Glamour auf der Bühne

12. Juli 2022 um 7:52 Uhr

Schriftsteller Franzobel hat Molières Komödie „Tartuffe oder der Betrüger“ für das Lustspielhaus in Wien neu bearbeitet. Das Bühnenstück aus dem 17. Jahrhundert heißt “Trüffel oder ich glaube, was ich will!” und es hat eine überraschende Aktualität, auch wenn die heutigen Akteure aus anderen Machtzentren kommen. Molière hatte damals auf einen kalkulativ heuchlerischen und manipulativ korrupten Klerus angespielt. Franzobel sieht sich zwar mit ähnlichen Machenschaften konfrontiert, allerdings auf der politischen Bühne. Die ursprüngliche Trüffel wurde erstmals 1664 in Anwesenheit des Sonnenkönigs im Schloss von Versailles aufgeführt. Die geradezu drastische Kritik an religiöser Heuchelei sorgte für einen Skandal, der zum Verbot des Werkes führte, sowie zu einer wohl nicht ausreichend deaktivierten zweiten Version. Erst die dritte habe 1669 die Zensur bestanden und sei als einzige bekannte Version noch schlimm genug, sagt Franzobel. Seine Behandlung befasst sich mit falschen Nachrichten, kleinen Lügen, großen Lieben und gültigen Wahrheiten, die aufgrund der Informationsüberflutung im Internet schwer zu erkennen sind. Gestaltung: Ursula Mürling-Darrer

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