Kostendebatte – Gesundheitswesen: “Interessengruppen waren erfolglos”

Die Krankenkassenprämien dürften weniger stark steigen. Dazu billigte der Nationalrat einen indirekten Gegenvorschlag zur “Sparinitiative” der Mitte-Partei. Konkret soll der Bundesrat Kosten- und Qualitätsziele festlegen. Auch die Medien sagten Ja zum Gegenvorschlag. Was das für die Initiative bedeutet, sagt Zentrumspräsident Gerhard Pfister im Interview.

Gerhard Pfister

Präsident der CVP

Öffnen Sie das Personenfeld. Schließen Sie das Personenfeld

Pfister ist seit 2016 Präsident der Christlichen Volkspartei Schweiz. Nach den Wahlen 2019 begann er mit der Reform seiner Partei, der Umbenennung und dem Zusammenschluss mit der BDP. Seit Januar 2021 heisst die Partei Die Mitte Schweiz, deren Präsident er bleibt. Seit 2003 ist er Nationalrat des Kantons Zug.

SRF News: Wenn der Gegenvorschlag gleich bleibt, ziehen Sie Ihre Initiative zurück?

Gerhard Pfister: Mal sehen, wann der Gegenvorschlag vom Staatsrat angenommen wird. Die Interessengruppen haben heute hart gearbeitet, aber sie waren nicht erfolgreich. Wir freuen uns auf ihren Erfolg im Ständerat.

Sie haben das Parlament für seine Lobbyarbeit beim Selbstbedienungsladen “Gesundheit” kritisiert. Aber Abgeordnete Ihrer Fraktion sind fleißig dabei: Viele haben bezahlte Mandate, zum Beispiel von Krankenkassen.

Ja, und ich hoffe, dass meine Fraktionsmitglieder hier für die Partei stimmen. Dass sie die Interessen des Volkes über die Interessen ihres Mandats stellen, und das haben sie heute getan.

Von den acht Mitgliedern der Mittelgruppe der Gesundheitskommissionen haben sieben zum Teil sehr wichtige Mandate im Gesundheitsbereich. Können sie wirklich selbstständig entscheiden?

Sie haben sie heute. Und ich hoffe auch, dass die Ständeräte zugunsten des Volkes und nicht zugunsten seiner Mandate entscheiden werden.

Wir haben ein Problem im Gesundheitssystem mit dem großen Einfluss von Interessengruppen, mit Mandaten.

Sie sind auch daran interessiert, die Gesundheitskosten zu senken.

Hätten Sie es heute getan, sagen Sie, und sonst?

Wir haben ein Problem im Gesundheitssystem mit dem großen Einfluss von Interessengruppen, mit Mandaten. Deshalb ist diese Initiative dringend nötig, weil sie diese Blockade der gemeinsamen Interessen ein Stück weit aufbricht.

Ihre Initiative schreibt nichts vor. Er sagt nur, dass etwas getan werden muss, wenn die Kosten zu stark steigen. Aber nicht was.

Was Sie tun müssen, ist längst bekannt. Nur tut es niemand. Da ist der Diener-Bericht, der vierzig Maßnahmen auflistet, die ergriffen werden könnten, um die Kosten zu senken.

Alle sagen, man muss sparen, aber nicht bei uns, nur bei anderen. Nichts dergleichen passiert.

Fast keiner von ihnen wurde implementiert. Und unsere Initiative möchte, dass Sie nur das umsetzen, was Sie bereits wissen.

Warum also nicht mit diesen Inhalten eine Volksinitiative starten?

Denn dann wären die Interessengruppen und ihre gegensätzlichen Interessen wieder kompensiert worden. Das ist eines der größten Probleme im Gesundheitswesen: Alle sagen, wir müssen sparen, aber nicht bei uns, nur bei anderen. Nichts dergleichen passiert.

Warum sollte es bei Ihrer Initiative anders sein? Der Bundesrat soll Vorschläge machen. Dieselben Mechanismen spielen dann im Parlament eine Rolle.

Mit dieser Initiative haben wir bereits ein Wespennest aufgestochen.

Ja, aber im Gegenvorschlag ist bereits ein konkreter Vorschlag enthalten. Das heißt, die Kostenziele. Alle haben gekämpft. Daher ist es richtig, dass es geschrieben wird.

Haben Sie auch in Eigeninitiative versucht, die Unzufriedenheit mit der Erhöhung der Krankenkassenprämien vor der Wahl ohne konkrete Maßnahmen anzugehen?

Mit dieser Initiative haben wir bereits ein Wespennest aufgestochen. Alle haben gekämpft. Alle sagten, es brauche keinen Gegenvorschlag. Wir haben ihn noch erreicht. Wir scheuen diese Diskussion nicht. Sie wissen genau, was zu tun ist. Was zählt, ist, dass wir heute vielleicht einen Schritt näher gekommen sind.

Das Interview führte Nathalie Christen.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *