Ernährungstrend Nützliches Unkraut: Warum Wildkräuter so gesund sind

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Viele Kräuter und Heilpflanzen in der Natur sind für uns nur „Unkraut“. Löwenzahn, Gicht, Brennnessel und Co. enthalten oft mehr Nährstoffe und Vitamine als Gemüse aus dem Supermarkt.

Autor: Daniel Forrer / Nicole Westenfelder

Spaziergänge durch Wildpflanzen, Kochkurse und Workshops zu deren Bestimmung: Angebote zur Behandlung von Wildpflanzen sprießen wie Unkraut. Für unsere Vorfahren gehörten Wildpflanzen zum Alltag. In der Flasche genauso wie auf dem Teller. Nachdem das Wissen über das angebliche Unkraut im Laufe der Jahre verloren gegangen ist, entwickeln immer mehr Menschen das Bedürfnis, dieses Wissen wiederzugewinnen. Es gibt ein Rennen um die entsprechenden Kurse, sie sind in der Regel abgeschlossen.

Zurück zu den Ursprüngen

Die Ethnobotanikerin Maya Dal Cero untersucht seit vielen Jahren die Beziehung zwischen Pflanzen und Menschen. Aus gesundheitlicher Sicht ist es durchaus sinnvoll, Wildpflanzen wieder auf den Speiseplan zu bringen.

Wildpflanzen enthalten oft ein Vielfaches mehr Mineralstoffe und Vitamine als Supermarktgemüse. Brennnesseln zum Beispiel enthalten siebenmal mehr Vitamin C als Orangen. Aber wenn es um Magnesium, Kalzium, Kalium und Eiweiß geht, ist die Brennnessel eine der nährstoffreichsten Pflanzen überhaupt. Brennnessel gilt in der Naturheilkunde unter anderem als stoffwechselanregend, blutreinigend und harntreibend.

Die Römer aßen gemahlenen Holunder zur Behandlung von Gicht, außerdem enthält er die gleiche Menge an Eiweiß wie grüne Erbsen und viel mehr als der modische Grünkohl. Auch Gänseblümchen übertrifft Grünkohl in Sachen Nährstoffe deutlich.

Die Reaktivierung von Bitterstoffen

Auch viele Wildpflanzen und Gemüsesorten enthalten einen hohen Gehalt an Bitterstoffen. Als Bitterstoffe werden alle Chemikalien bezeichnet, die einen bitteren Geschmack haben. In den letzten Jahrzehnten wurden diese jedoch eliminiert, sodass wir heute Bitterstoffe nicht mehr gewohnt sind.

Eine Reaktivierung von Bitterstoffen wird seit langem beobachtet. „Das Angebot an Bittergemüse hat in den letzten Jahren zugenommen. So sind zum Beispiel Choré Chic, Spinat und Kohl bei den Kunden beliebter“, bestätigt Coop-Händlerin Rebecca Veiga. „Außerdem sehen wir einen klaren Trend zu Getränken mit Bitterstoffen.“

Bitterstoffe in der Medizin

Bitterstoffe spielen seit jeher eine wichtige Rolle in der Medizin. Die Kräuterkundige und Nonne Hildegard von Bingen, die um 1000 n. Chr. lebte, empfahl besonders bittere Kräuter. Im Fokus stand die Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt als Hilfe für eine bessere Verdauung.

Auch die moderne Wissenschaft beschäftigt sich mit diesen Stoffen. Grund für die Reaktivierung täglich verwendeter Bitterstoffe: Vor zehn Jahren wurden Rezeptoren für Bitterstoffe nicht nur in Zunge und Magen-Darm-Trakt entdeckt, sondern auch in Gehirn, Lunge, Herz und Harnwegen. . Auch in der Haut gibt es Rezeptoren, die Bitterstoffe aufnehmen können. Inzwischen wurden 25 verschiedene Rezeptoren für Bitterstoffe lokalisiert.

Seitdem versuchen Forscher, eine mögliche Wirkung von Bitterstoffen auf diese Organe zu finden. Unter anderem wird die Wirkung von Bitterstoffen bei Asthma, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Erkrankungen untersucht. Bisher gibt es einige interessante Anzeichen für positive Effekte. Anwendungen im klinischen Alltag sind jedoch noch in weiter Ferne.

Die Ermittlungen stecken noch in den Kinderschuhen

Reinhard Saller, emeritierter Professor für Naturheilkunde an der Universität Zürich, verweist auf Studien, die zeigen, dass verschiedene Bitterstoffe auch bei Hautkrankheiten eingesetzt werden, „fast nach sehr alten Traditionen“. Bei Psoriasis sind die Erwartungen besonders hoch.

Für ihn ist aber eine andere mögliche Wirkung von Bitterstoffen besonders interessant: die von Depressionen. Und das hat mit der Verdauung zu tun. Bitterstoffe helfen gegen Erkrankungen und Beschwerden des Magen-Darm-Traktes. „Da unser Verdauungssystem einen enormen Einfluss auf unseren gesamten Körper hat, einschließlich unserer Gedanken und Gefühle, können Bitterstoffe eingesetzt werden, um Stimmungen entgegenzuwirken“, sagt Saller.

Die Erforschung der Wirkung von Bitterstoffen ist jedoch eine große Herausforderung. Bitterstoffe sind nicht nur allgemein gesund. Es gilt herauszufinden, welcher der vielen verschiedenen Bitterstoffe auf welchen Bitterstoffrezeptor in welchem ​​Organ wie wirkt. Ein kompliziertes Thema, das noch nicht viele konkrete Schlussfolgerungen gebracht hat.

Entgiftung durch Bitterstoffe?

Bitterpulver, Kapseln und Tee sind im Internet schon lange beliebt. Sie sollen den Heißhunger stoppen und beim Abnehmen helfen.

Auch Wildpflanzen wie Brennnessel und Löwenzahn werden von Anbietern im Frühjahr zur „Entschlackung“ und „Entgiftung“ empfohlen. Diese Begriffe werden jedoch in der Wissenschaft nicht verwendet. Allerdings regen Bitterstoffe in der Leber bestimmte Enzyme an, die extrem fettlösliche Stoffe in eine etwas wasserlöslichere Form umwandeln. So können diese Stoffe besser ausgeschieden werden. Reinhard Saller sieht eine gewisse Wirkung auf die Gesundheit.

Wildpflanzen köstlich zubereiten

Egal ob leere Versprechungen oder wissenschaftlich belegte Vorteile, eines ist klar: Wildpflanzen liegen im Trend. Sowohl in der Küche als auch zu Hause landen Kräuter an der Tür oft auf dem Teller. Die Kräuterkundige Katharina Reichmuth bietet Wildtierwanderungen und Kochkurse an. Lernen Sie alle Tricks für den Umgang mit Wildkräutern in der Küche.

Waschen hält sie nur dann für nötig, wenn sie ein seltenes oder besonders schmackhaftes Kraut entdeckt hat und sich über die Sauberkeit der Sammelstelle nicht sicher ist.

Ein weiterer Tipp von Exterin ist, auf den Mixer zu verzichten, zum Beispiel bei der Zubereitung eines Wildpflanzenpestos. Sie empfiehlt, mit einem Messer zu zerkleinern, weil die Kräuter im Mixer zu saftig sind. Auch mit der Gartemperatur geht es anders um: Wenn Reichmuth ein Blatt in Öl frittiert, tut er das bei unterdurchschnittlicher Hitze. Was viel länger dauert als sonst: sechs Minuten statt zwei.

Nutze die Wildpflanzen selbst

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