Nach der Uraufführung in Mailand wurde Giordanos Werk weltweit aufgeführt und erzielte zumindest respektable Erfolge. Das Libretto stammt von Luigi Illica. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Kurtisane Stephana, die ihrer Liebe Vassili ins sibirische Gefangenenlager folgt. Sie versuchen zu fliehen, werden aber verraten. Giordano gestaltete seine Oper in drei Akten im Verismo-Stil. Faszinierende russische Klänge, von der Zarenhymne bis zum Volkslied der Wolga-Traktoren, fließen in die Musik ein.
Für die Inszenierung der Oper in Bregenz zeichnet der in Moskau geborene Regisseur Vasily Barkhatov verantwortlich. Er führt eine vierte Figur in die Geschichte ein, die sich auf die Kurtisane Stephana konzentriert. Eine ältere Frau, die als Kind von Russland nach Italien ausgewandert ist, begibt sich in den 1990er Jahren auf eine Reise in ihre Heimat, auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und dem Grab ihrer Eltern. Sie rekonstruiere die Ereignisse, die sie in ein ehemaliges Gefangenenlager geführt hätten, wie eine Archäologin, sagt Barkhatov.
Fotografische Serie mit 17 Bildern
Für Barkhatov zeichnete Giordano ein sehr persönliches und künstlerisch naives Bild von Russland. Es erklärt eine Zeitebene über Filmausschnitte, vergangene Ereignisse darüber, was auf der Bühne passiert. Regisseurin Elisabeth Sobotka sagte, sie sei fasziniert von der Art und Weise, wie Barkhatov es erklären wollte. „Alles scheint sich künstlerisch sinnvoll zusammenzufügen. Ich freue mich schon auf die Premiere“, erklärte er. „Die Spannung zwischen dieser naiven Musik und dem wirklich derben Text – es ist fast Dostojewski – die auf besondere Weise aufgelöst wird, das macht die Wirkung aus“, sagt Sobotka über das Stück.
„Sibirien“ ist eine „sehr italienische Oper“
Für Musikdirektor Valentin Uryupin ist “Siberia” trotz der Kulisse eine “sehr italienische Oper, vielleicht die italienischste Oper, die ich kenne”, obwohl es viele Andeutungen und russische Elemente gibt. Er sprach von einer faszinierenden Reise, die dem Orchester viel abverlangt, auch den Wiener Symphonikern. Die beiden Hauptproduktionen der Bregenzer Festspiele drehen sich übrigens nicht nur um Kurtisanen, sondern sind auch historisch miteinander verbunden: 1903 zeigte die Mailänder Scala statt der uraufgeführten „Madame Butterfly“ das Werk in drei Akten von Giordano.
Mike Vilchuk Regisseur Vasily Barkhatov
Alt Barkhatov in Vorarlberg
Für die Inszenierung der Oper zeichnet der in Moskau geborene Regisseur Vasily Barkhatov verantwortlich. Er arbeitet erstmals in Bregenz. Am Regiepult steht sein Landsmann Valentin Uryupin, der vor zwei Jahren die Bregenzer Hausoper (“Eugen Onegin”) dirigierte. Christian Schmidt entwarf das Bühnenbild und Nicole von Graevenitz entwarf die Kostüme.