Gewessler spricht erstmals über den Gas-Notfallplan

Was, wenn Wladimir Putin den Gashahn zudreht? Energieministerin Leonore Gewessler lässt uns erstmals einen Blick in die Briefe werfen.

Inflation, Klimakrise, Krieg in Europa und Energiekrise sind schwierige und herausfordernde Zeiten, auch für die Politik. Umweltministerin Leonore Gewessler hat nun auf der ORF-Pressekonferenz über weitere Hilfsmaßnahmen gesprochen. Im Moment ist die CO²-Steuer vom Tisch.

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Die Bundesregierung hat bereits zwei Anti-Inflationspakete verabschiedet, ein drittes wird derzeit verhandelt. Wie genau das sein wird, wollte der Umweltminister nicht verraten, einige Details wurden aber bereits öffentlich gemacht.

Die CO²-Steuer wird derzeit gestundet

„Wir sind in intensiven Verhandlungen und wollen diese bald abschließen“, sagte Gewessler im Gespräch mit ORF-Redakteur Matthias Westhof und APA-Journalistin Susanne Puller. Während Gewessler im Fernsehen auftrat, verhandelte Sozialminister Johannes Rauch bereits mit seinem Koalitionspartner über das neue Hilfspaket. Fest steht jedenfalls, dass dazu die Stundung der CO²-Steuer gehört. Das wichtige Prestigeprojekt der Grünen tritt daher erst im Oktober in Kraft. Der Umweltminister verteidigte den Schritt und sprach von einer Harmonisierung der CO²-Steuer und des Klimabonus.

Das jetzt gesteigerte gute Klima ist auch eine ganz klare Maßnahme gegen die Inflation, wonach jeder Österreicher 250 Euro erhält, unabhängig von seinem Einkommen und Vermögen. Die bisherige Planung, die Bonushöhe an den Wohnort zu koppeln, wurde verworfen. Gewessler hat in diesem Zusammenhang von einer „Huckepack-Aktion“ gesprochen, die alle erreichen solle. Dass die Grünen im Gegenzug für die Verschiebung des CO-Preises jetzt eine Vermögenssteuer forcieren, stimme laut dem künftigen Parteivize nicht: „Jetzt geht es darum, die Menschen strukturell zu entlasten, das hat das Höchste Priorität .

“Gasheizungen brauchen eine Plakette”

Die Ministerin machte ihre Ambitionen, ihre Abhängigkeit von russischem Gas endlich zu beenden, besonders in den Fokus ihrer Äußerungen. Russland sei “kein verlässlicher Partner mehr”, sagte der Öko-Politiker. Daher ist das Erneuerbare-Wärme-Gesetz, das Gasheizungen in Neubauwohnungen ab 2023 verbietet, besonders wichtig. „Eigentlich sollte jede Gasheizung einen Aufkleber mit der Aufschrift ‚Warnung führt zur Abhängigkeit von Wladimir Putin‘ haben“, sagte Gewessler. Die Bundesregierung würde die Umstellung auch für Geringverdiener voll finanzieren.

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Vorerst beziehe Österreich aber noch Gas von den Kriegsparteien, was auch wichtig sei, um die Lager für den Winter zu füllen, sagte der Grünen-Politiker. Doch neuerdings befürchtet die Branche einen kompletten Lieferstopp, weshalb Gewessler einen Notfallplan fordert. Wie das genau im ORF aussah, wollte der Minister aber auch nicht verraten. Für sie ist jedoch „Brot vor Stahl“ klar: Lebensmittelkonzerne, Krankenhäuser und Heizungsunternehmen hätten demnach bei einem Gasausfall Vorrang. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr, der kürzlich vor einem „Gaschaschaos“ warnte, wenn es keinen klaren Plan gebe, widersprach Gewessler. Die Offenlegung der konkreten Prioritätenliste würde die wirtschaftliche Stabilität einiger börsennotierter Unternehmen gefährden, sagte der Minister.

Neben der Suche nach Alternativen zu russischem Gas wird Gewessler in den kommenden Wochen und Monaten auch die Ausarbeitung und Verabschiedung des versprochenen Klimaschutzgesetzes übernehmen müssen. Daran arbeite er derzeit „unter Hochdruck“. Die aktuelle Inflationssituation verlange aber auch von der Bundesregierung, “alle Befürchtungen zu zerstreuen”. Im Bereich Umweltschutz plant Österreich jedoch, ab 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen, die EU hatte einen entsprechenden Schritt fünf Jahre später geplant. Gewessler ist jedoch davon überzeugt, dass man hierzulande „schneller sein kann“.

Vier Milliarden Euro für den Schienenverkehr

Als Alternative zum Auto soll weiterhin der Schienenverkehr genutzt werden. Auch überfüllte und überfüllte Züge wie zuletzt sollen der Vergangenheit angehören. Der Bund investiert in den kommenden Jahren bis zu vier Milliarden Euro in den Auf- und Ausbau der Schieneninfrastruktur.

Nav-Compte TK Zeit12.06.2022, 13:24 | Akt: 12.06.2022, 13:24

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