Garmisch-Partenkirchen: Der Bartgeier Wally ist tot

Vor ein paar Tagen hat der GPS-Sender ein letztes Signal gesendet, später, wie Toni Wegscheider sagt. Denn die übermittelten Daten stammten vom 16. Wally muss an diesem Tag die Talneigung dort oben im Zugspitzmassiv verändert haben. Dem neusten GPS-Signal am 15. April traute Wegscheider jedoch nicht mehr. Der Bartgeier-Experte vom Landesverband für Vogelschutz hatte abgewartet und war fest davon überzeugt, dass Wally einfach seinen Sender verloren hatte und nun ohne ihn über die Berge ziehen würde.

Doch seit dem Wochenende sind sich die Leiter des Wegscheider-Projekts, der LGW und des Nationalparks Berchtesgaden, wo Wally vor einem Jahr uraufgeführt wurde, sicher. Der Ring, der Emitter, die großen Federn und auch die Knochen, die am Samstag im zerklüfteten Gelände des Naturschutzgebiets gefunden wurden, gehören eindeutig Wally. Wie das junge Geierweibchen starb, ist noch unklar.

Denn auch Wally, der seinen Namen im vergangenen Jahr von SZ-Lesern erhalten hat, war nach den neuesten Daten seines GPS-Senders vital und gesund. Wegscheider und Kollegen konnten oft Daten von Beschleunigungsmessern und Temperatursensoren verwenden, um zu verstehen, was Wally tat, ob er flog, sich duckte oder nach Leichen und Knochen griff, die Bartgeier als Nahrung verwenden.

Wally sei bis zum Schluss “in bester Verfassung” gewesen, sagt Biologe Wegscheider, der sie vier Tage vor ihrer Ankunft im Salzburger Bluntautal jenseits der Nationalparkgrenze selbst gesehen hat. “Sie flog und zirkulierte sehr gut und sah perfekt fit aus.” Auch Wally suchte Wegscheider selbst auf, nachdem der Sender dieselben Koordinaten nur vom Reintal ins Wettersteingebirge bei Garmisch-Partenkirchen übermittelt hatte.

Die LBV-Ausrüstung war mindestens acht Mal in steilem Gelände, seilte sich manchmal von Felswänden ab und verwendete manuelle Antennen, um den Standort des Senders genauer zu lokalisieren, und zu diesem Zeitpunkt auf der rechten Seite des Tals. Wegscheider selbst war viermal auf der Jagd und hat sich zuletzt am Knie verletzt. Nach einer Schlechtwetterpause war es am Samstag endlich ein Bergführer und ein weiterer kletterbegeisterter Biologe der LGW, die in einer steilen Felsschlucht des Mauerschartenkopfes auf 1500 Metern die Überreste von Wally bergen.

Der Tod eines solchen Vogels lässt einen nicht kalt

Genauso unklar wie die Todesursache ist derzeit, ob diese jemals ermittelt werden kann. Ein spezialisiertes Institut in München untersucht derzeit die Überreste des Tieres. Wegscheider geht vorerst davon aus, dass Wally eines natürlichen Todes gestorben ist. Denn wenn sie nicht selbst dort hinaufgekraxelt wären, um Wally bzw. nur seinen Sender zu finden, wäre „in hundert Jahren kein einziger Mensch dort hingekommen“ an jenem Kanal oberhalb des Reintals. Wegscheider sagt, er wolle nicht spekulieren, aber dass beispielsweise Geier in Lawinen oder Steinschlägen gestorben seien, sei ebenso passiert wie ein tödlicher Viperbiss oder ein letzter Hundekampf mit einem Adler.

Wegscheider beringte und markierte Wally und nahm vor einem Jahr eines der Tiere mit auf den Weg zur Felsennische über dem Klausbachtal im Nationalpark. Dort wurden Wally und ihre Cousine, von Berchtesgadener Studenten „Bavaria“ genannt, als erste Geier in Deutschland ausgewildert. Fast ein Jahr lang war es früh morgens und zuletzt abends, um die Daten des Senders der beiden Geier zu überprüfen. Der Tod eines Vogels lasse sie nicht kalt, sagt Wegscheider.

Aufgrund seiner Medienpräsenz und seiner Fangemeinde im ganzen Land war Wally „äußerst hoffnungsvoll“, als es um die Wiedereinführung von Geiern ging, die vor mehr als 140 Jahren in Deutschland ausgerottet wurden. Technisch gesehen ist sein Tod “ein Missgeschick”, aber nichts, was das ganze Projekt gefährdet. Dass ein Tier sterben würde, war auf jeden Fall zu erwarten, “aber es ist klar, dass es bitter ist, dass es so schnell passiert ist.” Aber wenn es passiert, betrifft es oft junge Tiere wie die 13 Monate alte Wally. Außerhalb des Waldes können Bartgeier in freier Wildbahn über 30 Jahre alt werden.

„Aufforstungsprojekte müssen langfristig angelegt sein“

„Während neun von zehn Jungvögeln im internationalen Wiederansiedlungsprogramm das erste Jahr überleben, kann nicht ausgeschlossen werden, dass etwas passiert, nicht einmal vorhergesagt werden“, sagt Ulrich Brendel, der das Bartgeierprojekt im Auftrag des Bundes leitet Park. „Wallys Schicksal unterstreicht die Notwendigkeit langfristiger Wiederansiedlungsprojekte“, sagt Brendel. Der Leiter der LGW, Norbert Schäffer, bestätigt, „dass wir dieses Projekt nicht als Sprint, sondern als zehnjährigen Marathon angelegt haben“.

Denn die Bayern, die derzeit zurück in die Berchtesgadener Berge reisen, werden in der kommenden Woche voraussichtlich von zwei Konkreten begleitet. Dann müssten zwei weitere Jungtiere aus der spanischen Zuchtstation in die Felsnische über dem Klausbachtal umziehen und langsam fliegen lernen. Eines dieser Tiere wird Wallys Schwester sein, das andere eine Cousine aus Bayern. Die beiden werden vorerst noch BG 1143 und BG 1145 heißen. Der Bartgeier 1144 passt genetisch nicht ins Konzept und soll sein Erbgut anderswo in den Alpen weitergeben.

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