– Geflüchteter Professor aus der Ukraine poliert Besteck im WEF
Kateryna Hryshko bemerkt die Aufregung beim Weltwirtschaftsforum nicht. Er arbeitet in einer Hotelküche. Dennoch hat die junge Frau klare Wünsche an die WEF-Elite.
Gepostet: 24.05.2022, 17:53
Die junge Ukrainerin Kateryna Hyrshko bei der Arbeit im Hilton Hotel in Davos.
Foto: Marcel Giger
Kateryna Hryshko wäre gerne dabei gewesen, als sich Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko am Montag vor dem World Economic Forum (WEF) im Rathaus von Davos mit Flüchtlingsfamilien traf. „Ich wollte ihm einfach für seine Arbeit danken“, sagt er. Doch der 32-Jährige, der Anfang März vor dem Krieg in der Ukraine geflohen war, konnte nicht dabei sein. Ich musste arbeiten.
Sie, die in ihrem Haus in Charkiw in der Ostukraine als Lehrerin für ukrainische Literatur arbeitete, hat im Hilton Hotel in Davos Arbeit gefunden. Unter anderem polierte er das Besteck für erstklassige Gäste. “Es ist nur ein Fünf-Tage-Job und besser als nichts zu tun”, sagt sie und reibt mit den Händen über das Band des Hotels.
Tagelang im Bunker
Der Krieg in der Ukraine ist eines der Hauptthemen des diesjährigen WEF. Während die Klitschko-Brüder und Präsident Wolodymyr Selensky auf den WEF-Bühnen über die Schrecken des Krieges berichten und im Rampenlicht stehen, bekommt Kateryna Hryshko vom Trubel in der Hotelküche kaum etwas mit.
Doch die junge Frau kann auch Schlimmes berichten, denn sie musste eine Woche bei ihrer Mutter im Kältebunker verbringen. „Tagsüber gehen wir in die Wohnung, um zu duschen“, sagt er.
Bild von den Nächten, die Kateryna Hryshko mit ihrer Mutter im Bunker verbracht hat.
Foto: Kateryna Hryshko
Und was denkt ein ukrainischer Flüchtling über die Aufregung des WEF? Seine Wünsche stimmen mit denen seines Präsidenten Selenskyj überein. „Ich hoffe, dass es Hilfe von der Gemeinde gibt und dass Unternehmen in der Ukraine investieren“, sagte er. Auch ihre Familie verlor viel, das Haus ihrer Schwester wurde komplett zerstört. „Alles, wovon ich leben muss, ist in einer Tasche“, sagt die junge Frau.
“Ich fühle mich immer noch nicht sicher.”
Kateryna Hryshko
Als der Krieg ausbrach, floh er mit seinen Eltern zunächst ins Landesinnere. Er lebte mit fünf Personen in einem 15 Quadratmeter großen Zimmer. Aber auch da war er sich nicht sicher. Also beschloss er, seine Heimat zu verlassen. „Meine ältere Schwester lebt seit Dezember letzten Jahres mit ihrem Mann in Davos“, erzählt sie. Ihre Wohnung ist auch nicht groß, aber sie würden damit durchkommen.
“Aber ich fühle mich trotzdem nicht sicher”, sagt Kateryna Hryshko und klebt die Schleife noch einmal an ihr Abzeichen. Nachts träumt sie immer noch davon, dass sie bombardiert wird. “Meine Eltern sind noch in der Ukraine und leben jetzt bei einer Tante nahe der Grenze zu Weißrussland.” Seine Partnerin ist noch im Land.
Wie es weitergeht, weiß er noch nicht. Sie hat jetzt S-Status, kann aber in der Schweiz nicht als Lehrerin arbeiten, weil sie kein Deutsch spricht. Und er will wirklich nicht Deutsch lernen. „Ich hoffe, er braucht es gar nicht und kann bald nach Hause kommen“, sagt er offen. Aber niemand kann ihm sagen, wie lange der Krieg in seiner Heimat dauern wird.
Können wir das tun? Oder ändert es Ihre Stimmung? Tamedias Podium zu ukrainischen Flüchtlingen
Bild: Sabina Bobst
Russlands Angriffskrieg in der Ukraine steht vor der schlimmsten Flüchtlingskrise in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Mehr als fünf Millionen Menschen mussten ihr Land verlassen, Zehntausende flohen in die Schweiz. Die Hilfsbereitschaft der Schweizerinnen und Schweizer ist enorm. Aber Schlagzeilen wie „Wissen die Schulen, was sie erwartet?“ Oder: „Die Politik will den Einlass beschränken.“
Ändert sich die Stimmung? Inwiefern fordert die Flüchtlingskrise unsere Gesellschaft und unsere Politik heraus? Wo liegen die Chancen, wo die Gefahren?
Sprechen:
Elena Chepurenko, die mit ihrer 80-jährigen Tochter und Mutter aus Kiew geflohen ist.
Alfred Heer, SVP-Nationalrat für Zürich und Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.
Gerald Knaus, Migrationsexperte, Gründer der Denkfabrik „European Stability Initiative“ und Ideengeber für das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei.
Anja Klug, Leiterin des UNHCR-Büros für die Schweiz und Liechtenstein.
Dienstag, 31. Mai 2022, Kaufleuten Zürich, Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr
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Holger Alich ist stellvertretender Leiter der kaufmännischen Abteilung. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bankenwesen und in der pharmazeutischen Industrie. Zuvor war der Ökonom als Korrespondent für das deutsche Handelsblatt in Paris und Zürich tätig. Den journalistischen Beruf erlernte er an der Kölner Journalistenschule.
Weitere Informationen @ Holger_AlichGepostet: 24.05.2022, 17:53
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