Der gescheiterte Kiew-Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (66, SPD) – offenbar gab es hinter den Kulissen noch schwerwiegendere Unruhen als bisher bekannt.
Wieder “ Spiegel„Steinmeier sagte dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (44) im ersten Telefonat nach seinem Rücktritt. Das Magazin schreibt, er habe Selenskyj unvermittelt mit dem Thema konfrontiert und wiederholt um Aufklärung gebeten. Hintergrund.
Im Gespräch vom 5. Mai griff Steinmeier die Ukrainer scharf an: Die Einladung sei eine historische, beispiellose Beleidigung des Staatsoberhauptes eines Verbündeten.
Präsident der Ukraine Wolodymyr Selenskyj
Foto: Aktionspresse
Ein solcher Verstoß gegen diplomatische Gepflogenheiten sei nicht hinnehmbar, Steinmeier soll verärgert gewesen sein: Er hätte gerne eine Erklärung. Der „Spiegel“ stützte sich auf Informationen von Privilegierten.
Als Selenskyj im Gespräch protestierte, nichts von dem Vorgang gewusst zu haben, soll Steinmeier sauer gewesen sein.
“Bitte ersparen Sie sich und mir, jetzt alles lesen zu müssen.”
Offenbar sagte der Bundespräsident, er habe die gesamte Korrespondenz vor sich und bezog sich dabei auf eine diplomatische Note der ukrainischen Regierung vom 12. April, dem Tag der Absage der Reise. Er verwöhnte Selenskyj: “Bitte ersparen Sie sich und mir, das jetzt alles zu lesen.”
Nach erneuter Beschwichtigung durch Selenskyj habe Steinmeier sogar zum dritten Mal nachgefragt, berichtet der „Spiegel“. Der Bundespräsident erhielt daraufhin eine ausweichende Reaktion des Ukrainers, für ihn aber wohl eine gehörig niedergeschlagene. Erst dann gab Steinmeier nach.
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Das Bundespräsidialamt teilte dem Magazin auf Anfrage mit, dass es nicht über vertrauliche Gespräche berichte. Seitdem hat am 30. Juni ein weiteres Telefonat zwischen Steinmeier und Selenskyj stattgefunden, in dem es heißt, die Pläne der Reise des Bundespräsidenten nach Kiew seien besprochen worden.
Ursprünglich wollte Steinmeier mit seinen Kollegen aus Polen und den drei baltischen Staaten Mitte April nach Kiew reisen, was in der Ukraine abgelehnt wurde. Grund: Steinmeiers enge Beziehungen zu Russland in den letzten Jahren.
Januar 2014: Der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow auf der Münchner Sicherheitskonferenz
Foto: Picture Alliance / Photothek
Als Außenminister hatte Steinmeier unter anderem enge Kontakte zum russischen Außenminister Sergej Lawrow (72) gepflegt. Er war auch ein starker Befürworter der umstrittenen und nun abgebrochenen Gaspipeline North Stream 2 und gilt als Architekt der pro-russischen Politik der ehemaligen Bundesregierung unter Altkanzlerin Angela Merkel (67, CDU).
Nach seiner Entlassung erklärte Steinmeier, er wolle nach Kiew reisen, „um ein starkes Zeichen der europäischen Solidarität mit der Ukraine zu setzen. Er war bereit. Aber offensichtlich, das muss ich zugeben, war das in Kiew nicht gewollt.“