Flugabwehrsystem Iris-T: Baerbock senkt die Erwartung einer schnellen Lieferung

Das Luftverteidigungssystem Iris-T von Baerbock senkt die Erwartung einer schnellen Lieferung

01.06.2022, 16:18

Deutschland sehe Städte in der Ostukraine von Kreml-Truppen “aus sicherer Entfernung” zerstört werden, sagt Außenminister Baerbock. Zur effektiven Verteidigung liefert die Bundesregierung das Luftverteidigungssystem Iris-T, aber nicht sofort.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat mehr deutsche Unterstützung für die Ukraine gefordert, vor allem durch mehr Waffenlieferungen. Er warf Russland angesichts des brutalen Vorgehens im Donbass in der Ostukraine eine „neue Vernichtungswelle“ und eine „Entvölkerungsstrategie“ vor. Deshalb sollten wir nicht wegschauen, sondern „die Menschen in der Ukraine verteidigen, so gut wir können“, sagte Baerbock in der Haushaltsdebatte im Bundestag.

Im Hinblick auf Waffenlieferungen verwies er auf die von Bundeskanzler Olaf Scholz angekündigte Übergabe des Luftabwehrsystems Iris-T in der Ukraine. Dies „wird jedoch Monate dauern“, räumte er ein. Demzufolge soll das System des Rüstungskonzerns Diehl “in ein anderes Land gehen”. Auf Wunsch der Bundesregierung wird es nun in die Ukraine geliefert. Wie aus den Ampelkreisen hervorgeht, handelt es sich konkret um das Luftverteidigungssystem Iris-T-SLM. Dabei handelt es sich um ein bodengestütztes Flugabwehrsystem, das bereits nach Ägypten geliefert wurde.

“Wir sehen den Donbass als eine Stadt nach der anderen, die von russischen Truppen aus sicherer Entfernung verwüstet wird”, sagte der Grünen-Politiker und warb für ständige militärische Hilfe. „Daumen drücken“ reicht hier nicht aus. “Deutschland übernimmt Verantwortung für die Außenpolitik”, sagte er. “Unsere Partner können uns vertrauen.”

Baerbock spricht von „Krieg der Großen“

Die militärische Unterstützung in der Ukraine müsse durch mehr humanitäre Hilfe ergänzt werden, sagte Baerbock. Daher wurden die Mittel dafür im Haushalt des Auswärtigen Amtes deutlich aufgestockt. Das Geld soll aber nicht nur in die Ukraine fließen, sondern auch in andere Länder, die unter den Folgen des Krieges leiden würden, etwa durch den Ausfall von Getreidelieferungen. Baerbock sprach von einem „Getreidekrieg“, den Russland hier führe. Konkret nannte er wie andere Gastländer die Staaten der Sahelzone, den Jemen und Afghanistan. Er versprach der Ukraine auch eine “europäische Perspektive”.

In der außenpolitischen Debatte lobte der CDU-Politiker Johann Wadephul Baerbock für seine immer wieder deutlichen Äußerungen „auch in Kiew“, griff gleichzeitig aber Bundeskanzler Olaf Scholz scharf an. Angesichts der Verzögerungen bei der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine warf er Scholz „keine Hilfeleistung und Verstoß gegen die Beschlüsse des Bundestags“ vor. Deutschland ist dank Scholz von einer Führungsnation zu einem “Sorgenkind” geworden.

Der FDP-Politiker Michael Link forderte eine klare EU-Beitrittsperspektive für die Ukraine. Nils Schmidt von der SPD plädierte dafür, neben der militärischen Abschreckung „auch die Prävention ziviler Krisen zu stärken“. Linke und AfD wandten sich erneut gegen Waffenlieferungen an die Ukraine. Der linke Außenpolitiker Gregor Gysi griff Baerbock unverblümt an: „Das Außenministerium könnte in Ministerium für Rüstung, Waffenexporte und Sanktionen umbenannt werden“, sagte er in der Debatte. „Waffenlieferungen an die Ukraine sind nicht im deutschen Interesse“, sagte der AfD-Politiker Michael Espendiller.

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