Kommentar zum Fall Köppel: Jetzt denken Sie bitte nach, Herr Köppel!

“Bitte denken Sie jetzt nach, Herr Köppel!”

Der SVP-Politiker und Journalist Roger Köppel behält seine parlamentarische Immunität. Das ist okay. Trotzdem hoffen wir, dass Sie etwas lernen.

Gepostet: 30.06.2022, 19:47

SVP-Nationalrat Roger Köppel vor der Anhörung in der nationalrätlichen Immunitätskommission im Mai.

Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Roger Köppel hinter Gittern? Für einen Moment schien alles möglich. Der SVP-Nationalrat hatte eine Beschwerde wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses erhalten; Bei einer Verurteilung hätte ihm eine Geldstrafe oder im Extremfall eine Haftstrafe gedroht. Doch daraus wird nichts: Die Rechtskommission des Ständerats hat am Donnerstag entschieden, dass Köppel seine parlamentarische Immunität behält. Der Fall wird als nicht ernst genug angesehen, Köppel bleibt vor Strafverfolgung geschützt.

Die Kommission hat richtig geurteilt. In einem Kommentar zum Ukrainekrieg kündigte der Journalist „Weltwoche“ Köppel die Beschlagnahme von Schweizer Luxusuhren in Moskau an. Dazu nutzte er ein internes Informationsschreiben des Auswärtigen Ausschusses, das ihm die Beschwerde einbrachte. Eine Verurteilung Köppels hätte ein schlechtes Signal gesendet, eines von vielen zuletzt.

Die Entscheidung ist zu begrüßen, auch wenn Roger Köppel, dessen Ansichten zum Ukrainekrieg unbequem sind, davon profitiert.

Es gibt immer mehr Entscheidungen und Aktivitäten der Behörden, die die Arbeit der Medien behindern. Aufgrund eines neuen Gesetzes ist es fast unmöglich, Bankdatenlecks zu melden, ohne sanktioniert zu werden. Das Parlament ermöglichte lediglich die Einstellung kritischer Zeitungsuntersuchungen vor Gericht. Mit fieberhaftem Aktivismus wird nach den Urhebern von Indiskretionen gesucht. Einige Politiker und die Justiz scheinen die Schaffung von Transparenz als ein Übel zu sehen, das dringend bekämpft werden muss.

Die Entscheidung der Rechtskommission geht in die entgegengesetzte Richtung. Daher ist es zu begrüßen, auch wenn Roger Köppel, dessen Ansichten zum Krieg in der Ukraine unbequem sind, davon profitiert. Köppel begegnete dem Diktator und Menschenschlächter Putin mit warmer, wenn nicht brillanter Bewunderung. Es wäre schön, wenn ihn die aktuelle Folge zum Nachdenken anregen würde. In Putins Russland soll er für das „Verbrechen“, für das er hier straffrei bleibt, um sein Leben fürchten.

Fabian Renz leitet seit 2018 die Tamedia-Redaktion. Der studierte Historiker arbeitet seit 1999 als Journalist. Seit 2006 berichtet er im Bundeshaus über die «Südostschweiz» und die «Aargauer Zeitung»; 2010 wechselte er ins Bundesbauteam des «Tages-Anzeiger» und des «Bund».

Weitere Informationen @ renzfabian01Gepostet: 30.06.2022, 19:47

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