Nach Polizeiangaben wurden am Samstag im Zusammenhang mit der Großdemonstration beim G7-Gipfel in München neun Personen festgenommen. In drei Fällen ging es um gefährliche Körperverletzung und Verstöße gegen das Maskentrageverbot bei Versammlungen, in zwei Fällen um Angriffe auf Polizisten, teilte die Polizei nach Abschluss der Abschlusskundgebung mit.
Eine erneute Festnahme einer polizeilich gesuchten Person gegen Ende des Protestmarsches hatte eine kurze Auseinandersetzung mit den Demonstranten ausgelöst. Dem Bericht zufolge wurden zwei Beamte leicht verletzt. Auch Polizisten setzten Schlagstöcke ein. Kurz zuvor hatten Demonstranten mehrere Rauchtöpfe angezündet. In diesem Zusammenhang sagte die Polizei, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz würden nun untersucht.
Eine Sprecherin des Protestbündnisses „Stop G7 Elmau“ verurteilte am Samstag „das gewalttätige Vorgehen der Polizei“. Mehrere Personen wurden von Beamten verletzt. “Die Polizeiaktion war ungerechtfertigt, aber nicht überraschend.”
Zu der Demonstration kamen viel weniger Menschen als erwartet. Mehr als zwei Stunden nach Beginn der Veranstaltung zählte die Polizei etwa 4000 Teilnehmer, die Organisatoren sprachen zu diesem Zeitpunkt von 6000 Demonstranten. Zunächst wurden mindestens 20.000 Menschen erwartet.
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Eine Sprecherin der Veranstalter sagte, der Grund für die geringe Wahlbeteiligung könne noch nicht abgeschätzt werden. Mehrere Aktivisten, die quer durch Deutschland zu der Demonstration gereist waren, äußerten sich enttäuscht über die Resonanz.
Aktivisten sind von der geringen Teilnehmerzahl enttäuscht
Auch der Organisator der Rallye, Uwe Hiksch von Friends of Nature, sagte, sie sei weit unter unseren Erwartungen. Es war jedoch anderthalb Wochen her, dass die Mobilisierung so stark war. „Wir haben den Eindruck, dass sich viele Menschen Sorgen um den Krieg in der Ukraine machen“, sagte Hiksch.
Gerade im rot-grünen Spektrum, das normalerweise für Demonstrationen mobilisiert wird, gibt es derzeit viele Menschen, die sagen: “Jetzt ist nicht die Zeit, sich gegen Regierungschefs zu stellen.”
15 Anti-Globalisierungsverbände von Attac bis zur Umweltorganisation WWF hatten zu der Demonstration in München aufgerufen. Die Konzentration hat vier Achsen: den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, den Erhalt der Tier- und Pflanzenvielfalt, soziale Gerechtigkeit auf dem Planeten und die Bekämpfung des Hungers.
Kritiker der G7 haben sich auf der Theresienwiese versammelt, um für besseren Klima- und Artenschutz sowie gegen Hunger und Armut zu demonstrieren
Quelle: dpa/Sven Hoppe
„Klimakrise, Artensterben, Ungleichheit: Die G-7-Staaten sind dafür verantwortlich, dass die weltweiten sozialen und ökologischen Krisen immer dramatischer werden. Hör auf. Die Messe ist anders“, sagte er im Teilnahmeaufruf.
Diese Demonstranten in München trugen Masken mit den Gesichtern der G-7-Führer
Bildnachweis: AFP / CHRISTOF STACHE
Weniger Teilnehmer als erwartet: die Großdemonstration der G-7 in der Münchener Innenstadt
Bildnachweis: AFP / CHRISTOF STACHE
Geschäfte und Restaurants in der Nähe
Aufgrund des G-7-Gipfels schließen viele Geschäfte und Restaurants in Garmisch-Partenkirchen. Einige Lokale hatten bereits am Samstag, einen Tag vor Beginn des Gipfels, geschlossen und ihre Außenbereiche abgesperrt. In vielen Geschäften und auch in einer Bankfiliale hingen Aushänge mit dem Hinweis auf Schließungen für die Zeit des Gipfels, die von Sonntag auf Dienstag verlängert werden soll.
Anders als beim letzten G-7-Treffen vor sieben Jahren gab es zunächst keine großen Barrieren oder Barrikaden. Viele Anwohner waren 2015 besonders besorgt über die bunten sogenannten Lüftlmalereien an den Fassaden ihrer Häuser. „Diesmal vertrauen wir der Polizei“, sagte der Besitzer eines Souvenirladens. Ein auf Oldtimer spezialisiertes Auktionshaus führte jedoch schwerere Artillerie. Container wurden davor gestellt, um die alten Autos zu schützen.
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An 20 Stellen überprüft die bayerische Polizei derweil Zufahrtsstraßen rund um Garmisch-Partenkirchen. „Es geht darum, den nationalen Verkehr zu filtern, damit der Verkehr hier weiter funktioniert“, sagte die bayerische Polizeisprecherin Carolin Englert auf dem G7-Gipfel.
Der Lieferverkehr dürfte passieren, Touristen mit Reservierungen in der Umgebung oder Besucher mit privaten Zielen, aber andere Fahrzeuge könnten zurückgefahren werden. Auf der Straße sind viele Rettungsdienste unterwegs, sodass der überregionale Verkehr umgeleitet werden muss.
Wasserwerfer der Polizei werden zur Tankstelle bei Elmau
Quelle: AP / Michael Probst
Wie schon 2015 findet der G-7-Gipfel auf Schloss Elmau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen statt. Vom 26. bis 28. Juni treffen sich dort die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten westlichen Industrieländer und einiger Gastländer.
Zur Gruppe der G-7 gehören neben Deutschland die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Rund um den Gipfel sind insgesamt etwa 18.000 Polizisten im Einsatz.