschland hatte noch eine Antwort.

Magull bekommt ein verdientes Unentschieden

Magull konterte im Strafraum von rechts und traf massiv den Pfosten (66.). Der Druck stieg allmählich und das Unentschieden war verdient. Die Deutschen kombinierten erneut über rechts, Wassmuth bediente Magull von fünf und der Bayern-Spieler vollendete die kurze Ecke an Earps vorbei (79.).

Magul gleicht zum 1:1 aus (79. Minute)

Nach einigen vertanen Chancen ist Lina Magull dennoch erfolgreich. Sie trifft zum 1:1 für die Deutschen.

Der Rest der regulären Saison brachte für beide Teams nicht mehr viele Chancen, und für ein „Glück“ reichte es nicht. Es ging in die Verlängerung und dann ging das Spiel wieder in Sicherheit. Beide Mannschaften kamen nah an die Gefahrenzone heran, blieben bisher aber chancenlos. Dies änderte sich nach dem Seitenwechsel wieder.

Kelly setzt „Löwinnen“ auf den Thron

Nach 110 Minuten war es dann soweit und eine Standardsituation entsprach dem Kräfteverhältnis. Nach einer Ecke ging Bronze weit vor das Tor und Kelly verwandelte Frohms zum zweiten Versuch. Er wusste zunächst nicht, ob das Tor zählte, zog dann aber sein Trikot aus und schwenkte es vor Freude in der Luft (110), wohl weil er sich vor einem Jahr einen Kreuzbandriss zugezogen hatte und rechtzeitig für die Heimmannschaft zurückgekehrt war Mannschaft Ich hatte getan

England konnte die zweite Führung nicht übernehmen, Deutschland konnte nur durch die Giulia-Abwehr gehen…

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